Vom Nanometer zur Energiewende: Martin Keller besucht das Forschungszentrum Jülich

30. April 2026

Der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft sprach mit Mitarbeitenden, erhielt Einblicke in die Welt kleinster Strukturen und diskutierte mit Nachwuchsforschenden und Start-ups darüber, wie Forschung für Menschen spürbar werden kann.

Zwei Personen stehen auf einer Bühne vor einem Publikum, eine davon spricht, während eine weitere Person mit einem Gerät filmt. (Mistral: Pixtral Large 2411, 2026-04-29)
Martin Kellers Besuch begann mit der moderierten Townhall "Campus im Dialog". Der Hörsaal war voll besetzt und auch online wurden über 500 Mitarbeiter:innen des FZJ zugeschaltet.
Forschungszentrum Jülich / Jenö Gellinek

Wie entsteht aus Forschung konkreter Nutzen für den Alltag? Manchmal beginnt der Weg in hochspezialisierten Laboren, in denen Strukturen millionenfach kleiner sind als ein Millimeter. Dort werden Materialien entwickelt, Bauteile getestet und Verfahren erprobt, die später in Anwendungen wie leistungsfähigeren Chips, effizienteren Energiespeichern oder neuen Produktionstechnologien zum Einsatz kommen – und damit auch zentrale Herausforderungen unserer Zeit adressieren, etwa in der Energieversorgung, bei digitalen Schlüsseltechnologien und in der industriellen Zukunftsfähigkeit. Genau diesen Zusammenhang zwischen Forschung im Kleinen und ihrer Anwendung in der Praxis machte der Besuch von Prof. Martin Keller, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, am 27. April im Forschungszentrum Jülich deutlich.

Forschung soll spürbar werden

Martin Keller ist seit November 2025 Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. Er steht für einen klaren Anspruch: Forschung soll nicht im Labor stehen bleiben, sondern Durchbrüche ermöglichen, die für Menschen spürbar werden und für die Industrie neue Möglichkeitsräume eröffnet. Teamarbeit und Kooperationen sind dabei für ihn keine Kür, sondern Voraussetzung. Denn die großen Herausforderungen unserer Zeit lassen sich für Keller nur gemeinsam lösen.

Das Forschungszentrum Jülich zeigt eindrucksvoll, wie Wissenschaft in bewegten Zeiten zum Kompass wird.

Martin Keller, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft

„In Jülich entstehen wegweisende Innovationen: von Quantenforschung und Künstlicher Intelligenz über nachhaltige Lösungen für einen lebenswerten Planeten bis hin zu einem starken Technologietransfer, der sich etwa in mRNA-Arzneimitteln zeigt und das Leben der Menschen in Deutschland spürbar verbessert. Durch enge Partnerschaften mit der Industrie treibt das Forschungszentrum Jülich den Strukturwandel voran und schafft Arbeitsplätze, etwa im Rheinischen Revier. Zugleich leistet es mit seinen Beratungsangeboten einen wichtigen Beitrag zu evidenzbasierter Politik – und zeigt eindrucksvoll, wie Wissenschaft in bewegten Zeiten zum Kompass wird“, sagt Martin Keller.

Austausch als Ausgangspunkt

Im Forschungszentrum Jülich traf dieser Anspruch auf einen Ort, an dem Grundlagenforschung, technologische Exzellenz und gesellschaftliche Wirkung eng zusammenkommen. Gemeinsam mit Prof. Astrid Lambrecht, Vorstandsvorsitzende des Forschungszentrums Jülich, begann Martin Keller seinen Besuch mit der moderierten Townhall „Campus im Dialog“. Im Mittelpunkt stand der direkte Austausch mit Mitarbeitenden aus allen Bereichen. Gerade dieser Programmpunkt machte deutlich, dass Forschung nicht allein von einzelnen Spitzenleistungen lebt, sondern von Menschen, die Wissen, Infrastruktur und Zusammenarbeit Tag für Tag möglich machen.

Wo Zukunft im Kleinen beginnt

Markus Kaiser, Leiter der Helmholtz Nano Facility HNF, im Gespräch mit Martin Keller und Astrid Lambrecht.
Forschungszentrum Jülich / Jenö Gellinek

Anschließend führte der Besuch dorthin, wo Zukunft im Kleinen beginnt: in die Helmholtz Nano Facility. Gemeinsam mit Prof. Astrid Lambrecht und Prof. Kobus Kuipers, Vorstandsmitglied des Forschungszentrums Jülich, sowie Forschenden aus dem Peter-Grünberg-Institut erhielt Keller Einblicke in eine Forschungsinfrastruktur, in der an winzigen Strukturen mit großer Wirkung gearbeitet wird. Was hier im Nanobereich entwickelt und bearbeitet wird, kann die Grundlage für neue Materialien, leistungsfähigere Elektronik und künftige Quantentechnologien sein. Der Blick auf das Allerkleinste zeigte damit zugleich, wie eng wissenschaftliche Präzision und technologische Zukunftsfähigkeit miteinander verbunden sind.

Sichtbar machen, was verborgen ist

Der nächste Halt machte sichtbar, was dem bloßen Auge verborgen bleibt: das Ernst Ruska-Centrum 2.0. Mit höchstauflösender Elektronenmikroskopie werden dort Materialien und biologische Strukturen bis ins Detail untersucht. Was zunächst nach hochspezialisierter Grundlagenforschung klingt, hat sehr konkrete Folgen: Wer Materialien besser versteht, kann neue Batterien, effizientere Bauteile oder robustere Werkstoffe entwickeln. Wer biologische Prozesse präziser sichtbar macht, schafft Grundlagen für medizinische und biotechnologische Innovationen. Forschung wurde hier im wörtlichen Sinn sichtbar.

Forschung mit Wirkung

Zum öffentlichen Pressetermin im Brainergy-Park Jülich wechselte die Perspektive dann noch einmal: von der Infrastruktur zur Anwendung, vom Erkenntnisgewinn zur Wirkung. In der Dialogrunde „Meet the Minds @FZJ“ sprach Martin Keller mit Nachwuchsforschenden und Start-ups über die Frage: Wie wird Forschung wirksam? Im Zentrum stand, was Forschungsarbeit und junge technologieorientierte Unternehmen heute brauchen, um konkrete Wirkung zu entfalten – etwa für die Energiewende, die Wasserstoffwirtschaft oder digitale Schlüsseltechnologien.

Der Besuch des Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft beim Forschungszentrum Jülich führte nicht nur durch Labore und über einen Forschungscampus. Er zeigte, wie aus Grundlagenwissen, Hightech-Infrastruktur, klugen Köpfen und unternehmerischem Mut ein Weg in die Gesellschaft entstehen kann. Für Martin Keller ist das ein zentrales Thema seiner Präsidentschaft. Für das Forschungszentrum Jülich ist es gelebte Praxis.

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    Letzte Änderung: 30.04.2026