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„Es macht mir schlichtweg Spaß, mit jungen Menschen zu arbeiten“

Tabea Mildenberger ist Chemisch-technische Assistentin und Fabian Deckwirth ist Chemielaborant am Helmholtz-Institut Münster. Im Interview berichten sie, warum sie sich für eine Fortbildung zur Ausbilderin und zum Ausbilder für chemische Berufe entschieden haben.

Tabea und Fabian bereiten Anschauungsmaterial vor.Copyright: HI MS / Ellermann

12. Juli 2021 Ihr habt kürzlich bei der Industrie- und Handelskammer die Ausbildereignungsprüfung bestanden und somit den sogenannten Ausbilderschein erhalten. Herzlichen Glückwunsch! In welchem Berufsfeld könnt und möchtet ihr in Zukunft ausbilden?

Fabian: Vielen Dank! Grundsätzlich darf jeder nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildereignungsprüfung und Nachweis der persönlichen Eignung in jedem Beruf ausbilden, in dem er oder sie eine fachliche Eignung nachweisen kann. In unserem Fall ist das in allen chemischen Berufen. Da ich Chemielaborant bin, darf ich in den Berufen Chemielaborant*in, Chemisch-technische(r) Assistent*in (CTA) und Chemikant*in ausbilden. Man darf also auch in artverwandten Berufen ausbilden. Das sollte man dann immer individuell mit der zuständigen IHK abklären.

Tabea: Es ist auch Voraussetzung, dass wir uns vor dem Gesetz nichts zu Schulden kommen lassen haben, da wir auch Jugendliche ausbilden werden.

Wie kam es, dass ihr auf die Fortbildung aufmerksam geworden seid und euch dann für sie entschieden habt?

Fabian: In meinen ersten Tagen am Forschungszentrum Jülich habe ich mich im Intranet umgesehen und mir unter anderem die verschiedenen Fortbildungsmöglichkeiten angeschaut. Etwa ein halbes Jahr später begannen meine Recherchen für die nebenberufliche Weiterqualifizierung zum Techniker Fachrichtung Chemie mit dem Schwerpunkt Labortechnik, welche ich diesen August antreten werde. Im Zuge dessen erfuhr ich, dass darin integriert auch die Ausbildereignungsprüfung abgelegt werden kann. Ich erinnerte ich mich daran, dass das Forschungszentrum die passende Fortbildung anbietet und so kam eins zum anderen. Außerdem sah ich in der Fortbildung die Möglichkeit Interessen und Fertigkeiten aus dem bisher privaten Bereich mit in meinen Beruf einzubringen. Bei meiner Tätigkeit als Trainer und Sportler im Taekwondo-Team-Münsterland konnte ich feststellen, dass es mir schlichtweg Spaß macht, mit jungen Menschen zu arbeiten und sie bei ihrer Entwicklung zu begleiten und zu fördern.

Tabea: Fabian hat mich angesprochen, da habe ich mich entschlossen, mitzumachen. Mir wurde bewusst, welche Fortbildungen vom Forschungszentrum angeboten werden und dass die Kosten komplett übernommen werden. Ich bin bereits ehrenamtliche Ausbilderin bei der DLRG Münster im Wasserrettungsdienst und in der Schwimmausbildung. Hier leite ich schon länger das Jugend-Einsatz-Team mit 12 bis 16-Jährigen. Durch die Fortbildung konnte ich privat viel mitnehmen und habe auch die Möglichkeit, zukünftig im Labor mit Jugendlichen zu arbeiten. Hier am HI MS hatte ich zum Beispiel auch schon einen Praktikanten im Labor, den ich damals mitbetreut habe. Durch die Fortbildung habe ich jetzt noch bessere Möglichkeiten kennengelernt, um die Jugendlichen beim Erlernen des Berufes zu unterstützen.

Durch das Lösen des Salzes Kaliumpermanganat in destilliertem Wasser wird eine violette Kaliumpermanganat-Lösung hergestellt.Durch das Lösen des Salzes Kaliumpermanganat in destilliertem Wasser wird eine violette Kaliumpermanganat-Lösung hergestellt: Tabea und Fabian haben verschiedene Methoden gelernt, chemische sowie physikalische Vorgänge für Auszubildende verständlich zu machen.
Copyright: HI MS / Ellermann

Welche Bereiche wurden in der Fortbildung behandelt?

Tabea: Die Ausbildung bestand aus vier Handlungsfeldern: Die Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und die Ausbildung planen, die Ausbildung vorbereiten, bei der Einstellung von Auszubildenden mitwirken sowie die Durchführung und der Abschluss der Ausbildung. Alle Handlungsfelder wurden in der Prüfung in einem theoretischen und einem praktischen Teil abgefragt. Insgesamt wird die Ausbildung aus der Perspektive der Didaktik betrachtet und auch rechtliche Aspekte werden einem nahegelegt.

Fabian: Das dritte Handlungsfeld „Durchführung der Ausbildung“ war das Wichtigste für unsere praktische Abschlussprüfung. Hier beschäftigt man sich mit den didaktischen Gegebenheiten „Was? Wie? Wer? Wo? Womit? Wann?“. Man lernt Führungsstile kennen und verschiedene Methoden zur Ausbildung. Es ist wichtig, mit der Auszubildenden oder mit dem Auszubildenden im Vorhinein klare Ziele zu definieren und einen Fahrplan zu erstellen, der sie oder ihn motivieren soll. Hierbei ist es immer hilfreich zu wissen, warum man etwas Bestimmtes lernen soll.

Welche Methoden waren das?

Tabea: Zu den Methoden gehören unter anderem die Präsentation, die Demonstration, die Projektmethode, Rollenspiele und die 4-Stufen-Methode. Bei der 4-Stufen-Methode gefällt mir besonders gut, dass man zunächst etwas vorbereitet, dann etwas zeigt und vormacht, dann die Auszubildende oder den Auszubildenden etwas nachmachen lässt und sie oder er selbstständig üben darf. Danach prüft man, inwiefern die Lernziele erreicht wurden. Eine besonders schöne Methode für unsere praktische Arbeit im Labor, wie ich finde.

Fabian: In meiner Präsentationsprüfung habe ich beispielsweise über die 4-Stufen-Methode die Dichtebestimmung mittels Pyknometer vorgestellt. In der Probezeit haben die Auszubildenden die Möglichkeit, anhand solcher einfacheren Aufgaben zu testen, ob der Beruf das Richtige für sie ist. Es gibt viele verschiedene Lehrmethoden, die auf die persönlichen Voraussetzungen der Auszubildenden ganz individuell abgestimmt werden können. Die Zeitfenster, in welchen Inhalte vermittelt werden, spielen ebenfalls eine Rolle. Jugendliche können komplexe Inhalte beispielsweise am besten vormittags verarbeiten und einfache Inhalte sollten eher in den Nachmittag gelegt werden.

Die meisten von uns waren im letzten halben Jahr im Homeoffice. Wie konntet ihr die Fortbildung mit eurem beruflichen Alltag und mit der Corona-Situation vereinbaren?

Fabian: Da es sich um einen Online-Kurs handelte, konnte ich den Kurs sehr gut mit in meinen Workflow einplanen. Immer mal wieder ein Stündchen hie und da und zum Ende hin auch mal am Wochenende. Das persönliche Feedback hat natürlich etwas gefehlt. Nichtsdestotrotz würde ich es wieder so machen.

Tabea: Durch die Corona Situation waren wir, die normalerweise viel im Labor sind, gezwungen, viele Aufgaben von zu Hause zu organisieren. Somit konnte man die etwas ruhigere Zeit auch nutzen, um für die Fortbildung zu lernen.