Suche

zur Hauptseite

Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM)
(leer)

Navigation und Service


Repräsentation und Modell

Die Erfolgsaussichten der neurowissenschaftlichen Erforschung mentaler Prozesse hängen unter anderem von den zugrunde gelegten Modellen der Struktur und der Funktion mentaler Zustände und von den Hypothesen über den Zusammenhang von mentalen Zuständen und neuronalen Prozessen ab. Hypothesen dieser Art sind in erster Linie von Psychologen und Philosophen formuliert worden. Deren Ergebnisse werden in diesem Forschungsfeld einer methodischen Untersuchung unterzogen, sie werden auf ihre Überprüfbarkeit mit neurowissenschaftlichen Verfahren getestet und möglicherweise einer solchen Überprüfung zugeführt.

In wissenschaftstheoretischen Arbeiten werden die Annahmen und Methoden analysiert, die der Entwicklung funktionaler Modelle des menschlichen Gehirns sowie bildgebender Verfahren zugrunde liegen. Die Philosophie des Geistes diskutiert modulare, atomistische und holistische Modelle des Aufbaus des Mentalen, welche sich weitgehend mit entsprechenden neurowissenschaftlichen Modellen des Aufbaus neuronaler Strukturen decken. Eine Abbildung dieser Modelle und der damit assoziierten Überprüfungsverfahren aufeinander dürfte die Modellbildung beider Disziplinen bereichern und auch verstärkt an den Möglichkeiten experimenteller Überprüfbarkeit orientieren.

Mittels funktioneller Bildgebung (Neuroimaging) können Korrelationen zwischen bestimmten neuronalen Prozessen und korrespondierenden mentalen Phänomenen erhoben werden. Entsprechende Forschungen haben sich in den letzten Jahren auf eine Vielzahl mentaler Phänomene gerichtet, von rein sensorischen Erlebnissen bis hin zu komplexen kognitiven und emotionalen Prozessen. Bislang sind allerdings nur wenige der genannten Korrelationen vollständig durchsichtig geworden. Insbesondere können die festgestellten Bezüge, zumindest gegenwärtig, nicht im Hinblick auf spezifische Inhalte von Gedanken, Absichten oder Emotionen konkretisiert werden.

Eine phänomengerechte Interpretation der genannten Korrelationsbefunde, insbesondere im Hinblick auf das Verhältnis zwischen empirisch beschriebenem neuronalem Ereignis und subjektiv empfundenem bewusstem Erleben, steht bislang aus. Der verbreitete Begriff der Repräsentation phänomenaler Ereignisse auf neuronaler Ebene stellt dabei eine - für sich allein genommen - unspezifische Deutungsfolie bereit. Mit ihm wird zunächst nur bekräftigt, dass es eine gewisse Entsprechung zwischen neuronalem und phänomenalem Sektor gibt. Die genauere Beschaffenheit der Repräsentation des Phänomenalen im Neuronalen wird damit aber nicht erklärt. Die Semantik des Begriffs der Repräsentation erlaubt allerdings Präzisierungen, die das Verhältnis von neuronaler und phänomenaler Ebene konkreter zu fassen versprechen. Dies gilt insbesondere dann, wenn die "Repräsentation" auf der neuronalen Ebene primär nicht auf konkrete mentale Inhalte, sondern auf kognitive Gehalte und Mechanismen bezogen wird. Der relevante Grundbestand ist dann nicht die Repräsentation etwa eines empfundenen Überzeugungszustands durch ein neuronales Ereignis, sondern die Repräsentation objektiver Zusammenhänge durch das Gehirn.

Tagungsbericht
Repräsentation, Modell und Metapher: Über Verstehen und Erklären in den Neurowissenschaften
31.10.2014 in Bonn


Servicemenü

Homepage