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Einen wirksamen Beitrag zum Strukturwandel leisten

Jülich, 24. Mai 2019 – Das Forschungszentrum Jülich will mit seiner wissenschaftlichen Exzellenz und der Leistungsfähigkeit seiner mehr als 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Erfolg des Strukturwandels im Rheinischen Revier beitragen. Deshalb hat das Forschungszentrum mit seinen Partnern bei der Bundesregierung und der NRW-Landesregierung konkrete Vorhaben eingereicht, die in die verabschiedeten Eckpunkte zur Umsetzung der strukturpolitischen Empfehlungen der Kommission „Wachstum, Beschäftigung und Strukturwandel“ aufgenommen wurden. Über den Inhalt der Eckpunkte hat die Landesregierung das Parlament unterrichtet und dabei auch auf die Bedeutung von Wissenschaft und Innovation für einen erfolgreichen Strukturwandel hingewiesen.

Prof. Wolfgang MarquardtProf. Dr.-Ing. Wolfgang Marquardt
Copyright: Forschungszentrum Jülich / Ralf-Uwe Limbach

Die Vorhaben des Forschungszentrums stammen aus den Jülicher Forschungsschwerpunkten Information, Energie und Bioökonomie. Ihr Ziel ist es, aus der Forschung heraus neue Wertschöpfungsketten in der Informationstechnologie, der Bioökonomie und der Energietechnik in der Region anzusiedeln. Dazu werden die Vorhaben im engen Schulterschluss mit regionalen Partnern aus Unternehmen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft entwickelt und umgesetzt. „Wir sind uns unserer Verantwortung für unsere Region sehr bewusst“, betont Prof. Wolfgang Marquardt, Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums. „Das ist nicht das übliche Forschungsgeschäft. Wir als Forschungszentrum Jülich sehen uns in der Verantwortung, unsere Region nach Kräften dabei zu unterstützen, sich der großen Herausforderung des Strukturwandels zu stellen. Mit unserer Kompetenz bringen wir wissensbasierte Innovationen auf den Weg, um damit den Wandel bestmöglich mitzugestalten.“

Mit drei Vorhaben möchte sich das Forschungszentrum am geplanten Sofortprogramm für die Strukturwandelregionen beteiligen:

1) Neuroinspirierte Technologien der künstlichen Intelligenz:
Das Forschungszentrum sieht in der Entwicklung neuartiger, sogenannter neuroinspirierter Computertechnologien ein großes Wertschöpfungspotential im Rheinischen Revier. Jülicher Forscherinnen und Forscher arbeiten bereits heute gemeinsam mit Wissenschaftlern der RWTH Aachen an neuartigen Materialien und elektronischen Bauelementen und sie lernen vom besten bekannten Rechner überhaupt: Dem menschlichen Gehirn. Das verbesserte Verständnis der grundlegenden Prinzipien und Mechanismen des biologischen Gehirns dient als Grundlage für die Entwicklung „Neuromorpher Computer“ auf der Basis der neuen Materialien und Bauelemente und führt somit auch zu Fortschritten in der Künstlichen Intelligenz (KI). Das Vorhaben bindet regionale Unternehmen der Material- und Bauelementtechnologien ein und eröffnet ihnen ein hervorragendes, langfristiges Expansions-Potenzial. Es sendet außerdem Impulse an die Unternehmen der Hochtechnologie und an KMUs, sich im Rheinischen Revier anzusiedeln.

2) Modellregion Bioökonomie im Rheinischen Revier:
Das zweite Vorhaben verfolgt das Ziel, das Rheinische Revier von einer besonders stark von fossilen Rohstoffen abhängigen Region zu einer Zukunftsregion für biobasierte Wertschöpfung zu entwickeln. Die Stärken der Region in den Bereichen Wissenschaft und Wirtschaft liefern hierfür eine hervorragende Ausgangsbasis: Die hochproduktive Landwirtschaft soll mit ihrer zentralen Rolle für die Landschafts- und Landnutzungsentwicklung im Strukturwandel mit neuen Methoden zukunftssicher gestaltet werden, traditionelle Nutzungspfade (z.B. Lebensmittelindustrie) sollen innovativ weiterentwickelt und neue Verwertungspfade für Materialien und Chemie vorangetrieben werden, um so auch neue Märkte zu erschließen. Gleichzeitig sollen regionale Stoffkreisläufe im Sinne einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft geschlossen und neue Geschäftsmodelle durch intelligente Verzahnung von Wirtschaft und Forschung in der Region etabliert werden. Durch Kooperation von Partnern in Wissenschaft, Industrie, Landwirtschaft, Kommunen und der Zivilgesellschaft soll so ein Reallabor für eine nachhaltige und innovative Bioökonomie-Region geschaffen werden: die Modellregion BioökonomieREVIER Rheinland.

3) Inkubator nachhaltige erneuerbare Wertschöpfungsketten (iNEW):
Zur Reduktion von CO2-Emissionen in Industrieprozessen ist die Entwicklung nachhaltiger Produktionsverfahren auf Basis von Power-to-X-Technologien (P2X) ein vielversprechender Ansatz. Dieser Ansatz ermöglicht es, CO2 als Rohstoff einzusetzen und auf dieser Basis zukunftsfähige Wertschöpfungsketten zu entwickeln. Um einen beschleunigten Technologietransfer und Innovationsprozess von P2X-Konzepten zu ermöglichen, soll eine offene Innovationsplattform (iNew)eingerichtet werden. Diese böte die Möglichkeit, neu entwickelte P2X-Technologien frühzeitig unter realistischen Betriebsbedingungen zu testen, damit Einblicke in Leistungsfähigkeit und Alterungsmechanismen zu erhalten und diese Erkenntnisse direkt zu nutzen. Dabei werden von Beginn der Technologieentwicklung an regionale Firmen und Industrieunternehmen eingebunden. Die Innovationsplattform soll in der Zukunft zu einem Reallabor (LiLaC) weiterentwickelt werden.

Mit einem weiteren Vorhaben soll die einzigartige Forschungsinfrastruktur am Jülicher Ernst Ruska-Centrum im Bereich der hochauflösenden Elektronenmikroskopie ausgebaut werden. Damit wird nicht nur die Forschungsregion im Rheinland gestärkt werden, sondern dies bietet auch Unternehmen, die mit innovativen Werkstoffen und Technologien arbeiten, eine einmalige Chance zur Entwicklung und damit eine gute Perspektive im Rheinischen Revier. Mit dem Ausbau der Infrastruktur ist der Aufbau von InnovationLabs verbunden, in denen Industrieunternehmen in die Forschung, beispielsweise zur Energiewende, eingebunden werden.

Darüber hinaus möchte das Forschungszentrum mit dem Cognitive Computing Centre (CCC) ein Zentrum für Kognitives Rechnen etablieren, in dem Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft Zugang zu modernsten Methoden der Datenanalyse und der künstlichen Intelligenz haben, um aus ihren gigantischen Datenmengen konkretes, nutzbares Wissen zu erzeugen. Die regionalen Partner sollen dabei von der herausragenden technologischen und methodischen Kompetenz des Forschungszentrums Jülich im Umfeld der Wissenschaftsregion Rheinland profitieren. Das Zentrum soll auf der gemeinsamen Arbeit Jülichs im Bereich der Simulations- und Datenwissenschaften mit der RWTH Aachen aufbauen.

Das Forschungszentrum möchte zur Entwicklung des Rheinlands zu einer Modellregion für eine nachhaltige und infrastrukturkompatible Wasserstoffwirtschaft beitragen. Seine Kompetenzen im Bereich Energiespeicherung- und Wandlung mit dem Schwerpunkt Wasserstoff als Energieträger möchte das Forschungszentrum in mehrere regionale Infrastrukturprojekte mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie einbringen. Eine wichtige Rolle spielt auch die von Jülicher Forschern entwickelte, vielversprechende LOHC-Technik zum Aufbewahren und zum Transport von Wasserstoff: Dabei wird Wasserstoff an eine leicht transportierbare Substanz gebunden und dadurch leichter nutzbar gemacht.

Das Forschungszentrum Jülich ist davon überzeugt: Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft müssen eng zusammenarbeiten, damit der Strukturwandel gelingen kann. Dafür braucht es Orte des Dialogs und des Transfers. Das Forschungszentrum bringt hierfür das Konzept eines Transfer- und Konferenzzentrums in Jülich ein.
Dies sind erste Ideen für Vorhaben mit denen das Forschungszentrum Jülich zum Gelingen des Strukturwandels beitragen kann. Darüber hinaus entwickeln Jülicher Forscher gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der RWTH Aachen und anderen Partnern in der Region weitere Projekte, mit denen neue Wertschöpfung im Rheinischen Revier entstehen kann.

Weitere Informationen:

Interview mit Prof. Ulrich Schurr auf der Jülicher Website

Artikel zum Strukturwandel von Prof. Wolfgang Marquardt im Jülicher Blogportal

Pressekontakt

Dr. Anne Rother, Pressesprecherin
02461/61-4661
a.rother@fz-juelich.de

Armin Großek, Referent strategische Kommunikation
Tel.: 02461/61-8027
a.grossek@fz-juelich.de