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Kurznachrichten Mai 2006


Enzyme unter Strom - Das Forschungszentrum auf der ACHEMA

Wie trennt man ein spezielles Protein von einer Menge unerwünschter Substanzen? Bisher entwickeln Forscher die Reinigungsprozeduren dafür praktisch in Handarbeit. Schneller und effizienter könnte es mit einem Laborroboter gelingen, wie Forscher des Instituts für Biotechnologie (IBT) diese Woche auf dem Ausstellungskongress ACHEMA in Frankfurt zeigen.

Die Biotechnologen haben für einen Aufarbeitungsroboter der Firma Tecan Erweiterungstools und -softwareprozeduren entwickelt, mit denen sie die industriell wichtigsten Reinigungsstrategien parallel testen können. "Wir können den Reinigungsprozess damit systematisch optimieren, anstatt wie früher hauptsächlich auf Erfahrung aufzubauen", sagt Dr. Jürgen Hubbach vom IBT. "Das bedeutet auch, dass sich therapeutisch aktive Proteine wie z.B. Insulin und spezielle Antitumorwirkstoffe mit weniger Verlusten in der Produktion herstellen lassen könnten."

Die Biotechnologen präsentieren außerdem ihre Kompetenz auf dem Gebiet der Elektroenzymatik, bei der sie Enzyme als sanfte Reaktionsbeschleuniger einsetzen. Sogenannte Cofaktoren der Enzyme werden dabei mit Hilfe von elektrischem Strom permanent nachgeladen. In einem dritten Projekt zeigen die Forscher, wie sie aus der kleinsten technischen Produktionsstätte - der Zelle - eine "gläserne Fabrik" machen. In einem kleinen Sensor-Fermenter können sie verfolgen, wie und wo Nährstoffe durch den Stoffwechsel der Zelle umgebaut werden. Das ist die Grundvoraussetzung, um die Bildung biochemischer Verbindungen in der Zelle gezielt zu optimieren und eine effiziente Produktion für Feinchemikalien zu entwickeln.
Bis zum 19. Mai sind die Biotechnologen auf einem gemeinsamen Stand (Halle 1.2, F28-F29) mit der Universität Bonn anzutreffen, die auf der ACHEMA über ihren internationalen Masterstudiengang "Molekulare Biotechnologie" informiert.


In der Schwerelosigkeit Wurzeln schlagen

Wie ein ungekämmter Lockenschopf wirken viele Wurzeln, wenn man sie ausgräbt. Die unterirdischen Pflanzenteile wachsen und winden sich aber mit System. Welchen Anteil die Schwerkraft dabei hat, untersuchen Jülicher Forscher im Umwelt-Institut für Chemie und Dynamik der Geosphäre (ICG) mit Wissenschaftlern der Universität Bonn per Flugzeug.

Bei Parabelflügen setzen sie die Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana) im 20-Sekunden-Takt abwechselnd schwerelosen Phasen und Phasen erhöhter Schwerkraft aus. Mit einem speziell entwickelten Kamerasystem beobachten sie dann, wie winzige Stärkekörnchen in der Wurzelspitze - Signalgeber für die Krümmung der Wurzel - auf die Änderungen der Schwerkraft reagieren. "Wir können sogar einzelne Wurzelzellen beobachten und dadurch feststellen, wie weit das Signal zur Krümmung in die Wurzel hinein transportiert wird", sagt Dr. Achim Walter vom ICG. Die Forscher wollen damit nicht nur das unterirdische Sprießen von Pflanzen besser verstehen. "Das Wachstum der Wurzeln ist von entscheidender Bedeutung für die oberirdischen Pflanzenteile und damit die Produktivität einer Pflanze", erklärt Walter. "Wenn wir begreifen, wie sich die Wurzeln verhalten, können wir möglicherweise auch das Wachsen von Pflanzen unter ungünstigen Bedingungen wie Trockenperioden verbessern."

Erste Parabelflüge mit der Jülicher Videotechnik an Bord fanden bereits im März dieses Jahres statt. Eine weitere Messkampagne läuft vom 15. bis 26. Mai. Der für die Parabelflüge umgerüstete Airbus mit über dreißig Experimenten an Bord ist am 19. Mai auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA in Berlin zu besichtigen.


2006-05-16-Kurznachrichten-Wurzeln_klein.jpgWurzel der Ackerschmalwand mit Statolithen in der Spitze, die auf die Schwerkraft reagieren.
Quelle: Forschungszentrum Jülich


"Alexander von Humboldt Polish Honorary Research Fellowships" für Prof. Josef Speth

Die polnische naturwissenschaftliche Gesellschaft "Fundacja na Rzecz nauki Polskiej" hat den Jülicher Physiker Prof. Dr. Josef Speth mit dem Alexander-von-Humboldt-Preis ausgezeichnet. Sie würdigt damit das außerordentliche Engagement des Wissenschaftlers für langfristige Kooperationen mit Krakau.

Der Preis gibt Prof. Speth die Möglichkeit, in den kommenden drei Jahren regelmäßig nach Krakau (Polen) zu reisen, um am dortigen Institut für Kernphysik der Polnischen Akademie der Wissenschaften zu forschen.
Prof. Speth war von 1979 bis 2003 Direktor am Jülicher Institut für Kernphysik und mehr als 30 Jahre Professor für theoretische Kernphysik an der Universität Bonn. Schon in den Achtzigerjahren, also noch vor der Öffnung der östlichen Nachbarländer, suchte und pflegte er die wissenschaftliche Zusammenarbeit und den Austausch mit seinen polnischen Kollegen. Prof. Speth hat seine Forschung inzwischen ausgedehnt auf die Frage, ob und inwieweit Gesetzmäßigkeiten in der Physik auch auf volkswirtschaftliche Fragen übertragen werden können, zum Beispiel bei den Finanzmärkten.

2006-05-16-Kurznachrichten-Speth.jpgDank des Engagements von Prof. Speth herrscht ein reger wissenschaftlicher Austausch mit Krakau.
Quelle: Forschungszentrum Jülich




Pressekontakt

Kosta Schinarakis
Wissenschaftsjournalist, Unternehmenskommunikation
Forschungszentrum Jülich
Telefon: Tel. 02461 61-4771
E-Mail: k.schinarakis@fz-juelich.de


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