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Kein gemeinsamer Nenner

Metaanalyse zeigt inkonsistente Befunde von klinischen Bildgebungsstudien bei depressiven Patienten

Jülich, 9. November 2016 – In der Psychiatrie ist die Zahl der Studien unter anderem durch die modernen Bildgebungsmethoden stark gestiegen. Mit ihrer Hilfe können Veränderungen im Gehirn sichtbar gemacht werden. Aufgrund der Vielzahl an Patientenstudien sind in den letzten Jahrzehnten sogenannte Metaanalysen in den Fokus der Wissenschaft gerückt. Diese fassen mehrere Forschungsarbeiten zum gleichen Thema zusammen und werten diese nach quantitativen Kriterien durch statistische Methoden aus. So lassen sich gegebenenfalls Ergebnisse durch größere Fallzahlen bestätigen. In einer aktuellen Metaanalyse von Jülicher Neurowissenschaftlern zu Gehirnveränderungen bei depressiven Patienten zeigte sich nun aber, dass die einzelnen Ergebnisse von funktionellen Bildgebungsstudien, bei denen kognitive und emotionale Prozesse bei Depression untersucht wurden, nicht übereinstimmen. Dies weist auf ein prinzipielles Problem der Vergleichbarkeit von funktionellen Bildgebungsstudien zur Depression hin.

Depression ist eine der häufigsten psychiatrischen Krankheiten. Die Patienten leiden unter Stimmungsschwankungen, Antriebsarmut oder Schlaflosigkeit. Darüber hinaus weisen die Betroffenen häufig Defizite im kognitiven und emotionalen Verarbeiten von Situationen auf. In den letzten zwanzig Jahren wurde daher in einer Reihe von Studien versucht, diejenigen Gehirnregionen zu lokalisieren, die mit diesen Veränderungen im Zusammenhang stehen. Prinzipiell kann man im Bildgebungsbereich zwischen strukturellen und funktionellen Studien unterscheiden: Während sich erstere auf Unterschiede im Volumen von grauer oder weißer Substanz von Gehirnregionen zwischen Patienten und Kontrollpersonen fokussieren, untersuchen funktionelle Bildgebungsstudien, ob bei Patienten zum Beispiel während der Bearbeitung von Aufgaben bestimmte Gehirnregionen anders aktiviert werden als bei gesunden Kontrollpersonen.

Eine aktuelle Studie von Jülicher Neurowissenschaftlern aus dem Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM-1) hat nun eine umfassende Metaanalyse über funktionelle Bildgebungsstudien bei Patienten mit Depression durchgeführt. Dazu wurden Patientendaten aus 57 Bildgebungsstudien zusammengezogen, die Aktivierungsunterschiede im Gehirn bei Patienten mit Depression gegenüber gesunden Probanden zeigten, während kognitive oder emotionale Verarbeitungsprozesse abliefen. Die Studienteilnehmer lösten dafür zum Beispiel Aufgaben oder betrachteten emotionale Bilder. Überraschenderweise gab es keine übereinstimmenden Ergebnisse. Die Wissenschaftler konnten keine Gehirnregionen lokalisieren die über alle funktionellen Bildgebungsstudien hinweg veränderte Aktivitäten bei Patienten mit Depression aufwiesen.

Dieses Ergebnis zeigt deutlich, wie problematisch das Replizieren von funktionellen Bildgebungsstudien bei Depression ist. "Häufig arbeiten Wissenschaftler mit zu kleinen Fallzahlen, um belastbare Ergebnisse zu erhalten", erläutert Dr. Veronika Müller vom INM-1. "Außerdem weisen die einzelnen Studien immer wieder Unterschiede bei den spezifischen Charakteristika der Patienten auf, wie etwa Alter, Medikation oder Symptomschwere", so die Neurowissenschaftlerin. Zudem seien im funktionellen Bildgebungsbereich große Unterschiede im experimentellen Ablauf, zum Beispiel hinsichtlich der gestellten Anforderungen und Aufgaben ausschlaggebend für die heterogenen Ergebnisse der einzelnen Studien.

Aber auch die Metaanalysen selbst seien schwer zu vergleichen, so die Autoren der Metastudie. "Dies liegt daran, dass es für Metaanalysen im Bildgebungsbereich bisher keine einheitlichen Standards der Berichterstattung gibt", erläutert Veronika Müller. Häufig fehlte zum Beispiel die eindeutige Angabe, welche Ergebnisse der einzelnen Studien in die Meta-Analyse eingeflossen sind. Dies mache ein erneutes Durchführen der Metaanalyse und damit ein Überprüfen der Ergebnisse unmöglich. Daher weisen die Jülicher Neurowissenschaftler im "Journal of the American Medical Associaton Psychiatry" (JAMA Psychiatry) auf die Notwendigkeit von einheitlichen Analyse- und Berichterstattungsstandards im Bildgebungsbereich hin. "Nur so ist sicherzustellen, dass Ergebnisse überprüfbar sind und künftige Bildgebungsstudien dazu beitragen können, die Krankheiten besser zu verstehen", so Veronika Müller.

Originalveröffentlichung

Veronika I. Müller, Edna C. Cieslik, Ilinca Serbanescu, Angela R. Laird, Peter T. Fox, Simon B. Eickhoff: Altered Brain Activity in Unipolar Depression Revisited. Meta-analyses of Neuroimaging Studies, JAMA Psychiatry, YOI160074, Published online November 9, 2016, DOI: doi:10.1001

Kontakt:

Dr. Veronika Müller
Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM-1)
Forschungszentrum Jülich
Tel.: 02461 61-8609
E-Mail: v.mueller@fz-juelich.de

Pressekontakt:

Annette Stettien, Pressereferentin
Tel.: 02461 61-2388
E-Mail: a.stettien@fz-juelich.de


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