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Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM)
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Person und Neuroethik

Person und Neuroethik sind Kernthemen der philosophischen wie auch der psychologischen Forschung. Eigenschaften und Merkmale von Persönlichkeit und Personen werden derzeit überwiegend innerhalb dieser Disziplinen diskutiert.

Die Kriterien, mit denen personale Identität über die Zeit hinweg bestimmt werden kann, sind bereits detailliert ausdifferenziert worden und haben die Prüfung etlicher Gedankenexperimente durchlaufen, sodass sie dazu beitragen können, die zeitliche Veränderung wesentlicher Aspekte von Personen besser zu verstehen und medizinisch auf bestimmte Veränderungen adäquater reagieren zu können. Im Projekt wird es darum gehen, die Kategorien dieser Disziplinen auf mögliche Untersuchungsgegenstände neurowissenschaftlicher Forschung zu beziehen. Die neurowissenschaftliche Forschung orientiert sich insbesondere in der Bildgebung an anatomischen und funktionalen Systemen, die mit den psychologisch/philosophischen Kategorien für Person und Persönlichkeit derzeit noch wenig Übereinstimmung aufweisen. Allerdings gibt es unter den in fMRT-Studien untersuchten Feldern ,Exekutive Funktionen', ,Perspektivenwechsel und soziale Kognition', ,Wahrnehmung und Aufmerksamkeit' sowie ,Emotionen' Anschlussstellen zwischen den Begriffs- und Kategoriensystemen der Neurowissenschaften, der Psychologie und der Philosophie der Person. Im Projekt werden weitere Übereinstimmungen zwischen psychologischen und philosophischen Kategorien und neurowissenschaftlicher Forschung gesucht und wo nötig zu schaffen versucht.

Es soll bestimmt werden, welche Eigenschaften und Fähigkeiten Personen bei einzelnen Krankheitsbildern bzw. Forschungsvorhaben der Neurowissenschaften zugeschrieben werden und welche Veränderungen dieser Zuschreibungen durch technische Eingriffsmöglichkeiten neurowissenschaftlicher Praxis zu erwarten sind.

Dabei stellt sich auch die Frage, welche Eigenschaften und Fähigkeiten von Personen einen moralischen Status in der Weise erhalten sollen, dass sie keinen oder nur begrenzten Veränderungen unterworfen werden sollten.

Dies gilt es insbesondere dann zu prüfen, wenn Bioindikatoren mit Verhalten in Verbindung gebracht werden sollen, oder wenn die Bestimmung von Pathologie uneindeutig ist.

Ein zentrales moralisches Kennzeichen von Personen besteht in ihrer Fähigkeit zur Autonomie, welches sich im Kontext medizinischer und wissenschaftlicher Patienten- und Probandenschaft im Prinzip der autonomen Einwilligung niederschlägt. Das Prinzip autonomer Patientenentscheidung sieht als maßgebliche Instanz in Fragen der Forschungsteilnahme und in Behandlungsfragen die erklärte Willensäußerung des Patienten an. Sie gilt als Ausdruck von dessen unantastbarem Recht auf freie Selbstbestimmung und unter Verweis auf die Verschiedenartigkeit von persönlichen Lebensentwürfen und entsprechenden Teilnahme- oder Behandlungswünschen. Einem Arzt oder Forscher kommt hierbei insbesondere die Verpflichtung zur angemessenen Aufklärung des Patienten zu, damit dieser seine Willensentscheidung wohlinformiert treffen kann, aber nicht das Recht, diese Willensentscheidung aufgrund eigener Einschätzung zu übergehen oder auch nur in nachdrücklicher Weise zu beeinflussen.

Besondere Schwierigkeiten ergeben sich für dieses Prinzip überall dort, wo Zweifel an der Informiertheit oder der Kompetenz zur Willensentscheidung bestehen, wie insbesondere im Fall psychiatrischer Erkrankungen und neurologischer Defekte. Im Arbeitspaket wird der Frage nachgegangen, welche Realisationsformen das Prinzip der informierten Einwilligung im Bereich psychiatrischer und neurologischer Erkrankungen findet. Das vorliegende Arbeitsprojekt hat zum Ziel, vor dem Hintergrund der skizzierten Problematik und der aktuellen Diskussionslage das Zusammenspiel der drei gängigen Zustimmungsformen - assent, proxy consent und Patientenverfügung - speziell im Bereich neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen systematisch zu erhellen. Die normativen Kernaspekte der drei Formen sollen erhoben, ihre Verweise auf externe moralische Belange geklärt und ihr wechselseitiger Zusammenhang speziell hinsichtlich möglicher Konfliktfälle aufgedeckt werden. Als Resultat soll eine klar strukturierte und wohlfundierte Systematik von Möglichkeiten und Relationsformen transtemporaler Selbstbestimmung im Bereich demenzieller Erkrankungen erarbeitet werden.


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