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Jülich 2050: Ein Campus mit Zukunft

Wie wird der Jülicher Campus in 40 Jahren aussehen? Auf jeden Fall energieeffizient und weitsichtig gestaltet, ein Ort zum Forschen, Arbeiten und Leben. Das Forschungszentrum hat hierfür den "Städtebaulichen Masterplan 2050" entwickelt.

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Im ersten Schritt haben Architekten und Projektplaner, die von externen Spezialisten für nachhaltiges Bauen unterstützt werden, den gegenwärtigen Bestand des Zentrums erfasst, das in über 50 Jahren auf einer Fläche von über zwei Quadratkilometern organisch gewachsen ist.

Im zweiten Schritt wurden die Bedarfe der Institute erhoben: Was braucht die Wissenschaft an Räumen oder Laboren? Welche Entwicklung ist in den nächsten Jahren zu erwarten, sowohl was die Anzahl von Mitarbeitern betrifft, als auch den Flächenbedarf der Institute oder besondere Forschungsinfrastrukturen? Welche Struktur des Campus wäre von Vorteil?

Die erfassten Daten aus der Ist-Analyse und den Anforderungen der einzelnen Institute sind in eine Gesamtbetrachtung eingeflossen. Diese berücksichtigt Kriterien für Nachhaltigkeit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) und des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB). Sie beinhalten neben ökologischen und ökonomischen Aspekten auch soziokulturelle und funktionale Gesichtspunkte, die technische Qualität von Gebäuden und Infrastruktur sowie Aspekte im Prozess der Umgestaltung, wie die Beteiligung von Mitarbeitern oder das Qualitätsmanagement.

Wie könnte der Campus 2050 nun aussehen? Der gegenwärtige Plan sieht vor, den Campus langfristig so umzubauen, dass die Institute näher im Zentrum des Campus zu Quartieren zusammenrücken, die sich in einer grün bepflanzten verkehrsberuhigten Zone konzentrieren, während bestimmte Betriebsanlagen dezentral im Wald untergebracht werden. Der Verkehr könnte auf einen Ring begrenzt werden, von dem aus übersichtlich angelegte Parkplätze erreichbar wären. Gegenwärtige Entwürfe sehen vor, betonierte, „versiegelte“ Flächen zwischen den Gebäuden zu Grünflächen rückzuverwandeln, um so das eigentliche Arbeitsumfeld aufzuwerten und das Klima unmittelbar an den Gebäuden zu optimieren. Mehr Einrichtungen könnten im Bereich der neuen Campus-Mitte Platz finden, um die isolierte Lage des gesamten Campus im Wald auszugleichen und es Mitarbeitern zu ermöglichen, wichtige Dinge des täglichen Bedarfs zu besorgen oder zu erledigen, ohne den Campus verlassen zu müssen. Insbesondere soll die Versorgung außerhalb der Hauptarbeitszeiten verbessert werden ebenso wie die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

Der städtebauliche Masterplan ist auf verschiedene Ausbaustufen angelegt: für 2016, 2020, 2030 und schließlich 2050. In regelmäßigen Abständen von etwa 3 Jahren wird er anhand der dann aktuellen Situation angepasst. Jeweils anstehende Sanierungsmaßnahmen und Bauprojekte werden zielgerichtet in das Ganze integriert; Provisorien, wie Interimsbauten und die damit verbundenen mehrfachen Umzüge möchten die Architekten vermeiden. Schon jetzt gilt es, Gebäude modular zu bauen, um Nutzungsmöglichkeiten flexibel zu halten, Fassadenkomponenten zu verwenden, die bei Bedarf angepasst werden können und möglichst Baustoffe zu verwenden, die recyclebar sind. Schließlich gilt es, die Energiebilanz eines Hauses über den gesamten Lebenszyklus hinaus möglichst neutral zu halten.

Öko-Zertifikat für Jülicher Labore

Parallel zur Konzeption des städtebaulichen Masterplans lässt sich das Forschungszentrum für nachhaltiges Bauen im wissenschaftlichen Bereich zertifizieren.
Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung entwickelt und erprobt derzeit ein Bewertungs- und Zertifizierungssystem speziell für Forschungs- und Laborgebäude in Deutschland. Das Ziel ist es, einheitliche Standards einzuführen, an denen sich Nachhaltigkeit messen lässt und welche für Einrichtungen, die vom Bund getragen werden, auch finanzierbar sind, denn nachhaltige Bauoptionen sind bei Verringerung der Kosten über den gesamten Lebenszyklus in der Errichtungsphase oft teurer als althergebrachte Optionen. In der Pilotphase dieses Projektes ist das Forschungszentrum mit zwei Gebäuden beteiligt, die unter Nachhaltigkeitskriterien unter die Lupe genommen wurden. Anforderungen an die Gebäude sind beispielsweise, dass ihr gesamter Lebenszyklus bereits in der Planung berücksichtig ist und alternative Nutzungen und Ausbaustufen von Anfang an mit bedacht sind, wie es beim neuen Photovoltaik-Technikum und dem Neubau der Plasmaphysik des Forschungszentrums der Fall ist.

Energieeffizienz auf dem Prüfstand

Energieeffizienz ist ein zentraler Punkt für eine nachhaltige Entwicklung, auch in Jülich. In den über 50 Jahren seines Bestehens ist der Campus organisch gewachsen. 60 Prozent der Gebäude auf dem Campus des Forschungszentrums sind bereits über vierzig Jahre alt; 80 Prozent der gebäudetechnischen Anlagen haben das Ende ihres Lebenszyklus weit überschritten. Die notwendige Sanierung der intensiv genutzten Infrastruktur bietet eine Chance, neue Wege zu gehen und beispielsweise Ergebnisse aus der eigenen Forschung, etwa im Energiebereich, auf dem eigenen Campus umzusetzen und in der Praxis zu erproben.
Bis 2050 sollen laut Energiekonzept der Bundesregierung etwa 60 Prozent des Energiebedarfs durch erneuerbare Energien abgedeckt werden – die Mitwirkung daran ist für den Jülicher Wissenschaftscampus, der selbst Energieforschung betreibt, eine Herausforderung, denn ein großer Teil der Gebäude muss saniert werden und die wissenschaftliche Infrastruktur etwa von Großgeräten der Spitzenklasse fällt durchaus ins Gewicht. Für eine intelligente Energienutzung und Energieversorgung sind neue Konzepte notwendig.

Um etwa den Wärmebedarf der Gebäude auf dem Campus zu ermitteln, analysieren Jülicher Experten in Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen komplette Labor- und Bürogebäude sowie gemischt genutzte Häuser, denn diese variieren sehr stark in ihrem Energiebedarf. Bei Gebäude mit Hörsälen beispielsweise fällt deren Nutzung und Auslastung mit ins Gewicht, da jeder Mensch durch seine Körperwärme den Saal zusätzlich "beheizt".

Der Baubestand auf dem Campus wird nicht nur von Gebäudetyp zu Gebäudetyp untersucht, sondern jeweils auch hinsichtlich des Verbrauchs während eines einzelnen Tages. Hierzu liefert das Forschungszentrum seine Daten an den Lehrstuhl für Gebäude- und Raumklimatechnik der RWTH. Mit einer Software, die derzeit dort im Rahmen eines Forschungsprojekts zur Simulation von Wärme-Versorgungsnetzen entwickelt wird, wollen die Wissenschaftler die Jülicher Wärmeversorgung zeitaufgelöst und detailliert abbilden. Statt eines Mittelwerts des Wärmeverbrauchs soll das Programm den gesamten über den Tagesverlauf schwankenden Wärmebedarf unterschiedlicher Gerätetypen abbilden. Der Vorteil: Durch die gewonnenen Erkenntnisse kann das gesamte Versorgungsnetz optimiert simuliert und der günstigste Pfad für die Betriebsführung entwickelt werden. Lastspitzen können durch intelligente Steuerung abgefangen werden, so dass die Netzkapazität niedriger ausgelegt werden kann und vorhandene Netze mehr leisten können. Aber nicht nur die Wärmeversorgung ist ein Thema für die wissenschaftliche Infrastruktur, sondern auch die Kühlung wissenschaftlicher Anlagen. Für einige Prozesse auf dem Campus wird beispielsweise Wasser der Rur zum Kühlen von Anlagen verwendet und über den See auf dem Campus unter strengen Auflagen in die Rur zurückgeleitet. Andere, vergleichbare Ansätze sind denkbar.

Einige Maßnahmen können sofort umgesetzt werden oder sind bereits umgesetzt: So erfüllen Neubauten energieeffiziente Standards und beziehen einen Teil ihrer Energieversorgung von Solaranlagen auf dem Dach. Die Straßenbeleuchtung auf dem Campus ist mittlerweile komplett auf LED-Leuchten umgerüstet. Bei einer Stromersparnis von über der Hälfte reduziert sich dadurch der CO2-Ausstoß um etwa 146 Tonnen pro Jahr. Die neuen Lampen haben zusätzlich den Vorteil, dass sie aufgrund der geringen Wärmeentwicklung für Insekten nicht zur Gefahr werden.

Mobilität

Eine wichtige Rolle für die Energieeffizienz auf dem Campus mit etwa 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern spielt die Mobilität. Das Forschungszentrum ermutigt seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, in Fahrgemeinschaften oder mit dem Fahrrad zur Arbeit zu kommen: Hierzu soll die Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr noch weiter verbessert werden, was Angestellten und Besuchern zugleich gute kommt. Das Forschungszentrum eruiert derzeit erneut die Möglichkeit, in Kooperation mit den umliegenden Verkehrsverbünden Jobtickets anzubieten. Für Mitfahrgemeinschaften gibt es im Intranet eine eigene Plattform. Der Campus selbst ist fahrradfreundlich gestaltet und mit Schutzstreifen auf den Fahrbahnen sowie mit neuen Fahrradständern ausgestattet. Ein Fahrradtor in Richtung Jülich ist ganztägig nutzbar.

Auch Besuchergruppen können den Campus per Fahrrad erkunden, auf der sie Schwerpunkte der Energie- und Klimaforschung in den Instituten kennenlernen, wie die Photovoltaikforschung, die Atmosphären- und Klimaforschung. Teil der Tour sind aber auch Stationen auf dem Campus, an denen nachhaltige Ideen bereits in der Praxis umgesetzt werden.

Für Kollegen des Technischen Bereichs, die täglich mehr als 20 Kilometer auf dem Campus zurücklegen und schnell von einem Gebäude zu einem anderen gelangen müssen, stehen Elektromofas zur Verfügung. Derzeit kann ein solcher Roller an einer normalen Steckdose aufgeladen werden. Geplant ist jedoch, Elektrotankstellen auf dem Campus zu installieren.


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