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Jülicher Forscher für Zukunftspreis nominiert

Prof. Peter Tass entwickelt Hirnschrittmacher der Zukunft

14. September 2006 - Jährlich im November wird der Deutsche Zukunftspreis verliehen, einer der bedeutendsten Wissenschaftspreise in Deutschland. Heute stellte Staatssekretär Dr. Gert Haller, Chef des Bundespräsidialamtes, die vier für den Deutschen Zukunftspreis 2006 nominierten Teams erstmals der Öffentlichkeit vor. Prof. Peter Tass vom Forschungszentrum Jülich und Prof. Volker Sturm von der Universität Köln bilden eines der vorgeschlagenen Wissenschaftler-Teams.

Die beiden Mediziner haben einen neuartigen Hirnschrittmacher zur Behandlung von Nervenerkrankungen wie Parkinson entwickelt, der deutlich schonender und effektiver arbeitet. Der Hirnschrittmacher wird zurzeit getestet und soll in den nächsten drei Jahren klinisch einsetzbar sein. Er eröffnet völlig neue Behandlungsmöglichkeiten auch für Patienten mit Bewegungsstörungen nach Schlaganfällen, bei Epilepsien und schwersten, anders nicht behandelbare psychischen Erkrankungen. 2005 haben Tass und Sturm eine Firma ausgegründet, welche 2009 die Behandlung einer sehr großen Anzahl von Patienten ermöglichen soll. Der Mediziner, Mathematiker und Physiker Tass leitet die Arbeitsgruppe Magnetenzephalographie und Hirnschrittmacher im Bereich Medizin am Forschungszentrum Jülich, der Mediziner Sturm ist Direktor der Klinik für Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie der Universität Köln.

Überaktive Hirnregionen verursachen das typische Zittern bei Parkinson-Patienten. Die Behandlung mit einem Hirnschrittmacher ist die Standardtherapie für diese Patienten mit schweren, medikamentös nicht behandelbaren Bewegungsstörungen. Hierzu werden Elektroden in Hirngebiete implantiert, in denen die Nervenzellen krankhaft synchron aktiv sind. Durch eine elektrische Dauerreizung wird die Aktivität der Nervenzellen unterdrückt. Vielen Patienten kann hierdurch geholfen werden, doch eine relevante Anzahl von Patienten hat Nebenwirkungen oder spricht überhaupt nicht auf die Behandlung an. Auch kann die therapeutische Wirkung im Laufe der Behandlung nachlassen oder sogar ganz verschwinden.

Mit dem neuen Hirnschrittmacher werden die Nervenzellen in den überaktiven Hirnbereichen gezielt aus dem Takt gebracht. Die elektrischen Impulse werden bedarfsgesteuert verabreicht, nämlich nur dann, wenn die Hirnzellen beginnen, krankhaft im gleichen Takt zu feuern. Hierzu haben Prof. Tass und Prof. Sturm die betroffenen Nervenzellverbände in mathematischen Modellen nachgebildet und Stimulationstechniken mit Methoden der modernen Mathematik und statistischen Physik entwickelt.
Der 10. Deutsche Zukunftspreis - Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation - wird am 23. November 2006 durch Bundespräsident Horst Köhler verliehen. Die Auszeichnung ist mit 250.000 Euro dotiert. Der Zukunftspreis zeichnet Projekte aus, die nicht nur von hoher wissenschaftlicher Qualität, sondern zugleich anwendungs- und damit marktreif sind. Das Motto des Preises lautet deshalb: "Aus Ideen Erfolge machen. Für die Menschen. Für das Land."
Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich haben schon zweimal den Zukunftspreis erhalten: 1998 bekam Prof. Peter Grünberg den Preis für die Entdeckung des Riesenmagnetowiderstand-Effekts verliehen, der die Speicherkapazität von Festplatten vervielfachte, 2002 wurden Prof. Maria-Regina Kula und Dr. Martina Pohl für ihre Forschung mit biologischen Katalysatoren ausgezeichnet, mit der sie Enzyme für den Einsatz in industriellen Produktionsprozessen nutzbar machten.


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Prof. Dr. Peter A. Tass
Foto: Forschungszentrum Jülich

Pressekontakt:

Annette Stettien
Wissenschaftsjournalistin
Öffentlichkeitsarbeit
Forschungszentrum Jülich
Tel. 02461 61-2388
Fax 02461 61-4666
E-Mail: a.stettien@fz-juelich.de

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