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Publikationen zur CR®-Neuromodulation bei Tinnitus

Jülich, 20. März 2012 – Die Behandlung von chronisch-tonalem Tinnitus mit gezielten akustischen Reizen (Coordinated Reset, CR®) zeigt signifikante Therapieeffekte. Sie führt außerdem zu einer signifikanten Abnahme der krankhaften Hirnaktivität, die dem Tinnitus zugrunde liegt. Das ist das Ergebnis einer Studie, die in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Restorative Neurology and Neuroscience“ präsentiert wird. In drei weiteren Fachpublikationen stellen Wissenschaftler um Prof. Peter Tass vom Forschungszentrum Jülich die theoretischen Grundlagen zur Anwendung und Wirkweise der Therapie vor.

Akustische Coordinated Reset (CR®)-Neuromodulation heißt der Wirkansatz, welcher der Therapie mit dem T30 CR®-Neurostimulator zugrunde liegt. Sie steht für eine gezielte Stimulation von Nervenzellen im Gehirn durch individuell angepasste, speziell getaktete Folgen von Reizen. In der Tinnitus-Therapie gehen diese Reize als akustische Signale an Nervenzellen, deren Kommunikation gestört ist: Statt abwechselnd und nacheinander feuern die Nervenzellen gleichzeitig und im Übermaß. Diese krankhafte Synchronität verursacht den Dauerton des Tinnitus.

„In der nun publizierten RESET-Studie haben wir überprüft, ob das theoretische Konzept einer Desynchronisation mittels CR®-Neuromodulation sicher und geeignet ist, die Tinnitus-Symptomatik zu beeinflussen“, fasst Professor Peter Tass vom Forschungszentrum Jülich die Studienziele zusammen. Dazu behandelten die Forscher 63 Patienten mit subjektivem, chronisch-tonalem Tinnitus über zwölf Wochen. Anschließend konnten die Probanden die Behandlungszeit freiwillig um weitere sechs Monate verlängern.

Nach zwölf Wochen verringerten sich bei täglich vier- bis sechsstündiger Therapie subjektive Lautheit, Belastung und Schweregrad des Tinnitus. Die folgende freiwillige Weiterbehandlung reduzierte bei 75 Prozent der therapierten Patienten die Belastung durch den Tinnitus im Mittel um die Hälfte. Begleitend bestimmten die Forscher die Hirnstromaktivität der Probanden mittels Elektroenzephalographie (EEG). Umfangreiche Auswertungen der EEG-Messungen zeigten, dass nach zwölfwöchiger CR®-Therapie in einem größeren Netzwerk Tinnitus-assoziierter Hirnareale die krankhaft synchrone Aktivität von Nervenzellverbänden abnahm.

Neben der deutlichen Besserung der Tinnitus-Symptomatik kann die akustische CR®-Therapie bei den Patienten zu einer Veränderung der Tinnitusfrequenz führen typischerweise zu einer Abnahme. In einer weiterführenden Analyse haben die Forscher die zugrundeliegenden Veränderungen der Hirnstromaktivität untersucht und aktuell im Fachjournal „Frontiers of Systems Neuroscience“ veröffentlicht. „Unsere EEG-Messungen zeigen, dass die CR®-Therapie auf Bereiche der Hörrinde wirkt, was die Abnahme der klinischen Symptome wie etwa die Lautheit des Tons erklärt“, erläutert Tass. „Darüber hinaus sehen wir, dass in dem Maß, wie sich die bestehende Frequenz des Tinnitus-Tones unter CR®-Therapie ändert, krankhaft synchrone Nervenzelltätigkeit in einem Netzwerk von Hirnarealen abnimmt, das für die Erkennung und emotionale Bewertung von Tonhöhen zuständig ist.“ Durch die detaillierte Hirnstromanalyse können die Forscher somit die Wirkweise der CR®-Therapie detailliert aufzeigen.

Wie die CR®-Therapie krankhaft synchrone Nervenzellen im Gehirn, beeinflusst, haben die Forscher um Tass in dem Fachjournal „Biological Cybernetics“ anhand von Modellen simuliert. Dabei steht die Frage im Zentrum, welche Veränderungen die Therapie auf die von Tinnitus betroffenen Nervenzellen des zentralen auditorischen Systems hat, beispielsweise auf den auditorischen Kortex, also die Hörrinde. In einer weiteren theoretischen Studie (Fachmagazin „Frontiers in Human Neuroscience“) untersuchen die Wissenschaftler, wie und wo der Reiz für die Therapie die beste Wirkung erzielt. „Erstaunlicherweise spielt es keine Rolle, ob wir die betroffenen Nervenzellen direkt reizen oder über Nervenfasern, die den Reiz dann weiterleiten“, sagt Tass. „Die CR®-Methode erzielt verlässlich ihre Wirkung, unabhängig davon, ob die Reize elektrisch, also über implantierte Elektroden, oder nicht-invasiv, etwa über akustische Reize wie bei der Tinnitusbehandlung verabreicht werden. Das ist für uns ein fundamentales Ergebnis.“ Die Forscher sehen darin einen wichtigen Hinweis dafür, dass es sich bei der CR®-Technologie um eine Plattformtechnologie zur Behandlung noch weiterer Erkrankungen, auch mit anderen Stimulationsarten, handelt.

Aktuell wird intensiv daran gearbeitet, weitere Erfahrungen mit der CR®-Neuromodulation zu sammeln. Dazu läuft in Deutschland bereits eine Langzeit-Anwendungsstudie (RESET Real Life) unter Praxisbedingungen mit 200 Patienten. Eine weitere placebokontrollierte klinische Studie unter der Federführung der Nottingham University Hospitals startet voraussichtlich in diesem April mit 100 Patienten in England.

Der T30 CR®-Neurostimulator ist durch den Lizenzpartner des Forschungszentrums, die Firma ANM Adaptive Neuromodulation GmbH, als Medizinprodukt entwickelt worden und wird durch diesen vertrieben.

Originalpublikationen:

Ergebnisse der RESET-Studie:
Tass P.A., Adamchic I., Freund H.-J., von Stackelberg T., Hauptmann C. (2012), Counteracting tinnitus by acoustic coordinated reset neuromodulation, Restorative Neurology and Neuroscience 30, 2, 2012, 367–374, DOI 10.3233/RNN-2012-0626, IOS Press http://iospress.metapress.com/content/r771875822464323/?p=d3d4f7cd42a74fb28a48878c8ebdbc12&pi=0

Details zu Beobachtungen bei einer Untergruppe in der RESET-Studie:
Adamchic I., Hauptmann C. and Tass P. A. (2012), Changes of oscillatory activity in pitch processing network and related tinnitus relief induced by acoustic CR neuromodulation. Front. Syst. Neurosci. 6:18.
DOI 10.3389/fnsys.2012.00018
www.frontiersin.org

Theoretische Hintergründe zur Wirkweise der CR® bei Tinnitus:
Tass Peter A., Popovych Oleksandr V., Unlearning tinnitus-related cerebral synchrony with acoustic coordinated reset stimulation: theoretical concept and modeling. Biol Cybern (2012), 106:27–36, DOI 10.1007/s00422-012-0479-5
http://www.springer.com/biomed/neuroscience/journal/422

Vergleich direkter mit indirekter Stimulation (Theorie):
Popovych O.V. and Tass P.A. (2012), Desynchronizing Electrical and Sensory Coordinated Reset Neuromodulation. Front. Hum. Neurosci. 6:58.
DOI 10.3389/fnhum.2012.00058
www.frontiersin.org

Weitere Informationen:

Institut für Neurowissenschaften und Medizin, Bereich Neuromodulation (INM-7):
http://www.fz-juelich.de/inm/inm-7/DE/Home/home_node.html

Adaptive Neuromodulation GmbH:
http://www.anm-medical.com/

Pressemitteilung der Firma Adaptive Neuromodulation GmbH mit detaillierteren Studienergebnissen:
www.anm-medical.com oder www.tinnitus-aktuell.de

Kontakt für Patienten und Mediziner:

Adaptive Neuromodulation GmbH,
Service-Telefon: 0221-454 6333 (Montag bis Freitag, 8.30-12 Uhr und 13-17 Uhr)
info@anm-medical.com

Ansprechpartner:
Prof. Peter Tass
Tel.: 02461 61-2087
p.tass@fz-juelich.de

Pressekontakt:
Dr. Barbara Schunk, Tel.: 02461 61-8031, b.schunk@fz-juelich.de
Erhard Zeiss, Tel.: 02461 61-1841, e.zeiss@fz-juelich.de


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