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"Nachahmenswert!"

Agenda 21 NRW zeichnet Aktivitäten des Forschungszentrums Jülich aus

[27. November 2003]

Zwei eingereicht - zwei ausgewählt. Eine stolze Bilanz für das Forschungszentrum Jülich. Am 26. November wurden zwei Jülicher Projekte im Bundeshaus Bonn von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen als vorbildliche Agenda 21-Aktivitäten ausgezeichnet. "Vom Landwirt zum Laden - Den Lebensmitteln eine Herkunft geben" und die "Energetische Sanierung eines Laborgebäudes" sind "Best-Practice"-Beispiele, die einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung und Zukunftsgestaltung in Nordrhein-Westfalen leisten und zur Nachahmung anregen.

Die Agenda 21 NRW (agenda = was zu tun ist) hatte Organisationen, Unternehmen, Hochschulen und Kommunen aufgerufen, innovative Projekte einzureichen, beispielsweise zu Klimaschutz oder Verbraucherschutz und Gesundheit.

Einen Beitrag zum Klimaschutz und nachhaltigen Wirtschaften liefert das Laborgebäude des Instituts Phytosphäre, welches nach seiner Kernsanierung im August diesen Jahres von den Jülicher Umweltforschern bezogen werden konnte. Durch innovative Raumluft-Technologie, eine verbesserte Wärmedämmung und neue Fenster, die extrem wenig Wärme durchlassen, ist das Gebäude auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich nach zweijähriger Umbauphase nun ein Vorbild in Sachen Energieverbrauch. Das Laborgebäude 6.2 stammte aus den Siebzigerjahren und hatte einen Energieverbrauch, der ungefähr dem von 225 Altbauwohnungen entsprach. Nach der Sanierung beträgt der Energieverbrauch des Gebäudes nur noch 40 bis 50 Prozent des ursprünglichen Wertes. (vgl. auch Pressemitteilung "Laborgebäude verbraucht künftig nur noch halb so viel Energie")

"Den größten Beitrag zur Energieeinsparung leistet die Raumlufttechnik, die im Gebäude zum Einsatz kommt", erläutert Projektleiter Bernd Kauert von der Betriebsdirektion des Forschungszentrums Jülich. Beispielsweise wird die Abluft auf dem Dach zusammengeführt und die Wärme zurückgewonnen. Wird ein Labor nicht genutzt - etwa nachts -, wird die Leistung der Lüftung gezielt abgesenkt. Im Seminarraum und einigen Büros zeigen Sensoren an, wie frisch die Luft ist, und geben so eine objektive Entscheidungshilfe, ob Fenster geöffnet werden sollten oder nicht.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) förderte die Sanierung mit Mitteln des Programms "ENSAN: Energetische Verbesserung der Bausubstanz". Das Beispiel "Laborgebäude Phytosphäre" soll dazu beitragen, dass die Informationsdefizite vieler Laborbetreiber abgebaut werden. "Bisher mangelte es an modellhaften Sanierungen, die zur Orientierung und Motivation anderer Laborbetreiber dienen", sagt Jürgen Gehrmann vom Projektträger Jülich, der das Programm ENSAN im Auftrag des BMWA betreut. Das Projekt ist daher nachahmenswert, begründete die Jury der Agenda 21 NRW ihre Auszeichnung.

Auch mit dem zweiten eingereichten Projekt zum Thema Verbraucherschutz und Gesundheit überzeugten die Jülicher das Auswahlkomitee der Agenda 21 NRW. "Isotopen-Analyse" heißt die Untersuchungsmethode der Jülicher Forscher, mit der sie Etikettenschwindel bei Lebensmitteln auf die Spur kommen. Denn Tiere und Pflanzen - und damit praktisch alle Lebensmittel - tragen einen speziellen "Stempel": Der "Isotopen-Fingerabdruck" verrät Wissenschaftlern die Herkunft. Kommt das Rindfleisch wirklich aus Argentinien, das Geflügel tatsächlich vom norddeutschen Bio-Bauern? Nach Rinderwahn, Schweinepest und Nitrofen-Skandal ist der Verbraucher misstrauisch geworden.

Die Wissenschaftler fahnden in Lebensmitteln nach Elementen wie Sauerstoff und Wasserstoff, den Bausteinen des Wassers, oder nach dem für das Pflanzenwachstum nötigen Stickstoff. In der Natur kommen verschieden schwere Varianten eines Elements vor - Isotope genannt. So gibt es Wasser mit unterschiedlichen Anteilen an leichten und schweren Sauerstoffatomen. "Leichtes Wasser" kann schneller verdunsten und "schweres Wasser" leichter wieder abregnen. Dabei folgt es der weltweiten Luftbewegung. Somit hat das Wasser an jedem Punkt der Erde ein eigenes charakteristisches Mischungsverhältnis aus leichten und schweren Anteilen. "Wir erhalten auf diese Weise eine Isotopenkarte, die es uns ermöglicht, Nahrungsmittel eindeutig einer bestimmten Region zuzuordnen", erklärt Prof. Hilmar Förstel vom Forschungszentrum Jülich.

Das ausgezeichnete Agenda-Projekt berücksichtigt ökologische Aspekte - nämlich die Kontrolle des Weges vom Erzeuger zum Verbraucher - ebenso, wie die ökonomische Seite: Die Methode hilft, wirtschaftlichen Schäden durch Lebensmittelskandale vorzubeugen.

Inzwischen bietet die ausgegründete Firma Agroisolab GmbH die Nachweis-Methode an, die von staatlichen Untersuchungsämtern, dem Zoll, Handelsketten sowie Erzeugern und Händlern genutzt wird. "Zurzeit erweitern wir unseren 'Service' um ein Angebot", erläutert Agroisolab-Geschäftsführer Markus Boner. "Wir bauen die erste europäische Online-Herkunftsdatenbank für Eier aus der ökologischen Landwirtschaft auf."


Informationen:

Annette Stettien
Wissenschaftsjournalistin
Forschungszentrum Jülich
52425 Jülich
Tel. 02461 61-2388, Fax 02461 61-4666
E-Mail: a.stettien@fz-juelich.de

Mechthild Hexamer
Leiterin Öffentlichkeitsarbeit, Pressesprecherin
Tel. 02461 61-4661, Fax 02461 61-4666
E-Mail: m.hexamer@fz-juelich.de


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