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Lähmung durch Rivalität der Gehirnhälften?

Forscher aus Jülich und Köln zeigen neuen Ansatz in Schlaganfall-Therapie

[6. November 2007]

Jülich, 6. November - Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich, Institut für Neurowissenschaften und Biophysik und der Neurologischen Klinik der Universitätsklinik Köln haben herausgefunden, dass Funktionsverluste wie Lähmungen bei einem Teil von Schlaganfall-Patienten auf einer fehlerhaften Anpassung des Gehirns beruhen. Das gestörte Zusammenspiel der verschiedenen Hirnhälften könnte aber durch technische oder medikamentöse Maßnahmen korrigiert werden, so dass die Funktionsverbesserung einer gelähmten Hand auch nach mehreren Monaten und sogar Jahren möglich wird, erklärten die Forscher.

Der Schlaganfall ist in der Gesellschaft die wichtigste Ursache für eine dauerhafte Behinderung. Allein in Deutschland erleiden jährlich über 150.000 Menschen einen Schlaganfall, der bei der Mehrheit der Patienten zu massiven Behinderungen im Alltag, wie beispielsweise einer Halbseitenlähmung oder einer Sprachstörung führt.

Die Neurologen aus Jülich und Köln untersuchten Patienten mit einem erstmaligen Schlaganfall mithilfe der funktionellen Kernspintomographie. Die Forscher um Prof. Dr. Gereon Fink und Dr. Christian Grefkes setzten ein neuartiges Analyseverfahren ein, mit dem sichtbar wird, wie verschiedene Hirnarealen bei Bewegungsabläufen zusammenarbeiten. Damit konnten sie zeigen, dass die motorische Hirnrinde, welche für die Steuerung der gelähmten Hand zuständig ist, bei einem Teil der Patienten von der gesunden Hirnhälfte gehemmt wird. Auch andere Regionen des Gehirns, die sich weit entfernt von dem Ort des Schlaganfalls befinden, weisen eine Störung dieses funktionellen Zusammenspiels auf.

Fink und Grefkes konnten belegen, dass ein hoher Zusammenhang besteht zwischen der Stärke, mit der die motorische Hirnrinde der erkrankten Seite durch die gesunde Hirnhälfte gehemmt wird, und dem individuellen Ausmaß der Lähmung der vom Schlaganfall betroffenen Hand. Dies bedeutet, dass durch technische oder medikamentöse Maßnahmen, die das gestörte Zusammenspiel der verschiedenen Hirnhälften korrigieren, eine Funktionsverbesserung der gelähmten Hand auch nach mehreren Monaten und sogar Jahren möglich wird. Der neue Ansatz der Wissenschaftler eröffnet Möglichkeiten, gezielt Störungen der motorischen Netzwerkarchitektur des Gehirns zu behandeln, um Lähmungen oder andere Funktionsdefizite nach einem Schlaganfall zu verbessern. Die Untersuchungen wurden kürzlich in der international renommierten Fachzeitschrift "Annals of Neurology" publiziert.

Weitere Informationen:


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Hirnaktivität bei Bewegungen der rechten Hand bei Gesunden (links) und Patienten (rechts). Bei den Patienten findet sich eine deutliche Überaktivität der vom Schlaganfall nicht betroffenen rechten Hemisphäre. Die Kopplungsanalyse zeigt, dass diese Überaktivität einen hemmenden Einfluss (blauer Pfeil) auf die Aktivität der geschädigten Hirnrinde besitzt.


Ansprechpartner:

Prof. Dr. G.R. Fink & Dr. C. Grefkes
Kognitive Neurologie, Institut für Neurowissenschaften und Biophysik 3
Forschungszentrum Jülich, 52425 Jülich
Klinik und Poliklinik für Neurologie, Uniklinik Köln
Tel.: 0221-478-4455 (Sekretariat Prof. Fink), 0221-4726310 (Dr. Grefkes)
E-Mail: martina.schuetteler@uk-koeln.de

Pressekontakt:

Annette Stettien
Unternehmenskommunikation
Forschungszentrum Jülich, 52425 Jülich
Tel. 02461 61-2388/ 8031
E-Mail: a.stettien@fz-juelich.de, b.schunk@fz-juelich.de


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