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Halbzeit im Human Brain Project

NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Pinkwart trifft Forscher des europäischen Großprojekts am Forschungszentrum Jülich

Jülich, 4. Oktober 2018 – Vor fünf Jahren ging mit dem Human Brain Project eines der größten jemals von der EU geförderten Projekte an den Start. Um Durchbrüche im Verständnis des menschlichen Gehirns zu erzielen, verfolgt das Projekt den Ansatz, Neurowissenschaft und leistungsstarke Computertechnologien systematisch zu verknüpfen. Zur Halbzeit der von der EU finanzierten Projektlaufzeit trafen sich heute Wissenschaftler des Projekts am Forschungszentrum Jülich, um im Beisein von Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, einen Blick auf erzielte Erfolge und bestehende Herausforderungen zu werfen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Projekts, dessen wissenschaftliche Leitung die Jülicher Neurowissenschaftlerin Prof. Dr. Katrin Amunts innehat, gaben auf dem Kolloquium einen Einblick in den Aufbau einer weltweit einzigartigen Forschungs-Infrastruktur, der HBP Joint Platform, die als dauerhafte europäische Technologieplattform den Fortschritt in Neurowissenschaft, Medizin und Computing beschleunigen soll.

Prof. Katrin Amunts im Hörsaal mit Prof. Katrin Amunts, wissenschaftliche Leiterin des HBP
Copyright: Forschungszentrum Jülich / W.-P. Schneider

Als Keynote-Speaker war Prof. Rainer Goebel von der Universität Maastricht geladen, der in seinem Vortrag einen Einblick in die Nutzung extrem hochauflösender Bildgebung des Gehirns mit sogenannten Ultrahochfeld-MRT-Scannern gab. Neben seiner Arbeit im Bereich des Neuroimaging entwickelt der Forscher im Rahmen des Projekts auch Modelle für tiefe neuronale Netzwerke, die zu biologisch inspirierten Robotersystemen beitragen.

Seit dem Startschuss im Jahr 2013 konnten Forscher im europäische Flaggschiff-Projekt eine Vielzahl vielversprechender Ergebnisse erzielen: etwa beim Aufbau eines digitalen 3D-Hirnatlas, bei der Entwicklung von Gehirn-inspirierten Computerchips oder der Anwendung von Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI). Die Ergebnisse wurden bislang in insgesamt etwa 700 Artikeln in wissenschaftlichen Zeitschriften und hunderten Konferenzbeiträgen veröffentlicht.

Prof. Rainer Goebel erläutert während seines Vortrags im Hörsaal eine Folie. Prof. Rainer Goebel erläutert die Nutzung extrem hochauflösender Bildgebung mit sogenannten Ultrahochfeld-MRT-Scannern
Copyright: Forschungszentrum Jülich / Wilhelm-Peter Schneider

Unter Nutzung neuer Forschungsmöglichkeiten gelangen zahlreiche Fortschritte mit klinischer Relevanz, etwa in der Erforschung der Depression, der Epilepsie und von Bewusstseinsstörungen. Ein weiteres Beispiel im Projekt ist die laufende Entwicklung einer neuartigen "Sehhilfe". Wissenschaftler um Prof. Pieter Roelfsema in Amsterdam nutzen das erweiterte Verständnis über das visuelle System des Gehirns als Grundlage für die Entwicklung einer Gehirnprothese, die Blinden über gezielte Elektroden-Stimulation der Neuronen im primären visuellen Cortex dabei helfen soll, ihre Umgebung zu erkennen.

Weitere Informationen:

Ausführlicher Bericht mit weiteren Forschungsbeispielen des HBP

"Open Day" des Human Brain Project am 15. Oktober in Maastricht

Am 15. Oktober richtet HBP-Forscher Rainer Goebel in Maastricht den jährlichen „HBP Open Day“ aus, der die Forschung aller Bereiche des Projekts in zugänglicher Weise vorstellt, und zu dem Öffentlichkeit und Medien herzlich eingeladen sind. Zum Programm gehören Vorträge und ein interaktiver „Science Market“, bei dem Besucher das Gehirn etwa in Virtual oder Augmented Reality erkunden oder mit smarten „Neurorobotern“ interagieren können.

Logo des Tag der Offenen Tür beim HBP mit Schriftzug und stilisiertem Gehirn

Weitere Informationen unter: https://www.hbpopendaysummit-2018.org/en

Flyer: https://www.hbpopendaysummit-2018.org/download2455