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Der Herr der Brennstoffzelle

Dr. Robert Steinberger-Wilckens neuer Leiter des Projektes Brennstoffzelle

[22. April 2002]

Das 20-Kilowatt-Brennstoffzellensystem fest im Visier hat Dr. Robert Steinberger-Wilckens: Seit 1. Februar ist der 44-jährige Physiker neuer Leiter des Projektes "Brennstoffzelle" am Forschungszentrum Jülich.

Brennstoffzellen wandeln die chemische Energie von Wasserstoff direkt in elektrischen Strom - und mit Wasserstoff kennt sich Robert Steinberger-Wilckens bestens aus. Unmittelbar nach seiner Diplomarbeit gründete er 1986 zusammen mit vier Studienkollegen in Oldenburg das Ingenieurbüro PLANET - Planungsgruppe Energie & Technik. Über Wind und Sonne landete er dann "automatisch" beim Wasserstoff, der aus überschüssig produziertem Wind- oder Solarstrom erzeugt werden kann.

"Wir von PLANET haben uns intensiv der Frage gewidmet 'Wo kommt der Wasserstoff für ein Fahrzeug her?'". Eine der Antworten: Aus einer Wasserstofftankstelle. Die hat Steinberger-Wilckens schon in Oldenburg konzipiert. Wo geht der Wasserstoff hin? Zum Beispiel in die Brennstoffzelle. Deren Entwicklung will der Physiker jetzt am Forschungszentrum Jülich voran treiben. Seine Aktivitäten bei PLANET sieht er als Vorleistung, die es jetzt umzusetzen gilt. "Die Projektleiterstelle in Jülich passt genau dazu", beschreibt Steinberger-Wilckens seine Motivation von Oldenburg nach Jülich zu wechseln, "hier kann ich mit der entsprechenden Verantwortung arbeiten und habe ganz neue Möglichkeiten."

Steinberger-Wilckens zieht Mannschaftssport dem Einzelkämpfertum vor. Deshalb hat er lange Zeit Basketball gespielt und sich vorgenommen, "mal wieder nach einer Volleyballmannschaft Ausschau zu halten". Eine andere, viel größere Mannschaft wartet dagegen schon jetzt auf ihn: Die rund 100 Mitarbeiter des Projektes "Brennstoffzelle", in dem seit 1997 die Jülicher Forschungsaktivitäten zur keramischen Hochtemperatur-Brennstoffzelle (SOFC für Solide Oxide Fuel Cell) koordiniert sind. In den drei Teilinstituten des Instituts für Werkstoffe und Verfahren der Energietechnik (IWV) sowie der Zentralabteilung Technologie (ZAT) testen sie neue Werkstoffe, entwickeln theoretische Modelle und konstruieren, bauen und optimieren komplette SOFC-Stapel, bestehend aus mehreren planaren Einzelzellen.

Mit einem Stapel von 30 Zellen erreichten die Wissenschaftler im vergangenen Jahr die Rekordleistung von 4,4 Kilowatt - ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum 20-Kilowatt-System. Daneben haben sie erstmals einen SOFC-Stapel von 1 Kilowatt Leistung mit interner Reformierung betrieben. Das bedeutet, dass das Brenngas Wasserstoff direkt in der Zelle bei einer Betriebstemperatur von 800°C aus Methan gewonnen wird. Ein vorgeschalteter Reformierungsschritt, der zusätzliche Energie kostet, entfällt also. "Bisher arbeiten unsere Stapel noch nicht lange genug. Zudem müssen wir die Qualität der Einzelzellen noch reproduzierbarer machen, denn die schwächste Zelle im Stapel bestimmt die Leistung", umreißt Prof. Ludger Blum, bisheriger kommissarischer Projektleiter, die Probleme, die er nun an seinen Nachfolger weiter gibt.

Und denen will sich Steinberger-Wilckens natürlich vorrangig widmen. Eines seiner wichtigsten Ziele ist, die "Jülicher" Brennstoffzelle so weit zu entwickeln, dass sie in einigen Jahren von der Industrie in den Markt eingeführt werden kann, die diese beispielsweise als Blockheizkraftwerk in Gebäuden einsetzt. "Ein nächster Schritt wäre die Profilierung als Kompetenzzentrum", blickt der neue Projektleiter weiter in die Zukunft. Außerdem will er als weiteren Schwerpunkt die Verwendung biogener Brenngase als Wasserstoffquelle am Forschungszentrum etablieren, um langfristig auf fossiles Methan verzichten zu können. "Was mir dabei beruflich und auch sonst am Herzen liegt ist Nachhaltigkeit", erzählt Robert Steinberger-Wilckens, "dass man sozusagen als Menschheit nicht so einen großen ökologischen Fußabdruck hinterlässt."

- rdr -

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Dr. Robert Steinberger-Wilckens - neuer Leiter des Projektes Brennstoffzelle

Foto: Forschungszentrum Jülich


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