Jülicher Forschende präsentieren neue Erkenntnisse zur Klimawirkung von Kondensstreifen und klimaoptimierten Flugrouten auf internationaler Klimakonferenz
8. Juni 2026
Wie kann die Luftfahrt ihre Klimawirkung wirksam reduzieren und gleichzeitig das Ziel eines klimaneutralen Luftverkehrs bis 2050 erreichen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der zweiten ICAO Aviation Climate Week, die vom 2. bis 4. Juni am Hauptsitz der International Civil Aviation Organization (ICAO) der Vereinten Nationen in Montreal stattfand.
Copyright: Barbara Schunk
In einer hochrangig besetzten Eröffnungsdiskussion präsentierte Andreas Petzold vom Forschungszentrum Jülich gemeinsam mit Marc Stettler vom Imperial College London aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Klimaeffekten des Luftverkehrs.
Im Fokus der Diskussion standen die Auswirkungen der sogenannten Nicht- CO₂-Emissionen des Luftverkehrs und insbesondere der Kondensstreifen auf das Klima sowie Möglichkeiten, die Klimawirkung des Luftverkehrs zu verringern. Dabei verwies Neil Dickson, Leiter der Environmental Standards Section der ICAO und Moderator der Veranstaltung, ausdrücklich auf die Bedeutung des internationalen Forschungsprogramms IAGOS (In-service Aircraft for a Global Observing System), das vom Forschungszentrum Jülich mit koordiniert wird: „Tatsächlich verdanken wir einen Großteil unseres heutigen Wissens über die Regionen, in denen sich Kondensstreifen bilden, dem IAGOS-Programm“, betonte Dickson.
Tatsächlich verdanken wir einen Großteil unseres heutigen Wissens über die Regionen, in denen sich Kondensstreifen bilden, dem IAGOS-Programm.
Marc Stettler diskutierte die Chancen und Herausforderungen aktueller internationaler Strategien zur Vermeidung besonders klimawirksamer Kondensstreifen. Andreas Petzold stellte Ergebnisse einer vielbeachteten Jülicher Studie vor, die zeigt, dass langlebige Kondensstreifen häufig in natürlichen Eiswolken entstehen und ihre tatsächliche Klimawirkung bislang noch nicht ausreichend verstanden ist.
Marc Stettler und Adreas Petzold während der Eröffnungsdiskussion der zweiten ICAO Aviation Climate WeekCopyright: Alejandro Block
„Wir müssen in einer engen Koalition aus ICAO, Wetterdiensten, Luftfahrtindustrie und Forschung die Wettervorhersage deutlich verbessern, damit Verkehrsflugzeuge auf dem Weg zu ihrem Ziel klimafreundliche Flugrouten nutzen können“, sagte Petzold. „Dafür müssen wir bei der Flugplanung die Wolken stärker mitdenken.“
Die Diskussion machte deutlich, dass neben der Reduktion von CO₂-Emissionen auch die sogenannten Nicht-CO₂-Effekte des Luftverkehrs künftig stärker berücksichtigt werden müssen. Wissenschaftliche Erkenntnisse aus Programmen wie IAGOS liefern hierfür eine wichtige Grundlage. Sie helfen dabei, Regionen mit erhöhtem Kondensstreifenpotenzial besser zu identifizieren und künftig klimaoptimierte Flugrouten zu entwickeln.
Mit seiner Beteiligung an der ICAO Aviation Climate Week unterstreicht das Forschungszentrum Jülich seine Rolle als international anerkannter Partner in der Atmosphären- und Klimaforschung sowie bei der Entwicklung wissenschaftlicher Grundlagen für einen nachhaltigeren Luftverkehr.
IAGOS – Klimaforschung aus der Reiseflughöhe:
IAGOS (In-service Aircraft for a Global Observing System) ist eine der „Landmark Research Infrastructures“ des European Strategy Forum on Research Infrastructures (ESFRI). Das Projekt wird seit 1994 mit langfristiger Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (aktuell BMFTR) betrieben.
Messinstrumente an Bord von Verkehrsflugzeugen erfassen weltweit wichtige atmosphärische Parameter in der Reiseflughöhe. Dazu gehören langlebiges Kohlendioxid (CO₂), kurzlebige Treibhausgase wie Ozon, Wasserdampf und Methan, die reaktiven Spurengase Kohlenmonoxid und Stickoxide sowie Aerosolpartikel. Die Jülicher Athmosphärenforscher:innen des Institute of Climate and Energy Systems (ICE-3) verantworten innerhalb von IAGOS die Messsysteme für Wasserdampf, Stickoxide und Aerosolpartikel.
Nach jedem Flug werden die Daten automatisch an die zentrale Datenbank des französischen Forschungszentrums CNRS (Centre National de la Recherche Scientifique) in Toulouse übertragen. Die Messdaten stehen der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft frei zur Verfügung und werden derzeit von rund 300 Organisationen weltweit genutzt.
Die Daten helfen dabei, die Zusammensetzung der Atmosphäre und den Klimawandel besser zu verstehen, langfristige Veränderungen zu dokumentieren, Klimamodelle zu verbessern und Wettervorhersagen präziser zu machen.
Aktuell sind zehn Verkehrsflugzeuge von acht internationalen Fluggesellschaften mit dem IAGOS-Messsystem ausgestattet.
Beitrag zur klimafreundlichen Luftfahrt: Die von IAGOS erhobenen Daten liefern eine wichtige wissenschaftliche Grundlage, um die Entstehung klimawirksamer Kondensstreifen besser vorherzusagen und künftig klimaoptimierte Flugrouten zu entwickeln.