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Institut für Energie- und Klimaforschung

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Auf den Spuren des gefangenen Lichtes

„Wie kann man Licht, welches in einer Solarzelle eingefangen wurde, experimentell untersuchen?“

Diese Frage stellten sich Forscher des IEK5 am Forschungszentrum Jülich. Eigentlich erforschen die Kollegen periodische Nanostrukturen, die den normalerweise nur schwach absorbierten Anteil des Sonnenlichts effizient in Solarzellen einfangen um deren Effizienz zu steigern. Allerdings war die Analyse dieses Lichteinfangs bis vor kurzem nur mittels indirekter Methoden möglich, da eben das eingefangene Licht von außen nicht sichtbar ist.

Vor wenigen Monaten ist es den Kollegen des IEK5 gelungen, mittels eines Tricks einen direkten Blick auf die Lichtausbreitung in einer Solarzelle auf der Nanoskala zu werfen. Mittels der sogenannten optischen Nahfeld-Mikroskopie gelang es, die Ausbreitung des gefangenen Lichtes in einer periodisch nanostrukturierten Solarzelle nachzuverfolgen. Die optische Nahfeld-Mikroskopie nutzt das quantenmechanische Tunneln einzelner Photonen aus der Solarzelle in die Nahfeld-Spitze um das Licht zu messen, das eigentlich in der Solarzelle gefangen ist (s. Abbildung).

In einer kürzlich veröffentlichten Publikation in der Fachzeitschrift Nano Letters (U.W. Paetzold et al., Nano Lett. 2014, 14, 6599−6605) stellen die Forscher des IEK5 ihren Ansatz vor und zeigen an einer periodisch nanostrukturierten Solarzelle die Funktionsweise auf. Es wurde gezeigt, dass die Intensität der Lichtkopplung an einzelne Wellenleitermoden in der Solarzelle direkt mit einer verbesserten Lichtausbeute und somit der Energieumwandlungseffizienz korreliert. Die angewandte Messmethode eröffnet eine Vielzahl neuer Möglichkeiten für die Funktionskontrolle für nano-optische Bauelemente.

CatchedLight

Neue Solarzelle aus flüssigem Silizium

Jülicher Forscher bereiten Weg für nächste Generation von Dünnschicht-Elektronik

Jülich, 15. August 2014 – Jülicher Forscher haben in Zusammenarbeit mit der Firma Evonik eine Solarzelle entwickelt, die aus einem sehr dünnen Film einer flüssigen Silizium-Verbindung besteht. Mit einem Wirkungsgrad von 3,5 Prozent ist die Solarzelle sieben Mal effizienter als bisherige Zellen dieser Art. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind optimistisch, dass sie den Wirkungsgrad dieser kostengünstigen Solarzellen weiter steigern können. Damit würde dieser Ansatz, der als aussichtsreiche Grundlage für die nächste Generation von Dünnschicht-Elektronik gilt, auch wirtschaftlich interessant werden.

FlüssigsilanEin Glas-Substrat mit mehreren Solarzellen aus dem flüssig-prozessierten Silizium im Sonnensimulator, in dem der Wirkungsgrad gemessen wird.
Copyright: Forschungszentrum Jülich

Silizium ist weltweit der meist genutzte und am besten bekannte Halbleiter, allerdings ist die Verarbeitung von Silizium mit hohem Aufwand und hohen Kosten verbunden. Genau hier greift die flüssige Siliziumverbindung an, die Jülicher Photovoltaik-Experten vom Institut für Energie- und Klimaforschung und die strategische Forschung (CREAVIS) des Spezialchemie-Unternehmens Evonik gemeinsam entwickelt haben: "Sie lässt sich kostengünstig flüssig verarbeiten und in den bekannten Halbleiter Silizium verwandeln", sagt der Jülicher Wissenschaftler Dr. Torsten Bronger, Erstautor der Studie. Er und seine Kollegen steuerten ihre Erfahrung in der Entwicklung und Optimierung von Solarzellen bei, während Evonik seine Kompetenz in innovativer Materialchemie einbrachte.
Bei dem Verfahren werden nicht wie sonst üblich massive Siliziumblöcke in dünne Scheiben zersägt. Stattdessen nutzen die Wissenschaftler Silizium in einer flüssigen chemischen Verbindung und tragen es als einen einige hundert Nanometer dicken Film auf eine Glasscheibe auf. Anschließend wandeln sie diesen Film in eine feste Schicht mit halbleitenden Eigenschaften um. Nach der Kontaktierung kann man das Ergebnis als Solarzelle zu nutzen. Allerdings erreicht das Verfahren noch nicht die Effizienz konventioneller Lösungen: Deren Wirkungsgrade liegen heute je nach Art der Solarzelle bei 10 bis über 20 Prozent. "Für Anwendungen, bei denen kein hoher Wirkungsgrad notwendig ist, könnte sich unserer Ansatz jedoch zu einer kostengünstigeren Alternative entwickeln", meint Bronger. Mögliche Anwendungen könnten neben Solarzellen auch Displays, Radio Frequency Identification (RFID), biologische Sensoren und medizinische Geräte sein.
Die Herstellung von Halbleiterfilmen aus Flüssigkeiten ist an sich nichts Neues. Bei der Produktion organischer Solarzellen, die aus Kohlenwasserstoff-Verbindungen bestehen, ist dies – anders als bei Solarzellen aus Silizium – längst üblich. "Dieser Ansatz galt 2009, als wir anfingen, als schwierig. Damals gab es weltweit nur wenige Arbeitsgruppen, die sich an diesem Material versucht haben", erinnert sich Bronger. Zunächst bereitete es den Wissenschaftlern Probleme, aus dem flüssigen Silizium einen gleichmäßigen Film zu machen. So kam es vor, dass der Film riss oder sich Löcher bildeten. "Das ist so ähnlich wie beim Auftragen von Honig mit einem Löffel. Aufgrund der Oberflächenspannung entstehen kleine Lücken", erklärt der Physiker. Lücken im Silizium-Film ruinieren jedoch die Solarzelle, da dort Kurzschlüsse entstehen.
Nach rund zwei Jahren Forschung hatten die Forscher die erste funktionierende Solarzelle entwickelt. Weitere zwei Jahre später erlaubte die stark verbesserte Materialqualität erstmals einen Wirkungsgrad von 3,5 Prozent. "Damit konnten wir bisherige Ergebnisse anderer Forschergruppen um den Faktor sieben steigern. Dies zeigt, dass flüssig-prozessiertes Silizium ein viel höheres Potenzial hat als bisher angenommen", erklärt Bronger, das auch in der Fachzeitschrift "Advanced Energy Materials" veröffentlichte Ergebnis. Er schätzt, dass der Wirkungsgrad um mindestens weitere 2,5 Prozentpunkte gesteigert werden muss, damit sich der industrielle Einsatz lohnt. Dazu sind weitere Forschungen notwendig.

Originalveröffentlichung:


Solution-based Silicon in Thin-Film Solar Cells
Torsten Bronger et al.
Advanced Energy Materials, Volume 4, Issue 11, first published online: 27. März 2014, DOI: 10.1002/aenm.201301871

Weitere Informationen:


Institut für Energie- und Klimaforschung – Photovoltaik (IEK-5)

Ansprechpartner:


Dr. Torsten Bronger
Institut für Energie- und Klimaforschung – Photovoltaik (IEK-5)
Forschungszentrum Jülich
Telefon: 02461 61-2954
t.bronger@fz-juelich.de


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