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Magerer Boden, reich gedeckter Tisch

Sida hermaphrodita ist eine mehrjährige staudenartige Pflanze, die sehr viel Biomasse liefert, ohne Nahrungspflanzen zu verdrängen: Sie wächst auch auf schlechteren Böden, die normalerweise nicht für den Ackerbau genutzt werden. Pflanzenforscher aus Jülich und von der Universität Lüneburg konnten zeigen, wie mithilfe von Gärresten aus Biogasanlagen Sida hermaphrodita effizient gedüngt und dabei auch durch die mikrobiellen Prozesse die Qualität des Bodens verbessert werden kann. Die Studie wurde jetzt in der Fachzeitschrift „Frontiers in Plant Science“ veröffentlicht.

Für die Studie untersuchten die Forscher Sida hermaphrodita, die sie in speziellen Anlagen im Freiland sowie in Rhizotronen im Gewächshaus in marginale Böden gepflanzt hatten – Böden, die arm an Nährstoffen sind und die kaum Wasser speichern können. Die Pflanzen düngten sie mit Gärresten, sowohl breitflächig als auch als „Depot“ unter den Pflanzen angelegt. Das Ergebnis war bemerkenswert: Die Jungpflanzen mit dem „Dünger-Depot“ erbrachten im Vergleich eine fünffach größere Biomasse. Zwar „vermieden“ die Pflanzen in der ersten Zeit das Depot, die Wurzeln wuchsen in andere Richtungen. Danach griffen sie aber an dem „reich gedeckten Tisch“ tüchtig zu, entwickelten ein ausgeprägtes, dichtes Wurzelwerk und zeigten ein außergewöhnliches Wachstum.

Dr. Nicolai Jablonowski vom Jülicher Institut für Pflanzenwissenschaften führt die anfängliche Vermeidungsstrategie auf den hohen Ammonium-Gehalt im „Gärrest-Depot“ zurück, der in dieser Konzentration für die Pflanzen toxisch sein kann. „Wenn aber ein Teil des Ammoniums durch mikrobielle Prozesse im Boden in Nitrat umgewandelt ist, kann der Dünger genutzt werden – mit den Ergebnissen, die wir beobachtet haben. Eine ausreichende Nährstoffversorgung ist insbesondere bei der erfolgreichen Etablierung der Jungpflanzen auf dem sandigen, marginalen Substrat von Bedeutung.“

Mit der Studie zeigen die Forscher ein weiteres Beispiel für einen geschlossenen Nährstoffkreislauf im Biomasse-Anbau. Marginale Böden, zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern, könnten durch Sida hermaphrodita mit einer Depot-Düngung nachhaltig genutzt werden.

Originalveröffentlichung:

Nabel M, Schrey SD, Poorter H,Koller R, Nagel KA, Temperton VM, Dietrich CC, Briese C and Jablonowski ND (2018); Coming Late for Dinner: Localized Digestate Depot Fertilization for Extensive Cultivation of Marginal Soil With Sida hermaphrodita.

Front. Plant Sci. 9:1095; DOI: 10.3389/fpls.2018.01095

Institut für Bio- und Geowissenschaften, Bereich Pflanzenwissenschaften (IBG-2)

Sida hermaphrodita© Dr. Moritz Nabel; Bildcollage aus Sidawurzel und Spross


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