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Vorsicht vor der nächsten Welle - Modellierungsszenarien für die Pandemie COVID-19

Als sich die COVID-19-Pandemie in Deutschland abzuzeichnen begann, wurde die CoSiMo-Gruppe (COVID-Simulation und -Modellierung) als Kooperation zwischen JSC und dem Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) gegründet. Gleichzeitig wurde auch das neue SimLab Epidemiologie und Pandemie eingerichtet. Anfang April wurden erste Ergebnisse vorgestellt, die die möglichen Auswirkungen nicht-pharmazeutischer Maßnahmen auf die Eindämmung/Unterdrückung der ersten Welle aufzeigetn und das Risiko einer zweiten Welle in den kommenden Monaten vorhersagten.

Nachdem sich im Oktober 2020 die zweite Welle ankündigte und sich die Diskussionen auf verschiedene Interventionsstrategien zuspitzten, simulierte die Gruppe verschiedene Szenarien, die unterschiedliche Interventionsstrategien erfassten. Die Ergebnisse wurden auf der Homepage des Forschungszentrums Jülich vorgestellt (Pressemitteilung vom 6. November) und kürzlich in Influenza and other respiratory viruses veröffentlicht. Erst kürzlich hat die Gruppe aktualisierte Simulationen erstellt, die die möglichen Auswirkungen der Urlaubszeit zeigen (Pressemitteilung vom 26. November). Kurzfristige Vorhersagen werden dem am KIT eingerichteten Prognose-Hub zur Verfügung gestellt (https://kitmetricslab.github.io/forecasthub/forecast).

Da es zu viele Einflussfaktoren auf die Epidemie gibt, die auf der Grundlage der verfügbaren Daten und Kenntnisse nicht zuverlässig abgeschätzt oder vorhergesagt werden können, zeigen die Simulationen nur Szenarien für verschiedene Annahmen zu diesen Faktoren. Insbesondere die langfristigen Vorhersagen sind bestenfalls qualitativer Natur. Das zuverlässigste Ergebnis sagt voraus, dass eine einzige 4-wöchige Abschaltung - selbst wenn sie vorübergehend wirksam wäre, um die Fallzahlen und Todesfälle zu reduzieren, - nicht ausreichen würde, um die Epidemie für den Rest des Winters in Schach zu halten. Vielmehr müssen in den nächsten Monaten eine Reihe von Maßnahmen zur Kontaktreduzierung durchgeführt werden, um weitere Wellen und damit wiederholte Shutdowns zu vermeiden. Dieses Ergebnis wurde durch die Fall-/Todeszahlen mehrerer Länder wie Frankreich und Irland bestätigt, die im Herbst in einen zweiten strengen Lockdown gingen, gefolgt von einem erneuten Anstieg der Fälle kurz nach Aufhebung der Beschränkungsmaßnahmen.

Weitere Szenarien und Simulationen unter Berücksichtigung neuer Daten sind geplant und werden sich unter anderem mit der Frage der Impfungen befassen.

Ansprechpartner: Dr. Jan Fuhrmann, j.fuhrmann@fz-juelich.de

Aus JSC News No. 278, 30. Januar 2021