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Manager sind echte Pragmatiker – auch auf neuronaler Ebene

Jülich, 4. September 2012 – Ob Aktienhandel, Einkaufskonditionen oder Lagerlogistik: Manager haben täglich eine Vielzahl von Entscheidungen zu treffen. Dazu nutzen sie andere neuronale Netzwerke im Gehirn als Nicht-Manager. Dies belegten Dr. Svenja Caspers und ihr Team vom Forschungszentrum Jülich gemeinsam mit Wirtschaftspsychologen und -soziologen der Universität Köln. Führungskräfte aktivieren vor allem ein Gehirnareal, das eine zweck- und zeitoptimierte Lösung auf Basis von Erfahrungswerten unterstützt. Bei Nicht-Führungskräften dagegen erarbeiten andere neuronale Netzwerke stufenartig die Problem- bzw. Aufgabenlösung. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift PLoS ONE veröffentlicht.

Im Rahmen einer Forschungsstudie ließ die Jülicher Neurowissenschaftlerin vom Institut für Neurowissenschaften und Medizin 35 Managerinnen und Manager aus unterschiedlichen Branchen und eine vom Alter, der Intelligenz und dem Geschlecht passende Vergleichsgruppe aus Arbeitnehmern ohne Führungsposition im Magnetresonanztomographen (fMRT) Entscheidungen treffen. "Die Probanden mussten innerhalb von zwei Sekunden einen Begriff aus einem Wortpaar wie 'Teamwork' oder 'Erfolg' beziehungsweise 'Macht' oder 'Loyalität' wählen", erläutert Svenja Caspers. Insgesamt gab es 540 Entscheidungen innerhalb von 22 Minuten zu treffen. "Mit dieser Fülle an Entscheidungen und Zeitknappheit wollten wir auf experimenteller Ebene die Entscheidungsdichte von Führungskräften nachbilden", so die Neurowissenschaftlerin.

Die funktionellen MRT-Aufnahmen zeigten, dass beide Gruppen unterschiedliche neuronale Entscheidungssysteme aktivierten. Innerhalb eines allen Menschen gemeinsamen Netzwerks, das bei Entscheidungen aktiv ist, zeigten die Manager im Vergleich zu den Nicht-Managern eine vermehrte Aktivität im Kopf des Nucleus caudatus ("Schweifkern"). Diese Hirnregion ist bekannt dafür, dass sie innerhalb des Entscheidungsnetzwerks dabei hilft, kategorisiertes Wissen aufzubauen, welches das Gehirn in ähnlichen Situationen automatisiert abruft. Bei den Arbeitnehmern ohne Personalverantwortung dagegen waren am zeitlich etwas länger dauernden Entscheidungsprozess andere Regionen des gemeinsamen Entscheidungsnetzwerks - beispielsweise der Scheitellappen und Teile des Stirnlappens wie etwa der präfrontale Kortex - stärker involviert. Diese Netzwerke sind für das systematische Bearbeiten einer Aufgabe beziehungsweise eines Problems zuständig, das stufenartig über die primäre Verarbeitung der Sinneswahrnehmung – in dieser Studie des Sehens der Wortpaare – und dem kognitiven Verarbeiten, also Abwägen von rationalen Argumenten, bis hin zur Entscheidungsfindung reicht.

Ob das ressourceneffiziente Entscheiden im Gehirn von Managern durch ihre Berufstätigkeit antrainiert wurde oder sozialisationsbedingt zur Persönlichkeit gehört, ist allerdings noch nicht erforscht. "Menschen werden in ihrer Persönlichkeit von Geburt an geprägt. Diese Fragestellung könnte also lediglich im Rahmen einer Langzeitstudie geklärt werden", erläutert Svenja Caspers.

Abbildung eines GehirnsWährend des Entscheidungsprozesses aktivieren Manager im Vergleich zu Nicht-Managern vermehrt im Kopf den Nucleus caudatus („Schweifkern“) (grün skizziert).
Quelle: Forschungszentrum Jülich

Originalveröffentlichung:

Svenja Caspers, Stefan Heim, Marc G. Lucas, Egon Stephan, Lorenz Fischer, Katrin Amunts, Karl Zilles: Dissociated Neural Processing for Decisions in Managers and Non-Managers
http://www.plosone.org/article/info:doi/10.1371/journal.pone.0043537

Weitere Informationen:

Forschungszentrum Jülich, Institut für Neurowissenschaften und Medizin:
Strukturelle und funktionelle Organisation des Gehirns (INM-1)
Molekulare Organisation des Gehirns (INM-2)

Ansprechpartner:

Dr. med. Dr. rer. pol. Svenja Caspers
Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM-2)
Tel. 0246161-1742
E-Mail: s.caspers@fz-juelich.de

Pressekontakt:

Dr. Barbara Schunk, Tel. 02461 61-8031, b.schunk@fz-juelich.de


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