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Wirkstoffforschung für Alzheimer-Therapie

Über 1,2 Millionen Menschen in Deutschland leiden heute an der Alzheimerschen Demenz, weltweit sind es Schätzungen zufolge mehr als 24 Millionen. Da das Erkrankungsrisiko im höheren Lebensalter sprunghaft zunimmt, wird erwartet, dass diese Zahl bis 2030 auf über 40 Millionen ansteigt. Im Krankheitsverlauf kommt es zu einem massiven Neuronensterben im Gehirn und immer stärker werdenden Verlusten kognitiver Fähigkeiten, insbesondere des Gedächtnisses. Steigende Betroffenenzahlen, das Leid von Erkrankten und Angehörigen und die schon heute enormen volkswirtschaftliche Kosten machen "Alzheimer" zu einer der drängendsten Herausforderungen der Gesundheitsforschung.

Als Auslöser der Krankheit werden Aggregate des Amyloid-beta-Peptides (Aβ) verantwortlich gemacht. Zunächst als einzelne Moleküle harmlos, können sich die Aβ-Moleküle im Gehirn zu kleineren löslichen Aggregaten (Oligomeren) verbinden und als große Fibrillen und Plaques zwischen den Nervenzellen ablagern, die schließlich zugrunde gehen. Während man sich in der Forschung lange auf die Reduktion der Plaques konzentrierte, geht man heute davon aus, dass es besonders die Oligomere sind, die toxische Wirkung entfalten.

Schematische DarstellungIm Gehirn wird das Peptid Aβ von Enzymen aus einem größeren Eiweißmolekül herausgeschnitten. Im Verlauf der Alzheimerschen Erkrankung lagern sich einzelne Aβ-Monomere zu Oligomeren und Fibrillen zusammen.
Copyright: Tricklabor

Jülicher Forscher um Dieter Willbold haben deshalb einen neuartigen Wirkstoffkandidaten entwickelt, der diese Oligomere gezielt unschädlich macht. In sogenannten in vitro-Studien führte die Zugabe des Peptids zu einem Verschwinden der Oligomere. Auch im Tiermodell zeigte der Wirkstoffkandidat bereits Wirkung: In Tests mit an Alzheimer erkrankten Mäusen verbesserte eine Behandlung mit der Substanz die Gedächtnis- und Lernfähigkeiten und führte zur Verringerung von Plaque-Ablagerungen im Hirngewebe.

Der Wirkstoffkandidat, PRI-002, hat inzwischen erforderlichen präklinischen Sicherheits- und Toxizitätstests absolviert. Unterstützt wurden die Forscher hierbei u. a. vom Forschungszentrum Jülich, dem Helmholtz Validierungs-Fonds, der Universität Düsseldorf und der Volkswagenstiftung. Nun steht PRI-002 vor einer Zulassung für die "Klinische Phase-I". In dieser Phase wird das Medikament an gesunden Freiweilligen getestet, um es auf unerwünschte Nebenwirkungen zu prüfen. Die Behandlungsstrategie von PRI-002 liegt darin, dass die toxischen Oligomere durch den Wirkstoffkandidaten eliminiert werden. Die orale Verabreichung von PRI-002 führte bei Mäusen mit alzheimerähnlichen Symptomen zu einer kognitiven Leistungsverbesserung.

Die weitere Entwicklung des Wirkstoffkandidaten wird in einer Ausgründung aus dem Forschungszentrum Jülich und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf unternommen: Die Priavoid GmbH hat im September 2017 ihre Arbeit aufgenommen.

Weitere Informationen:

Pressemitteilung: Startschuss für Alzheimer-Projekt (4.09.2014)
Pressemitteilung: Ausgründer entwickeln Medikamente gegen Alzheimersche Krankheit (22. September 2017)


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