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Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM)
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Bewusstseinseinschränkungen und neuronale Erkrankungen

Interner Workshop am 17.7.2011

Veranstaltet im Forschungszentrum Jülich

Infolge eines Unfalls oder einer Erkrankung können Personen in Zustände geraten, in denen sie unfähig sind, sich verbal auszudrücken. Zu solchen Zuständen zählen das Koma, das Wachkoma, der Minimale Bewusstseinszustand und das Locked-in-Syndrom. Das Kriterium für die Einordnung des Patienten in eine dieser Zustandsklassen ist vor allem seine Bewusstseinslage. Diskutiert werden in diesem Kontext Fragen, die einen würdevollen Umgang mit solchen Patienten betreffen. Ob eine Person Wahrnehmungen, Gefühle, Empfindungen und andere mentale Zustände hat, ist aus ethischer Perspektive höchst bedeutsam. Unklar ist allerdings, wie wir überhaupt etwas über die inneren Zustände einer Person erfahren können, die sich verbal nicht mehr mitteilen kann.

Eine Möglichkeit könnte darin bestehen, das Verhalten der Person zu beobachten. Es ist allerdings offen, ob von körperlichen Reaktionen auf durchgängig bewusste Erlebnisse einer Person geschlossen werden darf. Patienten im Wachkoma beispielsweise haben einen Schlaf-Wach- Rhythmus, sie können atmen, die Augen öffnen und das Gesicht verziehen. Aufgrund der für diesen Zustand charakteristischen neuronalen Schädigung wird allerdings in der Regel angenommen, dass es sich hierbei nur um automatisch ablaufende Reaktionen handelt, die der Patient selbst weder steuern noch wahrnehmen kann. Im Gegensatz dazu verfügen Patienten mit einem Locked-in-Syndrom entweder über gar keine Ausdrucksmöglichkeit oder nur über die Fähigkeitkeit, vertikale Augenbewegungen zu vollziehen. Dennoch ist bei diesen Patienten das Bewusstsein zum Teil völlig intakt, wie neue Ergebnisse zeigen, die durch technische Kommunikationsermöglichung über Brain- Computer-Interfaces (BCI) gewonnen wurden. Das heißt, mehr Ausdrucksmöglichkeit impliziert nicht notwendigerweise mehr Bewusstsein und keine Aus- drucksmöglichkeit kein erloschenes Bewusstsein.

Als weitere Möglichkeit, Erkenntnisse über den Bewusstseinszustand einer Person zu erlangen, die unfähig ist verbal zu kommunizieren, wird die funktionelle Bildgebung diskutiert. Da mentale Zustände grundsätzlich mit neuronalen Prozessen korrelieren, scheint die Idee, einen direkten Blick in das Gehirn einer Person zu werfen um etwas über ihren Bewusstseinszustand zu erfahren, zunächst vielversprechend. Allerdings ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar, wie genau dieses korrelative Verhältnis verstanden werden muss und über welche Form des Bewusstseins mit diesen Methoden Aussagen getroffen werden können. Gesichert scheint aber aktuell, dass Errungenschaften der Neurowissenschaft wie BCI dabei helfen können, eine Kommunikation aufzubauen, sofern Bewusstsein gegeben ist.

Fünf kurze Vorträge sollen in die philosophische, naturwissenschaftliche und rechtliche Perspektive zu diesem Thema einführen und ihre ethischen Aspekte erörtern.

 Programm (PDF, 7 kB)


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