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Peking-Tagebuch

Freitag, 15. August 2008

Freitagmorgen, blauer Himmel, zu meiner Abreise aus Peking bestes Wetter. Auf der Fahrt zum Flughafen wählt mein Taxifahrer eine etwas längere, aber schnellere Route, da die Verkehrsinformation ihm einen Stau auf dem vierten Ring signalisiert hat. Das würde etwa 7 Yuan (0,7 Euro) mehr kosten. Ob ich das wolle?, wurde ich vor Beginn der Fahrt freundlich gefragt.

Es sind wohl viele einzelne Maßnahmen, die zum bisherigen Erfolg der Verbesserung der Luftqualität während der Olympischen Spiele beigetragen haben:

  • detaillierte Verkehrsinformationen, über alle Medien und Lichtzeichenanlagen,
  • keine Bauarbeiten in Peking,
  • viele Einwohner sind in Urlaub gefahren,
  • deutlich messbare Verminderung der Schwefelemissionen durch Verwendung schwefelarmer Brennstoffe,
  • Tankstellen mit Filter
  • und Absaugvorrichtungen,
  • starke Verminderung der industriellen Tätigkeit im Großraum Peking
  • Identifizierung der Hauptverursacher von Schadstoffen und Schließung dieser Werke und schließlich die
  • konsequente Messung und Überwachung der Luftqualität mit stationären und mobilen Messgeräten.

Wir von der Jülicher Atmosphärenforschung haben dabei im Vorfeld der Spiele ein wenig geholfen - und konnten dabei gleichzeitig sehr interessanten atmosphärisch-chemischen wissenschaftlichen Fragestellungen nachgehen. So haben unsere komplexen Radikalmessungen während der Kampagnen in China erstmalig neue atmosphärische Abbauwege für Spurenstoffe aufgezeigt, bei denen im Gegensatz zum bisherigen Verständnis nicht Ozon - ein wichtiges Treibhausgas - gebildet wird.

Der derzeitige Verdacht ist, dass diese Abbauwege auch in vielen anderen Regionen der Erde wirksam sind und vielleicht unser Bild der Selbstreinigungskraft der Atmosphäre verändern werden. Weitere Untersuchungen in Deutschland - im Herbst mit dem Zeppelin NT über dem Bodensee, in der Jülicher Atmosphären-Simulationskammmer SAPHIR - und auch in Südchina werden notwendig sein, um das Problem in seiner ganzen Komplexität verstehen zu können.

Gute Aussichten also für wissenschaftlich interessante und auch anwendungsnahe Forschung auf dem Gebiet der Wechselwirkung von Chemie und Klima.

IMG_0141_klein_jpgHeute nicht unter einer Dunstglocke versteckt: Die Landschaft im Norden Pekings aus der Vogelperspektive.


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