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Zentralinstitut für Engineering, Elektronik und Analytik (ZEA)

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Aus Babylon nach Jülich

Maschinenbauer aus dem Irak macht ein Praktikum im ZAT

Das Forschungszentrum hat seit einigen Wochen einen nicht alltäglichen Gast: Ameer Kamil Baqir Al-Hilo kommt aus dem Irak und hospitiert am Zentralinstitut für Technologie (ZAT). Möglich wurde dieser Deutschlandaufenthalt über die Initiative "Irak-Horizonte 2015 – Heute säen, morgen ernten", die der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut gemeinsam ins Leben gerufen haben.

Ziel des Projektes ist es, die wirtschaftlichen Beziehungen und den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und dem Irak zu stärken. "Wir können uns der Globalisierung der Welt nicht entziehen, daher sollten wir versuchen, sie mitzugestalten. Ländern wie dem Irak können wir durch solche Projekte beim Wiederaufbau helfen", betont Dr. Ghaleb Natour, der Leiter des ZAT. Zudem würden sich dadurch auch neue Märkte eröffnen und man bekomme Zugang zu jungen und motivierten Fachkräften.

Ameer Kamil Baqir Al-Hilo ist einer von 15 Irakerinnen und Irakern, die im Rahmen des Projekts seit Anfang Januar in Deutschland sind. Nach einem gemeinsamen vierwöchigen Sprachkurs am Goethe-Institut in Schwäbisch Hall ging es für alle Teilnehmer in Forschungseinrichtungen und Unternehmen in ganz Deutschland.

Der 28-Jährige hat Maschinenbau an der Al-Nahrain Universität in Bagdad studiert und sich schon im Irak viel mit erneuerbaren Energien beschäftigt, auch wenn das nicht immer so einfach war. Denn im Ölland Irak gebe es kein Geld für Forschung an regenerativen Energien, erzählt er. Weil man für Experimente teure Maschinen brauche, könne man im Irak nur theoretisch forschen. Umso beeindruckender findet er die Forschung in Deutschland: "Hier gibt es eigentlich keine Rohstoffe, und bald auch keine Kernenergie mehr, und trotzdem gehört Deutschland zu den Ländern mit der besten Energieforschung, gerade auch für erneuerbare Energien."

"Ich habe am Anfang öfters meinen Bus verpasst. Deutschland ist tatsächlich ein pünktliches Land", sagt Al-Hilo. Der Iraker kommt aus der Stadt Hilla, die in der Nähe des antiken Babylons liegt, und die deutsche Pünktlichkeit gefällt ihm gut. Seit drei Wochen ist er Praktikant am ZAT. "Jülich ist zwar ein kleiner Ort, an dem die Geschäfte sehr früh schließen, aber das Forschungszentrum ist toll. Hier wird an so vielen verschiedenen Sachen geforscht, und ich bekomme einen breiten Einblick", fasst Al-Hilo seine ersten Erfahrungen zusammen.

Im ZAT hat Al-Hilo bereits aktiv an Projekten der Energieforschung und Simulationstechnik mitgearbeitet und kann sich gut vorstellen, noch länger in Deutschland zu bleiben. Das sieht auch sein Betreuer Dr. Harald Glückler vom ZAT so: "Wir sind wirklich sehr zufrieden mit ihm. Das Praktikum soll auch eine Möglichkeit für ihn sein, zu überlegen, ob er in Jülich promovieren möchte."

Selbst in der kurzen Zeit hat Al-Hilo bereits viel für sich gelernt. "Ich bin aufgeschlossener geworden und habe erkannt, dass viele Dinge, von denen ich dachte, sie seien unmöglich, doch möglich sind – auch im Irak", sagt er. "Außerdem lieben alle Menschen hier ihre Arbeit, das ist im Irak nicht immer so", schmunzelt er. "Dafür besuchen sich Iraker öfter gegenseitig und sind kommunikativer, auch die Deutschen sollten sich dafür mehr Zeit nehmen."

 

Autorin: Hanna Metzen, Unternehmenskommunikation, FZJ

 

Initiative "Irak-Horizonte 2015"

 

Praktikant der Initiative "Irak-Horizonte 2015 – Heute säen, morgen ernten"Ameer Kamil Baqir Al-Hilo (l.) aus dem Irak mit ZAT-Leiter Dr. Ghaleb Natour und Betreuer Dr. Harald Glückler.
Quelle: Forschungszentrum Jülich, Fotograf: Ralf-Uwe Limbach


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