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Erstarrtes Öl und Gold im Bergbach

"Jugend forscht - Schüler experimentieren": Regionalwettbewerb in Jülich

[15. Februar 2001]

Ideen für Neues werden an ganz unterschiedlichen Orten geboren: Im Fahrradsattel, auf dem heimischen Sofa oder an einem eisigen Bergbach. Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 21 Jahren präsentierten am 15. Februar ihre Experimente und wissenschaftlichen Ergebnisse im Rahmen des Regionalwettbewerbs "Jugend forscht - Schüler experimentieren". Austragungsort war erstmals das Forschungszentrum Jülich. Von Bonn bis Aachen und Leverkusen bis Mönchengladbach waren die Jungforscherinnen und -forscher angereist. Egal wo die 45 Mädchen und Jungen ihren Geistesblitz hatten - ihre Neugier und Begeisterung war enorm ansteckend.

Ein rasant abfallender Fahrradweg am Berghang und eine scharfe Kurve mit unbeleuchteter Kreuzung ließen den 13-jährigen Zwillingsbrüdern Sebastian und Markus Lepper aus Bergheim keine Ruhe. "Problem Nummer eins ist, dass bei Dunkelheit keiner die Handzeichen der Radfahrer sieht", beschreibt Sebastian die gefährliche Situation in seinem Heimatort. "Der Berg ist so steil und die Kurve so scharf, dass man sowieso lieber beide Hände am Lenker lässt, um nicht zu stürzen", fügt Markus besorgt an. Die Lösung der beiden Erfinder: Eine kostengünstige Bremslicht- und Blinkanlage für´s Fahrrad. Diese pfiffige Idee überzeugte auch die 20-köpfige, mit Wissenschaftlern des Forschungszentrums und "Jugend forscht"-Mitgliedern besetzte Jury: Die Brüder werden Anfang April zum Landeswettbewerb nach Leverkusen reisen. Aber sie sind nicht die Einzigen.

Eine ganz andere Situation brachte Miro Keil (11) aus Bonn-Beuel um den Schlaf: "Ich saß zuhause auf dem Sofa und schaute gemeinsam mit meiner Mutter die Nachrichten. Die Ölkatastrophe in der Bretagne machte mich doch sehr nachdenklich, und ich wollte wissen, wieso es keine besseren Verfahren zur Bekämpfung einer Ölpest gibt." Der Schüler recherchierte zunächst im Internet, um zu erfahren, welche Methoden wo und wann zum Einsatz kommen. Er überlegte sich die Vor- und Nachteile und kam zu dem Ergebnis, dass insbesondere auf hoher See die Bergungsschiffe nicht schnell genug vor Ort sind. "Könnte man das Öl - wenn es vorher irgendwie verfestigt würde - nicht einfach per Hubschrauber mit einer Art Sieb vom Wasser schöpfen?", fragte er sich. Verblüfft über die Anfrage aber unbürokratisch stellte die Firma Shelleine Flasche Rohöl aus Kuwait für die Experimente zurVerfügung. ChemielieferantLinde spendierte flüssigen Stickstoff als Gefriermittel. Bewaffnet mit Handschuhen und Schutzbrille machte sich Miro an die Arbeit. Und tatsächlich: Der Stickstoff verfestigte das Öl derart, dass es sich unter Laborbedingungen mit einem engmaschigen Metallsieb bergen und abtransportieren ließ. Begeistert von der Idee, versprach Professor Treusch spontan, umgehend die Kostenfrage von Experten klären zu lassen. Miro Keil erhielt neben einem Umweltsonderpreis ebenfalls die "Fahrkarte" zum Landeswettbewerb.

Ebbe in der Urlaubskasse und eine gesunde Portion Neugier brachten Alexandra Wieczorek (9) und Schwester Claudia (7) aus Aachen-Brand auf die Idee, Gold aus einem österreichischen Bergbach zu waschen. Ein halber Tag mit Gummistiefeln im Wasser und viele Stunden emsiger Sortier- und Auswertearbeit am Küchentisch brachte neben sechs winzigen aber wahrhaft echten "Goldnuggets" eine erstaunliche Ausbeute: Mit Hilfe eines Magnets fischten die beiden beispielsweise 14 Gramm reines Magnetit aus insgesamt 65 Gramm Goldwaschsand. Unter dem Mikroskop entdeckten sie zudem eine neue bunte Welt aus Kupferkies, Granat, Rutil, Scheelit, Zirkon, Titanit, Monazit und vielen anderen Mineralien, von denen sie vorher noch nie etwas gehört hatten. Auch wenn der Gegenwert des Goldes sich nach ersten Schätzungen leider nur auf etwa 10 Pfennig belief, würdigte die Jury so viel Forschergeist und Ausdauer mit einem Jahresabonnement der Zeitschrift"Natur und Kosmos". Das Forschungszentrum spendierte als besondere Anerkennung zwei Ferngläser, "mit denen ihr vielleicht im nächsten Urlaub goldene Bergkuppen entdecken werdet", spornte Prof. Treusch die kleinen Jungforscherinnen an.

"Alle, die hier ihre Ideen und Experimente vorgestellt haben, sind Gewinner", betonte Regionalwettbewerbsleiter Dr. Eckhard Wagner während der Preisverleihung. Das Motto des diesjährigen Wettbewerbs "Höhenflüge - aus eigener Kraft" sei stellvertretend für den Weg, den die Forschung oft gehe: "Mal auf, mal ab, mal vorwärts, mal zurück - wer es in diesem Jahr nicht zum Landeswettbewerb geschafft hat, der fährt vielleicht im kommenden Jahr mit. Wir möchten euch ermutigen weiterzumachen, neugierig zu bleiben und vor allem die Ausdauer nicht zu verlieren."

Spannende Gesprächen mit "echten" Wissenschaftlern und die Fachsimpelei mit der Jury bewerteten viele Jugendliche als Höhepunkt des Wettbewerbs. Zur Preisverleihung stieg dann bei allen nochmal der Puls. Als Ansporn und Anerkennung vergab das Forschungszentrum an jeden Teilnehmer einen hochwertigen Solartaschenrechner mit zahlreichen wissenschaftlichen Rechenfunktionen sowie ein kleines Souvenir in Form einer Tasse mit dem Slogan "Zukunft ist unsere Aufgabe". Etliche Zeitschriften-Abos - von "Bild der Wissenschaft" bis "Geolino" - und Geldprämien winkten als Sonderpreise, gestiftet von "Jugend forscht", der Landesregierung und anderen Sponsoren.

In die nächste Runde zu "Jugend forscht" auf Landesebene haben es Tobias Bruch (21) mit seiner Arbeit "Schwerelosigkeit mittels Elektromagneten" sowie Daniel Sprenger (16) und Matthias Edelhoff (17) mit ihrem "Messgerät zur Verkehrszählung" geschafft. Bei den Schülerinnen und Schülern qualifizierten sich für den Landeswettbewerb: Fabian Licher (15), Sebastian Schäfer (15) und Maximilian Brölsch (15), die das "Pflanzenwachstum in Abhängigkeit zum Licht" untersuchten; Miro Keil (11) und seine Alternative zur "Ölpestbekämpfung", Georg Schmücking (12) und Steffen Knigge (11) für ihre "experimentellen Untersuchungen mit Spiegelbildern", sowie Sebastian und Markus Lepper (beide 13), mit ihrer neuartigen "Bremslicht- und Blinkanlage" für´s Fahrrad.

- bst -

2001-13-Sharma_Jug-fo_03-klein_jpgProminenter Besuch informierte sich beim Regionalwettbewerb Jugend forscht: die indische Staatssekretärin Dr. Manju Sharma, hier am Stand von Teilnehmern des Jülicher Gymnasiums Haus Overbach und der Realschule Linnich.
Copyright: Forschungszentrum Jülich


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