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Jülich: Vernetzte Forschung für die Zukunft

In Deutschland und international gestaltet das Forschungszentrum neue Strukturen für exzellente Forschung

[4. November 2008]

Jülich, 4. November 2008 - "Große Projekte, nationale und internationale Vernetzung, exzellente Forschung: Jülich ist für die Zukunft gut aufgestellt und gestaltet diese aktiv. Strategische Partnerschaften mit den besten Partnern weltweit sind dabei für uns unerlässlich." Mit diesen Worten zog Prof. Achim Bachem, Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich, auf der heutigen Jahrespressekonferenz in Bonn die Bilanz für das Jahr 2008. Jüngstes Beispiel für die internationale Vernetzung ist die strategische Kooperationsvereinbarung Jülichs mit der renommierten US-amerikanischen Forschungseinrichtung Oak Ridge National Laboratory ORNL des Department of Energy (DoE), die heute in Bonn unterzeichnet wurde.

Die Unterzeichnung fand im Rahmen der Jahrespressekonferenz statt, die das Forschungszentrum, ein Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, in Bonn veranstaltete. Am Abend hat Jülich zu seinem Jahresempfang unter dem Motto "Big Science" prominente Gäste aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft auf den Jülicher Campus geladen. Neben dem Parlamentarischen Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Thomas Rachel, und seinem Kollegen vom NRW-Innovationsministerium, Dr. Michael Stückradt, werden u. a. der Direktor des ORNL, Dr. Thom Mason, und der Sun-Gründer Andreas von Bechtolsheim eine aktive Rolle im Rahmen des offiziellen Programms einnehmen.

"Das Thema 'Big Science' haben wir gewählt, weil die Großforschung sich verändert hat: Neben den nach wie vor essenziell wichtigen großen Forschungsgeräten werden in Zukunft strategische Partnerschaften und die Architektenrolle in internationalen Verbünden, Projekten und Kooperationen von immer größerer Bedeutung sein. Wir wollen in Jülich in internationaler Vernetzung umfassende Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft finden. Dies tun wir fokussiert in den Bereichen Gesundheit, Energie und Umwelt sowie Informationstechnologie. Wir entwickeln hier zugleich die Grundlagen für zukünftige Schlüsseltechnologien", sagte Bachem in Bonn.

Der heute unterzeichnete Vertrag mit dem ORNL sei ein weiterer wichtiger Baustein der Jülicher Strategie, gemeinsam mit den besten Forschungseinrichtungen weltweit die drängenden Fragen unserer Zeit anzugehen und zu deren Lösungen beizutragen. Dazu zählen eine nachhaltige Energieversorgung ebenso wie die gesellschaftlichen Herausforderungen im Zeichen des demographischen Wandels. Bachem betonte: Nur in Kooperationen und mit Hilfe völlig neuer Strukturen werden wir hier angesichts der Größe der Aufgaben erfolgreich sein. Jülich bringt sein Know-how als Partner in bestehende und neue Großprojekte ein, möchte aber auch der Architekt völlig neuer Strukturen sein, um die notwendige Bündelung der nationalen und internationalen Ressourcen voran zu bringen."

Das Forschungszentrum hat in diesem Jahr neben dem heutigen Vertrag mit dem ORNL ähnliche strategische Abkommen mit anderen Forschungseinrichtungen geschlossen. Dabei standen die Exzellenz und die Komplementarität der Partner mit der Jülicher Forschung im Vordergrund. So hat sich Jülich mit der französischen Großforschungseinrichtung CEA (Commissariat à l´énergie atomique) auf gemeinsame Arbeiten verständigt, die bis zum Aufbau eigener Arbeitsgruppen im jeweils anderen Land gehen und die Gebiete Nanotechnologie, Energie und Simulationswissenschaften mit Supercomputern umfassen.

Gerade auf dem letzteren Gebiet konnte Jülich als "Architekt" völlig neue Strukturen auf nationaler und europäischer Ebene initiieren und somit einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass Deutschland und Europa auf diesem Zukunftsfeld in der Weltspitze mithalten können und bei den notwendigen organisatori­schen Strukturen sogar führend sind.

Dem Gauss Centre for Supercomputing (GCS) gelang es mit Jülich als Sprecher, die Kompetenzen der drei nationalen Höchstleistungsrechenzentren zu bündeln und als Deutschlands Stimme im Supercomputing auf der europäischen Ebene einzubringen in PRACE (Partnership for Advanced Computing in Europe), das - wiederum mit Jülich als Koordinator und Mitinitiator - vor einem Jahr entstand. Mittlerweile beteiligen sich 16 europäische Länder an PRACE, stimmen ihre Ressourcen untereinander ab und bündeln ihre Kompetenzen. PRACE findet die besondere Unterstützung der EU durch Aufnahme in die Liste der wenigen sogenannten ESFRI-Items, mit der nachhaltig wichtige Infrastrukturen gefördert werden. Kurz­fristig ist die Schaffung einer gemeinsamen europäischen Rechts­form für PRACE geplant, einer neuartigen Struktur, die ein wichtiger Meilenstein für die europäische Forschung sein wird.

Jülich verfügt mit JUGENE momentan über den schnellsten europäischen Supercomputer und stellt diesen der wissenschaftlichen Community zur Verfügung. Um Europa künftig einen unabhängigen Zugang zu der Schlüsseltechnologie Supercomputing zu sichern, arbeitet Jülich mit führenden Unternehmen wie Bull und Intel zusammen; im JUROPA-Projekt wird eine neue Hardware für das Supercomputing entwickelt und integriert.

Aber nicht nur im Supercomputing ist das Forschungszentrum in europäischen Großprojekten gestaltend aktiv. In der Umweltforschung ist Jülich Koordinator eines weiteren europäischen ESFRI-Projektes, der Klimainitiative IAGOS-ERI. In deren Rahmen werden Jülicher Wissen­schaftler mit 15 europäischen Partnern aus Forschung und Industrie, unter anderem Lufthansa, Airbus und British Airways, eine globale Beobachtungsplattform zur Erforschung der Erdatmosphäre errichten. Dazu werden spezielle Sensoren zur Messung von Spurengasen, Aerosolen und Wolkentröpfchen permanent an Bord von Passagierflugzeugen installiert. Hiermit sollen globale Daten zum Ozon- und Wasserdampfhaushalt in der Atmosphäre gesammelt werden. Die Forscher erwarten dadurch erhebliche Verbesserungen in der Genauigkeit von Klimaprognosen und neue Erkenntnisse über die fortschreitende Globalisierung der Luftverschmutzung.

Die Jülicher Umweltforscher sind jedoch auch über den europäischen Raum hinaus vernetzt. So mündete die Zusammenarbeit mit Pekinger Wissenschaftlern in den Maßnahmen, die die chinesische Führung bei den Olympischen Spielen zur Verbesserung der Luftqualität verordnete. "Aber auch zuhause sind wir aktiv. Beispiels­weise gelang es uns, mit dem Einsatz des Forschungszeppelins NT über Süddeutschland wichtige Erkenntnisse darüber zu gewinnen, was in der untersten Schicht der Atmosphäre geschieht", sagte Bachem zu der auch in den Medien vielbeachteten Messkampagne.

Die drängenden Probleme der Umweltforschung wie Klimawandel und Treibhauseffekt sind untrennbar mit den Fragen einer zukünftigen nachhaltigen Energieversorgung verbunden. Lösungen möchte eine neue europäische Initiative, die European Energy Research Alliance EERA, liefern. Das Forschungszentrum ist Gründungsmitglied und vertritt in dieser Initiative die Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren, der Jülich angehört. EERA hat zum Ziel, den Herausforderungen von Versorgungssicherheit, Klimawandel und globalem Wettbewerb in der Energieforschung zu begegnen. Bachem sagte zu den Zielen von EERA: "Wir wollen Forschungsinitiativen bündeln, um die Entwicklung neuer Energietechnologien zu beschleunigen." Beteiligt sind Forschungsorganisationen aus Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechen­land, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Portugal und Spanien.

Bei anderen internationalen Großprojekten wie dem europäischen Fusionsexperiment ITER in Frankreich oder der sich in Darmstadt im Bau befindlichen Facility for Antiproton and Ion Research FAIR bringt Jülich seine speziellen Kompetenzen als Partner ein und steuert zu FAIR zentrale Experimente wie den Hochenergiespeicherring HESR oder das Experiment PANDA bei. Für ITER und die europäische Fusionsforschung betreibt Jülich den ersten europäischen Super­com­puter und unterstützt die Wissenschaftler bei den benötigen Simulationen.

"Europäische und weltweite Kooperationen mit den besten Partnern sind ein wichtiger Baustein unserer Strategie. Der Anspruch Jülichs muss es deshalb auch sein, sich mit den Besten weltweit zu vergleichen und zu messen", erklärte Bachem auf der Jahrespressekonferenz. "Für uns ist aber allein Internationalität kein Kriterium. Hier können wir als Maßstab nur die wissenschaftliche Exzellenz gelten lassen, und da werden wir glücklicherweise auch in Deutschland und Nordrhein-Westfalen, sozusagen vor unserer Haustür, fündig."

Da Nähe zählt und Kooperationen vereinfacht, profitiert das Jülich von der enormen Dichte und Qualität der Forschungslandschaft in NRW. Diese Wissenschaftslandschaft gemeinsam optimal zu nutzen und weiter zu entwickeln, ist ein weiteres wichtiges Ziel des Forschungs­zentrums. Erfolge gibt es auch hier in 2008 zu berichten. So bündelt Jülich in der Initiative NRW-FAIR mit den umliegenden Hochschulen die Kompetenzen der nordrhein-westfälischen Elementarteilchenforscher für das erwähnte FAIR-Projekt.

Gemeinsam mit Bonner und Kölner Partnern von Hochschulen und Max-Planck-Gesellschaft ist es im nationalen Wettbewerb gelungen, das von der Bundesregierung neu initiierte "Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen" nach Bonn zu holen. "Das DZNE ist eine wichtige und richtige Initiative unserer Bundesministerin, Dr. Annette Schavan. Dass das Zentrum nach Bonn kommt, ist ein großer Erfolg für alle Partner und für Nordrhein-Westfalen."

Jülich wird die Entscheidung für das DZNE zum Anlass nehmen, in seinem Gesundheitsbereich, in optimaler Ergänzung zum DZNE, einen stär­keren Fokus auf die Verbindung von Biologie, Physik, Chemie und Medizin zu legen. Ziel ist die Erforschung und Entwicklung innovativer Schlüsseltechnologien für die Medizin, insbesondere im Zusammenhang mit Diagnose und Therapie im Bereich neurodege­ne­rativer Erkrankungen. Beispielhaft hierfür ist das völlig neuartige medizinische Diagnosegerät, das 9,4 Tesla MR-PET, das Jülich in Zusammenarbeit mit Siemens und Unterstützung des BMBF entwickelt.

Die Hochschulen sind für Jülich ein wichtiger Partner. Um die jeweiligen Stärken des anderen noch besser für die Forschung nutzen zu können, wird Jülich in Zukunft noch mehr Wert auf strategische Partnerschaften legen und wenn nötig und sinnvoll, neue Strukturen entwickeln.

Mit der Universität Bonn wurde so ein weitreichender Kooperations­vertrag mit Schwerpunkten in Umweltforschung, Medizin und Simulationswissenschaften geschlossen.

Mit der Gründung von JARA, der Jülich Aachen Research Alliance, haben die RWTH Aachen und das Forschungszentrum neue Impulse in einem sich verändernden Wissenschaftssystem gegeben. "JARA ist eine enorm spannende Idee", sagte Bachem. "Wir möchten noch enger mit der RWTH Aachen zusammengehen und werden künftig gemeinsam über Forschungsziele und auch Ressourcen in ausge­wählten Bereichen entscheiden." Alle vertraglichen Grundlagen wurden hierfür mittlerweile geschaffen. In den vier bislang gegründeten Sektionen in den Bereichen Gesund­heit, Energie, Informationstechnologie und Simulationswissen­schaf­ten bringen Universität und Großforschungseinrichtung ihre jeweili­gen Stärken in die gemeinsame Sache ein.

Mit JARA werden RWTH und Jülich auch in Europa gemeinsam agieren. So wird sich die Sektion Energie im Rahmen des European Institute of Technology (EIT) in einem gemeinsamen Antrag um eine der Knowlegde and Innovation Communities (KIC) bewerben, um so die europäische Energieforschung mit zu prägen.

"Jülich sieht der Zukunft optimistisch entgegen", fasste Bachem seine Jahresbilanz zusammen. "Wir werden auch weiterhin die spezifi­schen Jülicher Stärken - Kontinuität in der Bearbeitung langfristiger, gesellschaftlich relevanter Fragestellungen und die Durchführung und Koordination von Großprojekten - national und international einbringen und somit zur Lösung der Herausforderungen unserer Zukunft beitragen."

Mitschnitt und Einspieler:

Bilder:

Stimmen zum Abend (mp3):


Pressemitteilung zur Kooperationsvereinbarung mit Oak Ridge


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Unterzeichneten die Kooperationsvereinbarung zwischen Jülich und Oak Ridge: Thom Mason und Achim Bachem (rechts).


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Jetzt auch offiziell Partner auf gleicher Augenhöhe: das Forschungszentrum Jülich und das Oak Ridge National Laboratory, vertreten durch Thom Mason und Achim Bachem.


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Thom Mason erläuterte, was die amerikanische Seite von der Kooperation mit Jülich erwartet.


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"Jülich ist gut aufgestellt": Diese positive Bilanz zog der Vorstand des Forschungszentrums in seiner Jahrespressekonferenz in Bonn.


Pressekontakt:

Dr. Angela Lindner
Leiterin Unternehmenskommunikation
52425 Jülich
Tel. 02461 61-4661
E-Mail: a.lindner@fz-juelich.de


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