Neues Datenportal für die Umweltforschung: ENVRI-Hub startet in den Betrieb
Neues Datenportal für die Umweltforschung: ENVRI-Hub startet in den Betrieb
8. Mai 2026
Wie verändern sich Klima, Luftqualität oder Ökosysteme in Europa? Antworten auf solche Fragen hängen oft von großen Datenmengen ab – und genau hier setzt ein europäisches Projekt an, an dem das Forschungszentrum Jülich maßgeblich beteiligt ist: Mit dem Start des ENVRI-Hubs steht Forschenden nun eine zentrale Plattform zur Verfügung, die Umweltdaten aus ganz Europa bündelt und zugänglich macht.
Wie verändern sich Klima, Luftqualität oder Ökosysteme in Europa? Mit dem Start des ENVRI-Hubs steht Forschenden nun eine zentrale Plattform zur Verfügung, die Umweltdaten aus ganz Europa bündelt und zugänglich macht.Copyright: — ENVRI
Vorgestellt wurde der Hub auf der EGU General Assembly 2026 in Wien, einer der weltweit größten Fachkonferenzen für Geowissenschaften. Jedes Jahr treffen sich dort mehrere Tausend Forschende, um neue Entwicklungen rund um Klima, Umwelt und Erde zu präsentieren und zu diskutieren.
Ein Zugang zu vielen Datenquellen
Der ENVRI-Hub funktioniert wie ein gemeinsames Online-Portal für Umweltdaten: Statt Informationen mühsam aus vielen einzelnen Datenbanken zusammenzusuchen, können Forschende sie hier zentral finden, kombinieren und auswerten.
Die Plattform verknüpft Daten aus verschiedenen Bereichen – etwa zur Atmosphäre, zu Böden, Ozeanen oder zur Biodiversität. Gleichzeitig stellt sie Werkzeuge bereit, um diese Daten besser zu verstehen und weiterzuverarbeiten.
Über eine eigene Programmierschnittstelle und eine Python-Bibliothek können Forschende sogar direkt aus ihrer gewohnten Arbeitsumgebung auf den Hub zugreifen, Daten suchen und automatisiert herunterladen.
Beitrag aus Jülich: Technik im Hintergrund
Eine zentrale Rolle beim Aufbau des ENVRI-Hubs spielt das Forschungszentrum Jülich. Hier werden wichtige technische Komponenten entwickelt und zusammengeführt, damit die Plattform zuverlässig funktioniert.
Bereits im Vorgängerprojekt ENVRI-FAIR war das Forschungszentrum Jülich maßgeblich beteiligt: Prof. Dr. Andreas Petzold vom Institute of Climate and Energy Systems – Troposphäre (ICE-3) koordinierte das Projekt und brachte seine Expertise in den Aufbau der heutigen Plattform ein. Im aktuellen Folgeprojekt ENVRI-Hub NEXT wird diese Entwicklung weitergeführt. Gleichzeitig ist er Koordinator der europäischen Forschungsinfrastruktur IAGOS. IAGOS ist ein internationales Messnetzwerk, das mit Sensoren an Verkehrsflugzeugen Daten zur Luftqualität und zum Klimawandel sammelt und eng mit der Entwicklung des ENVRI-Hubs verknüpft ist.
Im aktuellen Projekt sorgt das Team in Jülich unter anderem dafür, dass unterschiedliche Datensätze miteinander kompatibel sind und gemeinsam genutzt werden können.
„Wir bringen verschiedene Dienste so zusammen, dass sie für Forschende einfach nutzbar sind“, erklärt Dr. Ulrich Bundke vom ICE-3, technischer Koordinator des Projekts in Jülich. „Damit entsteht eine stabile Grundlage für die gemeinsame Arbeit mit Umweltdaten in Europa.“
Bessere Datengrundlagen für Klima- und Umweltentscheidungen
Der Nutzen des ENVRI-Hubs geht über die Forschung hinaus: Bessere und leichter zugängliche Daten helfen dabei, fundierte Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu treffen – etwa beim Klimaschutz, beim Umgang mit Naturressourcen oder bei der Anpassung an Umweltveränderungen.
Langfristig soll der Hub Teil der European Open Science Cloud (EOSC) werden. Dahinter steckt die Idee, wissenschaftliche Daten europaweit frei zugänglich zu machen – ähnlich wie eine gemeinsame Cloud für die Forschung.
Ein wichtiger Schritt ist bereits geschafft: Der ENVRI-Hub wurde als sogenannter „Candidate Node“ in der EOSC ausgewählt. Damit gehört er zu den Projekten, die künftig eine zentrale Rolle in dieser europäischen Dateninfrastruktur übernehmen sollen.
Startpunkt für die Weiterentwicklung
Mit dem Launch beginnt nun die nächste Phase: Forschende testen die Plattform im praktischen Einsatz und entwickeln sie weiter. Auf der Konferenz in Wien wird der ENVRI-Hub daher nicht nur vorgestellt, sondern auch direkt in Demonstrationen und Trainings erprobt.