Suche

zur Hauptseite

Institut für Energie- und Klimaforschung

Navigation und Service


„Stickoxide und Feinstaub sind heute das Hauptproblem“

40 Jahre nach dem ersten Smog-Alarm: Interview mit Atmosphärenforscherin Astrid Kiendler-Scharr

Jülich, 16. Januar 2019 – Vor 40 Jahren, am 17. Januar 1979, gab es in Deutschland den ersten Smog-Alarm. Die Luft im Ruhrgebiet war besonders stark verschmutzt: In Duisburg wurden 1400 Mikrogramm Schwefeldioxid pro Kubikmeter Luft gemessen – der Grenzwert lag damals bei 800 Mikrogramm. Seither hat sich die Luftqualität stark verbessert. Welche Maßnahmen halfen und wie heute Emissionen aus dem Verkehr die Luft belasten, erläutert Prof. Astrid Kiendler-Scharr, Direktorin am Institut für Troposphärenforschung des Forschungszentrums Jülich, im Interview.

Prof. Astrid Kiendler-ScharrProf. Astrid Kiendler-Scharr
Copyright: Sascha Kreklau

Was waren die Ursachen für den ersten Smog-Alarm?

Prof. Kiendler-Scharr: Der Smog-Alarm vor 40 Jahren war der Kategorie „London Smog“ zuzurechnen, so benannt nach dem schweren Smog-Event in London im Winter 1952. Die Ursachen damals waren eine Mischung aus Emissionen – insbesondere Schwefeldioxid aus Kraftwerken, Hausbrand und Industrie – und das Auftreten einer sogenannten Inversionswetterlage, bei der sich Schadstoffe durch den geringen Austausch von Luft besonders anreichern.

Welche Maßnahmen haben damals geholfen?

Prof. Kiendler-Scharr: Insbesondere die konsequente Abgasreinigung, aber auch das Entschwefeln von Treibstoffen wie Benzin und Diesel haben dazu geführt, dass Schwefeldioxid hierzulande kein Luftqualitätsproblem mehr darstellt.

Smog-Alarm: Ist das eine Sache der Vergangenheit? Oder wie sehen die Probleme heute aus?

Prof. Kiendler-Scharr: Smog-Alarm, sowohl im Winter als auch im Sommer, gehört zwar der Vergangenheit an, es gibt aber auch weiterhin Überschreitungen von Grenzwerten der Luftqualität: Stickoxide und Feinstaub sind heute das Hauptproblem. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft die Feinstaubbelastung als eines der größten umweltbezogenen Gesundheitsrisiken ein.

Wo sind die Probleme in Deutschland am größten, und woran liegt das?

Prof. Kiendler-Scharr: Sowohl für Stickoxide als auch für Feinstaub gibt es große Quellen aus dem Verkehr. Dadurch werden die Grenzwerte in verkehrsnahen Lagen oft überschritten. Wie auch schon in der Vergangenheit und in anderen Regionen der Welt ist das Aufeinandertreffen von starken Emissionen und bestimmten meteorologischen Situationen oftmals Auslöser für besondere Belastungen. Talkessellagen wie in Stuttgart sind hier besonders oft betroffen.

Was müsste aus wissenschaftlicher Sicht passieren, um die Probleme zu bekämpfen? Sind Fahrverbote die große Lösung?

Prof. Kiendler-Scharr: Um die Belastung durch Stickoxide zu reduzieren, muss der Verkehrssektor als Ganzes betrachtet werden. Unsere Messungen im Straßenverkehr legen nahe, dass der PKW-Verkehr nicht Hauptverursacher der Stickoxid-Belastung ist. Eine Umstellung insbesondere des öffentlichen Nahverkehrs und des Lieferverkehrs auf alternative Antriebstechniken – Stichwort E-Mobilität – kann hier große Beiträge leisten.

Weitere Informationen:

Forschung zur Luftqualität in der Stadt

Forschung mit dem mobilen Messlabor MobiLab

Pressemitteilung „Stickoxide in Düsseldorf: Neue Daten zeigen, wie die Schadstoffe verteilt sind“ (2. Mai 2018)

Interview mit Dr. Franz Rohrer zur Diesel-Debatte: „Mit Nachrüstungen und Umtauschaktionen für Pkw allein lassen sich die Grenzwerte in Städten kaum einhalten“ (27. September 2018)

Ansprechpartnerin:

Prof. Astrid Kiendler-Scharr
Tel.: +49 2461 61-4185
E-Mail: a.kiendler-scharr@fz-juelich.de

Pressekontakt:

Erhard Zeiss, Pressereferent
Tel.: 02461 61-1841
E-Mail: e.zeiss@fz-juelich.de


Servicemenü

Homepage