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Viele Sternchen vom Wissenschaftsrat für Forschungsinfrastrukturen

Hohes wissenschaftliches Potenzial für Projekte mit Jülicher Beteiligung

Jülich, 18. Juli 2017 – Das Forschungszentrum Jülich ist Partner bei fünf von elf Forschungs­infrastrukturen, die der Wissenschaftsrat jetzt begutachtet und zum Teil als "herausragend" eingestuft hat. Jülich ist beteiligt an Forschungsvorhaben zur Elektronenmikroskopie, zur Atmosphären- und Erdsystemforschung sowie zur biomedizinischen Bildgebung. Der Wissenschaftsrat bewertete die geplanten Infrastrukturen nach ihrem wissenschaftlichen Potenzial, nach Nutzung, Umsetzbarkeit sowie nach ihrer Bedeutung für den Wissenschaftsstandort Deutschland. Die Bundesregierung entscheidet in der kommenden Legislaturperiode auf Grundlage der Bewertung des Wissenschaftsrats über die Aufnahme der Projekte in die Nationale Roadmap des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

"Die Bedeutung von großen Forschungsinfrastrukturen nimmt im globalen Wissenschaftssystem immer weiter zu", erklärt Prof. Wolfgang Marquardt, Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrum Jülich. "Viele Forschungsfragen lassen sich nur mit Hilfe von weltweit einzigartigen Großgeräten oder Geräteplattformen lösen. Örtlich und zeitlich höchstaufgelöste Messdaten ermöglichen neuartige Einsichten in Struktur und Dynamik der betrachteten Systeme, die selbst als Grundlage innovativer Datenprodukte für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft dienen", so Marquardt weiter. "Die herausragende wissenschaftliche Bewertung der vom Forschungszentrum Jülich maßgeblich mitgestalteten Vorhaben in den Material-, Neuro- und Klimawissenschaften ist uns Ansporn und Verpflichtung zugleich, um den Wissenschaftsstandort Deutschlands weiter zu stärken und dessen Attraktivität für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt weiter zu erhöhen."

Nationale Biomedizinische Bildgebungseinrichtung (NIF)

Ein "herausragendes wissenschaftliches Potential" sieht der Wissenschaftsrat in dem Konzept zur Nationalen Biomedizinischen Bildgebungseinrichtung (NIF). In der NIF werden multimodale Bildgebungstechnologien für die Neurowissenschaften bereitgestellt. Nach und nach werden ein Hochfeld 7 Tesla Human-MRT-PET-EEG, ein Hochfeld MRT zur präklinischen Forschung und ein MEG der nächsten Generation aufgebaut und in einem integrierten Konzept einer vielschichtigen Nutzung zugänglich gemacht. Durch die höchstauflösende Charakterisierung von Strukturen, Funktionen und Stoffwechselprozesse sei "ein Durchbruch in der Diagnostik von Krebserkrankungen und Erkrankungen des Nervensystems zu erwarten", so der Wissenschaftsrat in seiner Bewertung. Die NIF, die vom Forschungszentrum Jülich und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) realisiert werden soll, will eine offen zugängliche Infrastruktur werden, die sowohl die Grundlagenforschung als auch die technische Entwicklung und klinische Anwendungen fördert. Schon ab 2018 soll NIF Zugang zu den bereits vorhandenen Geräten gewähren, dem 9,4 Tesla Hybridscanner am Forschungszentrum Jülich und den 7 Tesla MRI-Scannern, die dann an beiden Forschungseinrichtungen vorhanden sind.

AtmoSat

Abläufe in der mittleren Atmosphäre, zwischen fünf und 100 Kilometern Höhe über dem Boden, wirken sich auf das globale und das regionale Klima aus. Diesen Einfluss detailliert zu untersuchen, ist Ziel von AtmoSat: Das gemeinsame Konzept des Forschungszentrums Jülich und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) kombiniert Satelliten-Beobachtungssystem und Dateninfrastruktur. Weiterer Partner ist das Deutsche GeoForschungszentrum GFZ. In seiner Begutachtung hat der Wissenschaftsrat AtmoSat herausragend bewertet. Die höchstmögliche Bewertung erhielt das Vorhaben auch beim wissenschaftlichen Potenzial: AtmoSat werde hochwertige Messdaten der mittleren Atmosphäre liefern und damit "bahnbrechende Erkenntnisse über atmosphärenchemische und -physikalische Prozesse ermöglichen", so der Wissenschaftsrat. Die Datensätze seien für die Erforschung „des globalen Klimawandels von höchster Relevanz“. Der Start von AtmoSat ist für 2023 geplant.

Ernst Ruska-Centrum 2.0

"Eine hohe wissenschaftliche Innovationskraft und einen wesentlichen Sprung in der Technologieentwicklung" bescheinigt der Wissenschaftsrat auch dem Konzept einer Nationalen Forschungsinfrastruktur für höchstauflösende Elektronenmikroskopie, dem Ernst Ruska-Centrum 2.0. Mit Hilfe von weltweit einzigartigen Elektronenmikroskopen der nächsten Generation sollen Strukturen auf atomarer und molekularer Ebene untersucht werden und neue Möglichkeiten für die Charakterisierung von Materialien aller Art, wie auch von biologischer Materie geschaffen werden. Die zu erwartenden Beiträge seien „sowohl für die Material- als auch für die Lebenswissenschaften von sehr großer Bedeutung“. Der Wissenschaftsrat erwartet eine Anziehungskraft auf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Die begutachtete Einrichtung würde sich auf dem bereits bestehenden Ernst Ruska-Centrum für Mikroskopie und Spektroskopie mit Elektronen (ER-C) am Forschungszentrum Jülich gründen. Es soll mit der RWTH Aachen, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und weiteren assoziierten Kooperationspartnern gemeinsam betrieben werden. Der Betriebsbeginn ist für das Jahr 2022 geplant.

ACTRIS-D und Tandem-L

Das Forschungszentrum ist außerdem an zwei weiteren Vorhaben beteiligt: an ACTRIS-D, dem deutschen Beitrag zu einer europäischen Forschungsinfrastruktur, mit der die Zusammensetzung und Wechselwirkung atmosphärischer Aerosole, Spurengase und Wolken untersucht werden soll sowie an Tandem-L, das mit zwei SAR-Satelliten vielerlei dynamische Prozesse auf der gesamten Erdlandmasse in einzigartiger Qualität und Auflösung abbilden soll.

Bericht zur wissenschaftlichen Bewertung

Der "Bericht zur wissenschaftsgeleiteten Bewertung umfangreicher Forschungsinfrastrukturvorhaben für eine Nationale Roadmap" in Deutschland ist das Ergebnis eines seit Januar 2016 laufenden Begutachtungsprozesses und wurde von internationalen Experten aus verschiedenen Fachgruppen erstellt. Dazu hat ein vom Wissenschaftsrat eingesetzter Ausschuss auf Bitte des BMBF insgesamt zwölf große Infrastrukturen mit Volumen von jeweils mehr als 50 Millionen Euro begutachtet.

Weitere Infos:

Pressemitteilung des Wissenschaftsrats vom 17. Juli 2017: "Nächste Generation von Forschungsinfrastrukturen bewertet"
Bericht zur wissenschaftlichen Bewertung (PDF, Website des Wissenschaftsrats)
Pressemitteilung vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT): "Klimaforschung: AtmoSat vom Wissenschaftsrat herausragend bewertet"
Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ): "Biomedizin: Bildgebungseinrichtung vom Wissenschaftsrat herausragend bewertet"
Pressemitteilung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: "Wissenschaftsrat sieht hohes Potenzial beim Ernst Ruska-Centrum 2.0"

Institute:

Institut für Neurowissenschaften und Medizin: Physik der Medizinischen Bildgebung (INM-4)
Institut für Energie- und Klimaforschung: Stratosphäre (IEK-7)
Institut für Energie- und Klimaforschung: Troposphäre (IEK-8)
Ernst Ruska-Centrum (ER-C)
Institut für Bio- und Geowissenschaften: Agrosphäre (IBG-3)

Kontakt:

Annette Stettien
Forschungszentrum Jülich
Unternehmenskommunikation
E-Mail: a.stettien@fz-juelich.de
Tel.: 02461 61-2388


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