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Ein Rückschlag für die Alzheimerforschung?

Jülich, 1. Dezember - Vergangene Woche beendete das Pharmaunternehmen Eli Lilly eine große Zulassungsstudie für ein Medikament gegen Alzheimer – mit enttäuschendem Resultat. Der Gedächtnisabbau konnte bei den behandelten Patienten nicht gestoppt oder verlangsamt werden. Solanezumab – so der Name des untersuchten Medikaments – konzentriert sich auf Amyloid-Beta-Proteine als Krankheitsursache. Auch bei Jülicher Forschern um Prof. Dieter Willbold steht das Protein im Zentrum der Aufmerksamkeit. Prof. Dieter Willbold erklärt, warum sie durch dieses Ergebnis ganz und gar nicht entmutigt sind.

"Bislang hat die Entwicklung von Alzheimer-Medikamenten recht unspezifisch darauf abgezielt, das Amyloid-Beta-Protein und seine Ablagerungen im Gehirn abzubauen oder deren Bildung zu verringern. So ist Solanezumab ein Antikörper, der schon sehr lange entwickelt wird und sich gegen Amyloid-Beta-Einzelmoleküle richtet. Wir – und immer mehr andere Forscher – konzentrieren uns hingegen darauf, nicht die harmlosen Amyloid-Beta-Einzelmoleküle, sondern ganz gezielt Amyloid-Beta -Oligomere zu beseitigen. Das sind kleinere Verbünde aus mehreren Einzelmolekülen, eine Art Zwischengröße zwischen einem Einzelmolekül und Plaque-Ablagerungen. Diese Oligomere schädigen nachweislich die Zellen im Gehirn und stehen daher seit einigen Jahren ganz besonders im Verdacht, Alzheimer auszulösen.

Wir arbeiten daher an einem Wirkstoffkandidaten, der diese Oligomere beseitigt. Schaffen wir es, deren Zahl deutlich zu verringern, hoffen wir, den Fortschritt der Krankheit verlangsamen oder deren Entstehung hinauszögern zu können. Damit unterscheidet sich unser Ansatz deutlich von der Wirkweise von Solanezumab.

Allerdings sollten alle denkbaren und sinnvollen Therapie-Strategien verfolgt werden, solange wir kein Medikament haben, das wenigstens den Krankheitsfortschritt verlangsamen kann. So setzen wir und andere Forscher zusätzlich darauf, toxische Aggregate und Formen von Phospho-Tau zu bekämpfen. Das ist ein anderes Protein, das eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Alzheimer spielt. Doch auch hier blieben bislang alle Therapie-Strategien erfolglos. Bis endlich ein Medikament, das sich ursächlich gegen die Krankheit richtet, auf den Markt kommt, behalten auch die bereits zugelassenen Medikamente, die allerdings den Krankheitsfortschritt leider nicht verlangsamen können, ihre Bedeutung – wenn sie etwa Begleitsymptome wie Aggressivität lindern."

Blogbeitrag über Prof. Dieter Willbolds Alzheimer Forschung am Biomolekularen NMR-Zentrum auf dem Jülicher Campus

mehr zur Alzheimerforschung

Website des Institute of Complex Systems - Strukturbiochemie (ICS-6)

Ansprechpartner:

Prof. Dieter Willbold
Tel. +49 2461 61-2100
E-Mail: d.willbold@fz-juelich.de

Pressekontakt:

Peter Zekert
Tel: +49 2461 61-9711
E-Mail: p.zekert@fz-juelich.de


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