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Forschen an den Grenzen zwischen Physik, Chemie und Biologie

Mit dem Institut of Complex Systems ist Jülich zentraler Partner einer europäischen Forschungsplattform

Jülich, 4. Mai 2011 – Mit einem Kolloquium wurde jetzt das Institute of Complex Systems (ICS) des Forschungszentrums Jülich offiziell eröffnet. Schwerpunkte der ICS-Forschung sind lebende Zellen, Biomoleküle und die sogenannte Weiche Materie, die beispielsweise die Materialeigenschaften von Lacken oder Gummimischungen bestimmt. Das ICS ist Mitglied des neu gegründeten Netzwerks "European Soft Matter Infrastructure" (ESMI). In diesem bündeln 17 Partner ihre Infrastruktur zu Erforschung Weicher Materie und stellen sie als Plattform auch anderen Forschern zur Verfügung. Die Europäische Kommission fördert dieses Projekt bis Ende 2014 mit 7,8 Millionen Euro. Koordiniert wird ESMI von dem Jülicher Wissenschaftler Prof. Jan K. G. Dhont vom ICS.

In der Weichen Materie werden weiche Materialien wie Polymere (zum Beispiel Kunststoff), Kolloide (zum Beispiel Dispersionsfarben) und Tenside (Seifen) untersucht. Solche Materialien sind von der Dispersionsfarbe über die Babywindel bis zum Rasierschaum im Alltag allgegenwärtig, aber gerade wegen ihrer Weichheit verblüffend schwer experimentell zu untersuchen. Daher müssen zur Analyse spezielle Methoden aus den verschiedensten Bereichen der Wissenschaft, von der Optik über die Neutronenstreuung bis hin zur Mechanik, kombiniert werden. Da lebende Zellen auch sehr weich sind und zu guten Teilen aus Makromolekülen, Tensiden und Kolloid-ähnlichen Partikeln bestehen, sind dieselben Methoden auch in den Lebenswissenschaften sehr fruchtbar.

"Wir haben das ICS gegründet, weil sich in den vergangenen Jahren an den Grenzen von Physik, Chemie und Biologie ein faszinierendes interdisziplinäres Forschungsgebiet entwickelt hat. Die Erforschung der Grundlagen von Weicher Materie und lebenden Systemen führt zu einem immer besseren Verständnis komplexer Systeme", erläuterte Prof. Sebastian M. Schmidt, Mitglied des Vorstandes des Forschungszentrums, die Hintergründe der Institutsgründung. Im ICS wurde die Jülicher Forschung zur Neutronenstreuung, zu Weicher Materie, Biophysik, Strukturbiochemie, Biomechanik und -elektronik unter einem Dach zusammengeführt.

"Das Wissen über Weiche Materie und lebende Systeme wird chemische Werkstoffforschung, Nanotechnologie, Medizin und Biotechnologie weiter voranbringen", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Thomas Rachel, MdB. "Gerade in der Entwicklung neuer Werkstoffe für die verschiedensten Anwendung von der Informations- bis zur hin zur Energietechnologie zählt Deutschland zur Weltspitze. Die Jülicher Forschung am ICS trägt dazu bei, diese Position zu halten und auszubauen."

"In dem neuen Jülicher Institut arbeiten exzellente Forscherinnen und Forscher an der Erforschung der Schlüsseltechnologien für morgen. Ihre Zusammenarbeit über Disziplinen hinweg verspricht, zu einem zentralen Erfolgsfaktor für das Institut zu werden, sagte der Staatssekretär im NRW-Wissenschaftsministerium, Helmut Dockter.

Am ICS arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem mit Neutronenstreuung, Höchstfeld-NMR-Spektrometern und Synchrotonstrahlungsquellen; sie nutzen außerdem das Jülich Supercomputing Centre (JSC). Mit ESMI sind diese Möglichkeiten erweitert auf die Infrastruktur aller 17 EU-Partner in ESMI. Darüber hinaus ermöglichen die ESMI-Partner auch allen anderen EU-Wissenschaftlern im Bereich Weicher Materie kostenfrei den Zugang zu ihrer Infrastruktur – für Experimente, zur Entwicklung neuer Systeme und Materialien und um vorhandene Höchstleistungsrechner zu nutzen.

Gründung des Institute of Complex SystemsEin neues "Bäumchen" als Zeichen der Gründung des Instituts of Complex Systems pflanzten: Staatssekretär Helmut Dockter, Parlamentarischer Staatssekretär Thomas Rachel, Prof. Rudolf Merkel (Forschungszentrum Jülich), Prof. Sebastian M. Schmidt (Forschungszentrum Jülich)
Copyright: Forschungszentrum Jülich

Weitere Informationen:

Institute of Complex Systems (ICS)

European Soft Matter Infrastructure (ESMI)

Pressekontakt:

Erhard Zeiss, Pressereferent
Tel.: 02461 61 1841
e.zeiss@fz-juelich.de


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