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Energie nach dem Vorbild der Sonne: Internationale Workshops in Jülich

Auftakt zu einer neuen Tagungsreihe im Zwei-Jahres-Rhythmus

[2. Oktober 2003]

Am Institut für Plasmaphysik (IPP) des Forschungszentrums Jülich findet vom 6. bis 8. Oktober ein internationaler Workshop zur Kernfusion statt. Bei der Kernfusion verschmelzen Wasserstoffkerne in einem viele Millionen Grad heißen Plasma zu Heliumkernen. Der Workshop "Stochastization in Fusion Edge Plasmas" befasst sich speziell mit der Frage wie der Rand des Plasmas so beeinflusst werden kann, dass die umgebenden Wände nicht zu sehr belastet werden - für die Entwicklung eines künftigen Fusionsreaktors ein zentraler Punkt.

Die Verschmelzung (Fusion) von Wasserstoff zu Helium ist der Prozess, aus dem die Sonne ihre Energie gewinnt. Ziel intensiver Forschung ist es, diese Art der Energiegewinnung auch auf der Erde zu nutzen. Das Forschungszentrum Jülich betreibt dazu das Kernfusionsexperiment TEXTOR - eingebettet in das europäische Fusionsprogramm und in Kooperation mit Belgien und den Niederlanden im Rahmen des "Trilateralen Euregio Clusters" (TEC).

Seit Dezember vergangenen Jahres ist TEXTOR "aufgerüstet" durch ein neues Element, den Dynamischen Ergodischen Divertor (DED). Der Workshop "Stochastization in Fusion Edge Plasmas" - der Auftakt zu einer neuen Tagungsreihe, die alle zwei Jahre stattfinden soll - steht in engem Zusammenhang mit dem DED. Das Problem, über das die Experten in Jülich diskutieren: Einerseits muss das viele Millionen Grad heiße Fusionsplasma stabil von einem Magnetfeld eingeschlossen werden, andererseits müssen die riesigen Wärmemengen kontrolliert abtransportiert werden. Hier setzt der DED an: Er verwirbelt (stochastisiert) das Magnetfeld am Rand des Plasmas und verteilt so die Wärme aus dem heißen Plasma auf große Wandbereiche. Lokale Überhitzungen der Wände werden vermieden. Neben diesen Fragen mit direkter Anwendung für die Fusionsphysik, werden auch solche, die mehr der Grundlagenforschung zuzurechnensind, erörtert.

An dem Workshop nehmen etwa 70 Wissenschaftler aus 11 Ländern teil. Die weltweite Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Magnetfeldverwirbelung wird am IPP seit einigen Jahren gepflegt: So waren Jülicher Forscher in diesem Jahr an einem Experiment in San Diego (USA) beteiligt, bei dem die Stabilität des Plasmas am Rand stark verbessert werden konnte.

Die Wände, die das Plasma umgeben, sind extremen Belastungen ausgesetzt und erfordern deshalb spezielle Werkstoffe. Auch zu diesem Thema haben die Jülicher Fusionsforscher gemeinsam mit den Kollegen vom Institut für Werkstoffe und Verfahren der Energietechnik kürzlich eine internationale Tagung organisiert - und das bereits zum zehnten Mal. Etwa 90 Experten aus USA, Europa, Russland, Japan und China befassten sich im September mit der Frage, welche Wandmaterialien an welcher Stelle in einem zukünftigen Fusionsreaktor eingesetzt werden sollten. Ferner diskutierten sie über die Weiterentwicklung neuer Werkstoffe für die Kernfusion. Gegenwärtig werden Materialien auf der Basis von Kohlenstofffasern oder von hochschmelzenden Metallen wie Wolfram bevorzugt.

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Blick in das Innere von Textor: Die Brennkammer ähnelt einem riesigen Autoreifen. Ziegel aus Graphit decken die DED-Komponenten ab.

Foto: Forschungszentrum Jülich


Informationen:

Dr. Renée Dillinger
Wissenschaftsjournalistin
Forschungszentrum Jülich
52425 Jülich
Tel. 02461 61-4771, Fax 02461 61-4666
E-Mail: r.dillinger@fz-juelich.de

Mechthild Hexamer
Leiterin Öffentlichkeitsarbeit, Pressesprecherin
Tel. 02461 61-4661, Fax 02461 61-4666
E-Mail: m.hexamer@fz-juelich.de


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