Suche

zur Hauptseite

Institut für Neurowissenschaften und Medizin

Navigation und Service


fMRT-Studie zeigt Beeinträchtigung von Theory of Mind-Fähigkeiten bei Jugendlichen mit Anorexia Nervosa

Patienten mit Anorexia Nervosa („Magersucht’) beschäftigen sich sehr ausführlich damit, wieviele Kalorien in ihrem Essen stecken, und welches Gewicht sie auf die Waage bringen. Der starke Wunsch, immer weiter abzunehmen kann lebensgefährlich sein. Patienten haben aber oft auch Probleme im Umgang mit anderen Menschen. Nicht selten meiden sie soziale Situationen und ziehen sich im Laufe der Erkrankung immer mehr von ihrem sozialen Umfeld zurück. Dieser Aspekt der Magersucht wurde bisher nur sehr wenig untersucht. Einige Wissenschaftler sind der Meinung dass zumindest bei einem Teil der Patienten ähnliche Mechanismen am Werke sind wie sie beim Autismus vermutet werden. In einer Untersuchung sind wir dieser Frage näher auf den Grund gegangen: Wir haben dazu Magersüchtige mit starkem Untergewicht zu Beginn der Behandlung und mit annähernd normalem Gewicht bei der Entlassung aus der Klinik untersucht. Die Teilnehmer betrachteten spezielle Videos, gleichzeitig wurde mit funktioneller Bildgebung die Aktivierung im Gehirn gemessen. Auf den Videos waren Bewegungen von abstrakten geometrischen Figuren (z.B. Dreiecke und Quadrate) zu sehen. Bei genauer Betrachtung gewinnt man aber den Eindruck, dass diese miteinander z.B. spielen, sich küssen, streiten, oder ängstlich sind. Die Fähigkeiten, solche sozialen Muster zu erkennen und zu interpretieren, und Anderen soziale Motive, Intentionen und Gedanken zuzuschreiben nennt man auch „Theory of Mind“ Fähigkeiten.

Bei den Patienten mit Magersucht haben wir ähnliche Auffälligkeiten wie beim Autismus gefunden, d.h. weniger Aktivität in solchen Bereichen der Hirnrinde, die normalerweise bei der Interpretation von sozialen Verhaltensmustern und Theory of mind aktiv sind. Dies war sowohl zu Beginn, wie auch nach erfolgreicher Behandlung erkennbar. Zusätzlich haben wir untersucht, wie gut die Patienten sich  nach einem Jahr wieder erholt hatten. Die Patienten, denen es nach einem Jahr am schlechtesten ging, hatten zu Beginn die stärksten Auffälligkeiten der Hirnaktivierung gezeigt. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Beeinträchtigung von sozialen Verarbeitungsprozessen bei Magersucht eine wichtige Rolle spielen kann. Offenbar können gute soziale Fertigkeiten die Entwicklung der Magersucht positiv beeinflussen. Diese Erkenntnis ist wichtig für die Weiterentwicklung und Anpassung erfolgreicher Therapiestrategien zur Behandlung von Magersucht.

Anorexie1

Geringere Aktivierung bei Patienten mit Magersucht in Hirnbereichen, die für Theory of Mind wichtig sind.


Anorexie2

Je geringer die Aktivierung während einer Theory of Mind Aufgabe zu Beginn der Erkrankung, desto stärker ist die Magersucht nach einem Jahr noch ausgeprägt.


Reference:

Schulte-Rüther, M., Mainz, V., Fink, G. R., Herpertz-Dahlmann, B., & Konrad, K. (2012). Theory of mind and the brain in anorexia nervosa: relation to treatment outcome. Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry, 51(8), 832–841.e11. doi:10.1016/j.jaac.2012.06.007


Servicemenü

Homepage