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Meilenstein in Jülicher Forschung mit Neutronen

"Jülich Centre for Neutron Science" wird in Anwesenheit des BMBF-Staatssekretärs Thomas Rachel gegründet

[13. Februar 2006]

Gemeinsame Pressemitteilung von:

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Bundesministerium für

Bildung und Forschung

Forschungszentrum Jülich


Jülich, 16. Februar 2006 - Der 16. Februar ist ein Meilenstein in der Geschichte Jülicher Forschung mit Neutronen: Heute wurde das "Jülich Centre for Neutron Science" (Jülicher Zentrum für Forschung mit Neutronen) gegründet. Dieses Zentrum - abgekürzt JCNS - wird die Aktivitäten in Jülich und an externen Neutronenquellen bündeln und eine Außenstelle am neuen Forschungsreaktor in Garching errichten. Zur Gründung des JCNS kamen Wissenschaftler aus aller Welt nach Jülich.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Thomas Rachel, bezeichnete die Kooperation des Forschungszentrums Jülich mit der Technischen Universität München als wegweisend. "Die Wissenschaft in Deutschland profitiert von der engen Kooperation universitärer mit außeruniversitärer Forschung." Das BMBF fördert das neue Zentrum mit rund 6 Millionen Euro, zu denen in der Aufbauphase nochmals rund 18 Millionen Euro an Sachmittelinvestitionen hinzukommen.

Neutronen sind elektrisch neutrale Bausteine der Atomkerne. Neutronenstrahlen werden in Forschungsreaktoren oder Spallationsquellen erzeugt und in speziellen Geräten, so genannten "Diffraktometern" und "Spektrometern", auf die zu untersuchenden Proben gelenkt. An den Atomen und Molekülen der Proben "prallen" sie ab; dabei können sie ihre Richtung und Geschwindigkeit ändern. Die Art dieser "Streuung" gibt Auskunft über die Anordnung und Bewegung der Atome in der Probe. Als kleine Elementarmagnete können Neutronen auch die Magnetfeldverteilung innerhalb einer Probe bestimmen helfen. Lernt man auf diese Weise die innere Struktur der Materie kennen, so lassen sich Werkstoffe mit bestimmten gewünschten Eigenschaften herstellen. Neutronen ermöglichen auch besonders empfindliche Stoffanalysen, zum Beispiel den Nachweis von Spurenstoffen in der Umweltforschung. Dazu Prof. Dr. Joachim Treusch, der Vorstandsvorsitzende desForschungszentrums Jülich: "Neutronen sind heute aus der Wissenschaft - von der Grundlagenforschung bis zur anwendungsnahen Forschung in den Werkstoffwissenschaften, Biologie oder Medizin - nicht mehr wegzudenken."

Für seine vielfältigen Forschungsaufgaben betreibt das Zentrum seit November 1962 den Forschungsreaktor FRJ-2 vom Typ DIDO. Wegen seines hohen Neutronenflusses und seiner einmaligen Instrumentierung wird der FRJ-2 von vielen deutschen und internationalen Wissenschaftlern zahlreicher Disziplinen genutzt. Der FRJ-2 wird Ende April dieses Jahres für immer abgeschaltet. Das Jülicher Institut für Festkörperforschung als intensiver Nutzer dieser Neutronenquelle plant daher schon seit langem eine Neuorientierung seiner Arbeit. Prof. Dieter Richter, Direktor am Institut für Festkörperforschung, beschreibt den Wendepunkt so: "Hinter uns liegen 44 erfolgreiche Betriebsjahre mit dem Jülicher Reaktor. Aus dieser Zeit stammen wertvolle Forschungsergebnisse, aber auch anwendungsnahe Produkte, wie die Additive für Dieselkraftstoff oder Tenside mit besserer Waschkraft. Unsere Zukunft liegt bei der Arbeit an externenNeutronenquellen, nämlich am neuen Forschungsreaktor FRM II in Garching, an der Spallationsneutronenquelle in Oak Ridge (Tennessee, USA) und am Höchstflussreaktor im französischen Grenoble."

Die Arbeiten der Jülicher Neutronenforscher konzentrieren sich auf die so genannte "Weiche Materie" und auf den Magnetismus. Dazu verfügen die Wissenschaftler über hochmoderne Geräte und Methoden, die es weiterzuentwickeln gilt.

Das Jülich Centre for Neutron Science wird dazu eine Außenstelle am neuen Münchner Forschungsreaktor "München II (FRM II)" einrichten. An dieser weltweit modernsten Neutronenquelle werden insgesamt rund 30 Mitarbeiter (Wissenschaftler, Ingenieure, Techniker, Verwaltungs­angestellte) in einem eigens errichteten Gebäude vor Ort arbeiten. In der neuen Forschungs­station am FRM-II werden die Jülicher Wissenschaftler acht eigene Instrumente betreiben. Diese Instrumente mit einem Wert von 45 Millionen Euro werden nach Abschaltung des DIDO von Jülich nach München transferiert. Durch dieses Engagement wird der Garchinger Reaktor zu einer nationalen Einrichtung.

Darüber hinaus betreiben die Jülicher Neutronenforscher in Zusammenarbeit mit französischen Kollegen große Geräte am Höchstflussreaktor des Instituts Max von Laue - Paul Langevin in Grenoble. Die nächste Generation so genannter "Spinecho-Spektrometer" wird vom JCNS an der im Bau befindlichen Spallationsneutronenquelle in Oak Ridge gebaut.

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Foto: Forschungszentrum Jülich

Ein Memorandum of Agreement zum Bau eines "Spinecho-Spektrometers" durch das JCNS an der im Bau befindlichen Spallationsneutronenquelle in Oak Ridge unterzeichneten bei der Konferenz (v.l.n.r.) Prof. Joachim Treusch, Prof. Thomas Mason (Oak Ridge National Laboratory), und Prof. Richard Wagner.


Weitere Informationen aus dem BMBF:

Florian Frank
Stellvertretender Pressesprecher
Tel. 030 28540-5322, Fax 030 28540-5551
E-Mail: florian.frank@bmbf.bund.de


Weitere Informationen aus dem
Forschungszentrum Jülich:

Peter Schäfer
Stellv. Leiter der Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 02461 61-8028, Fax 02461 61-48106
E-Mail: p.schaefer@fz-juelich.de


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