LOFAR veröffentlicht größte Radio-Himmelskarte aller Zeiten

25. Februar 2026

Mit Daten des europäischen Teleskopverbunds LOFAR ist die bislang umfassendste Radiokarte des Universums entstanden. Sie zeigt 13,7 Millionen kosmische Radioquellen und liefert das bislang vollständigste Bild aktiver Galaxien.

Bunte leuchtende Radiogalaxien auf schwarzem Hintergrund.
Eine Auswahl von aktiven Galaxien. Die in den Bildern sichtbaren Jets werden von den supermassiven Schwarzen Löchern, die sich in den Zentren der Galaxien befinden, angetrieben. Das Bild veranschaulicht die Vielfalt der Formen, die sich aus der Aktivität der Schwarzen Löcher und ihrer Wechselwirkung mit der Umgebung ergeben können.
Grafik: Maya Horton/LoTSS-Team

LOFAR ist eines der größten und empfindlichsten Radioteleskope der Welt. Es besteht aus einem Netzwerk aus 52 Stationen in acht europäischen Ländern, die über Entfernungen von bis zu 2.000 Kilometern miteinander verbunden sind.

„Diese Datenfreigabe vereint mehr als ein Jahrzehnt an Beobachtungen, großskaliger Datenverarbeitung und wissenschaftlicher Analyse durch ein internationales Forschungsteam“, sagt Dr. Timothy Shimwell, Hauptautor der Studie und Astronom beim niederländischen Institut für Radioastronomie ASTRON, welches das Radioteleskop betreibt.

Das Jülich Supercomputing Centre beherbergt aktuell fast die Hälfte des LOFAR-Langzeitarchivs. Der Jülicher Höchstleistungsrechner JUWELS kam bei einem großen Teil der Entdeckungen für die Datenauswertung zum Einsatz.

Weltweit größtes Teleskop für Radiokurzwellen

Beobachtet wird bei niedrigen Radiofrequenzen – ein Bereich, der energiereiche Prozesse im Kosmos sichtbar macht, die optischen Teleskopen verborgen bleiben. Dazu zählen gewaltige Jets aus der Umgebung Schwarzer Löcher oder Galaxien in Phasen intensiver Sternentstehung.

Die Kombination aus großer Himmelsabdeckung, hoher Empfindlichkeit und feiner Winkelauflösung macht auch seltene und bislang schwer nachweisbare Objekte sichtbar – darunter verschmelzende Galaxienhaufen, schwache Supernovaüberreste sowie aufflackernde oder wechselwirkende Sterne.

Entdeckung seltener Phänomene

Bereits jetzt dient die neue Karte als Grundlage für Hunderte neue Studien zur Entstehung und Entwicklung kosmischer Strukturen, zu extrem beschleunigten Teilchen und zu kosmischen Magnetfeldern.

Die Daten werden zudem gezielt nach seltenen astrophysikalischen Phänomenen durchsucht: Variable Radioquellen, unbekannte Supernovaüberreste sowie einige der größten bekannten Radiogalaxien konnten bereits identifiziert werden.

Enorme technische Herausforderung

Blau leuchtende Rechenschränke eines Supercomputers
Der Jülicher Supercomputer JUWELS kam für die Datenauswertung zum Einsatz.
Forschungszentrum Jülich / Sascha Kreklau

Der nun vorliegende Datensatz, der LOFAR Two-metre Sky Survey (LoTSS-DR3), ist bereits die dritte große Datenfreigabe seit dem Start von LOFAR im Jahr 2012. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Astronomy and Astrophysics veröffentlicht.

Die Erstellung der Himmelskarte war eine enorme technische Herausforderung. Das LOFAR-Datenarchiv ist die größte astronomische Datensammlung der Welt.13.000 Beobachtungsstunden mussten verarbeitet, kalibriert und Störungen durch die Ionosphäre der Erde präzise korrigiert werden.

„Erstmals in einem astronomischen Beobachtungsprojekt sind Datenmengen dieser Größenordnung gespeichert, verarbeitet und öffentlich zugänglich gemacht worden. Die LoTSS-Himmelsdurchmusterung schafft damit neue Maßstäbe und ebnet zugleich den Weg für kommende Großprojekte“, sagt Cristina Manzano, Head of ODT Technical Services am Jülich Supercomputing Centre (JSC) des Forschungszentrums Jülich. 

Blick nach vorn

Seit 2024 ist LOFAR als europäische Forschungsinfrastruktur organisiert und wird derzeit zum Nachfolgesystem LOFAR2.0 ausgebaut. Das Upgrade soll die Geschwindigkeit der Himmelsdurchmusterung verdoppeln. Fortschritte in der Datenverarbeitung ermöglichen zudem Abbildungen mit deutlich höherer Winkelauflösung – und damit noch detailliertere Studien des Radiohimmels.

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Cristina Manzano

Head of ODT Technical Services

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    Pressemitteilung der Thüringer Landessternwarte vom 19. Februar 2026

    Pressemitteilung des niederländischen Instituts für Radioastronomie ASTRON vom 19. Februar 2026 (auf Englisch)

    Letzte Änderung: 26.02.2026