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"Ausbildung ist unsere Zukunft"

Kolloquium zur Berufsausbildung veranstaltet

[13. Mai 2003]

Etwa 130 Vertreter der regionalen Politik, von Berufsschulen und Bildungsträgern nahmen an einem Kolloquium zur Berufsausbildung teil. Das Forschungszentrum Jülich hatte seine wichtigsten Partner in der beruflichen Erstausbildung eingeladen, gemeinsam wichtige Trends und Zukunftsszenarien der Berufsbildung zu diskutieren. In ihrer Eröffnungsrede betonte die Stellvertretende Vorstandsvorsitzende Dorothee Dzwonnek, dass das Forschungszentrum sein Ausbildungsengagement trotz angespannter Haushaltslage nicht dauerhaft einschränken möchte.

Gleichzeitig appellierte sie an die politischen Zuwendungsgeber, entsprechende Mittel auch im Rahmen der neuen Förderungsstruktur der Helmholtz-Gemeinschaft zu berücksichtigen. Unterstützt wurde Dorothee Dzwonnek dabei von Prof. Dr. U. Benjamin Kaupp und Karl Sobotta. Beide unterstrichen die Bedeutung der Berufsausbildung aus Sicht des Wissenschaftlich-Technischen Rates bzw. des Betriebsrates des Forschungszentrums. Kaupp lobte ausdrücklich das hohe Qualifikationsniveau der Laboranten, denen die Forschung ausgezeichnete Lernbedingungen bieten könnte, die ihrerseits aber auch für erfolgreiche Spitzenforschung als einer Mannschaftsleistung mittlerweile unerlässlich wären. Gleichzeitig bedauerte er, dass viele der Auszubildenden nach ihrer Prüfung das Zentrum verließen. Einerseits motiviere der Einblick in die Forschung zur Weiterqualifikation, z.B. zum Studium, andererseits locke die Industrie mitdeutlich höheren Gehältern. Karl Sobotta betonte, dass Ausbildung auch Toleranz und kulturelle Offenheit vermitteln müsse, gerade in einem internationalen Forschungszentrum mit Mitarbeitern und Gästen aus der ganzen Welt.


"Lasst uns viele Apfelbäumchen pflanzen"

Dieter Litterscheidt, der Ende April nach 39 Jahren als Leiter der Zentralen Berufsausbildung des Forschungszentrums in den Ruhestand trat, stellte in seinem Vortrag die Vielfalt der Berufsausbildung im Forschungszentrum sehr plastisch dar. Litterscheidt konfrontierte die Zuhörer zunächst mit Fotos junger Obstbäume. Das Forschungszentrum pflanzt nämlich für jeden Auszubildenden, der seine Prüfung mit sehr gutem Erfolg abgeschlossen hat, einen Obstbaum auf seinem Campus. Auf diese Weise entstand schon eine beachtliche Allee. Von den knapp 3.400 jungen Menschen, die bisher eine Berufsausbildung im Forschungszentrum erfolgreich absolvierten, hatten 147 sehr gute Prüfungsergebnisse. Damit liegt Jülich deutlich über dem Durchschnitt. Die Ernte fährt nicht nur das Forschungszentrum selbst ein; die ganze Region profitiert von den Ausbildungsanstrengungen. Litterscheidt stellte in seinem Vortrag auch dasneue Ausbildungskonzept des Forschungszentrums vor, mit dem die Weichen für eine zukunftsweisende Berufsausbildung gestellt worden sind.


"Duales System unschlagbar"

Der Direktor des Berufskollegs Jülich, Wolfhard Horn, lieferte eine Standortbeschreibung des dualen Systems der Berufsausbildung entlang der Achse Theorie und Praxis bzw. Denken und Handeln. Ebenso wie Praxis ohne Theorie bzw. Reflexion auf Dauer dumm mache, könne die reine Theorie zur Blindheit gegenüber der Bewährung in der Praxis führen. Beide Säulen des dualen Systems, Berufsschulen wie Ausbildungsbetriebe, müssten daher Theorie und Praxis integrieren. Gelinge dies, so sei das duale System nach Horn "unschlagbar".


"Der europäische Gedanke in der Berufsausbildung"

Im Sprint gab Heinz Gehlen, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Aachen, einen Überblick zu grenzübergreifenden, europäischen Ausbildungsinitiativen. Auch wenn viele Einzelprojekte z.B. zur deutsch-niederländischen Facharbeiterprüfung im Metallbereich, durchaus sehr erfolgreich sind, so zeigte sich Gehlen doch eher skeptisch bezüglich einer raschen, systematischen Abstimmung der Berufsausbildung in Europa. Eine realistische Perspektive ist für Gehlen die grenzüberschreitende Anerkennung und Bewertung von anforderungsgleichen Modulen der Ausbildung mit Hilfe von Credit Points, wie sie im akademischen Bereich bekannt sind.


"Ausbildung als gesellschaftliche Aufgabe"

Zum Abschluss warben Dr. Reinhard Zedler vom Institut der deutschen Wirtschaft und Winfried Schlaffke, Professor für Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, für die berufliche Ausbildung und ihre Realisierung im dualen System. So wurden in den letzten Jahren als Reaktion auf technische und gesellschaftliche Veränderungen in Deutschland 47 neue Berufsbilder geschaffen und mehr als 100 erneuert.

Über alle Referate hinweg herrschte Einigkeit darüber, dass Ausbildung einerseits unerlässlich ist zur langfristigen Sicherung des Wohlstandes in einer Wissensgesellschaft. Andererseits beschränkt sich die Berufsausbildung nicht auf wirtschaftliche Kategorien. Denn Ausbildung beherbergt das Wort "Bildung", das neben der wirtschaftlichen auch die kulturelle und soziale Dimension umfasst. Ausbildung kann daher nur erfolgreich sein, wenn alle an der Ausbildung Beteiligten, Schulen und Betriebe, Lehrer und Ausbilder, Verbände und Politik und natürlich auch die Auszubildenden selbst die Chancen zur persönlichen und gesellschaftlichen Entwicklung erkennen und ergreifen.

Informationen zur Berufsausbildung im Forschungszentrum Jülich:
http://www.fz-juelich.de/gp/ausbildung/


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Foto: Forschungszentrum Jülich


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