Wissenschaftsrat befürwortet die Neutronenquelle HBS-I
Wissenschaftsrat befürwortet die Neutronenquelle HBS-I
27. März 2026
Der Wissenschaftsrat hat die wissenschaftliche und strategische Bedeutung der geplanten Neutronenquelle High Brilliance Neutron Source hervorgehoben. In seiner heute veröffentlichten Stellungnahme empfiehlt er ausdrücklich, die erste Stufe der Anlage, kurz HBS-I, am Forschungszentrum Jülich umzusetzen.
Blick ins Innere einer Targetstation. Copyright: — Forschungszentrum Jülich
Die Empfehlung ist ein weiterer wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer neuen nationalen Neutronenquelle, die das Forschungszentrum Jülich gemeinsam mit dem Helmholtz-Zentrum Hereon und der Goethe-Universität Frankfurt entwickelt. Zugleich sendet sie ein starkes Signal für die Zukunft der Neutronenforschung in Deutschland und Europa, die angesichts rückläufiger Kapazitäten vor erheblichen Herausforderungen steht.
Spitzenforschung trifft Praxis
Die HBS ist Teil der Präsentation des Forschungszentrums Jülich auf der HANNOVER MESSE 2026. Allgemeine Informationen zum Messeauftritt, zu den präsentierten Projekten und zum Stand des Forschungszentrums Jülich finden Sie auf der zentralen Landingpage zur Messe.
Die HBS-I basiert auf einem effizienten, beschleunigerbasierten Konzept. Im Unterschied zu klassischen Forschungsreaktoren kommt sie ohne nukleare Brennstoffe aus. Die Technologie erzeugt hochbrillante Neutronenstrahlen mit kleinem Querschnitt, die Untersuchungen an sehr kleinen Proben ermöglichen. Damit lassen sich Struktur, Dynamik und Magnetismus von Materialien auf atomarer und molekularer Ebene analysieren – von der Grundlagenforschung in Physik, Chemie und Biowissenschaften bis hin zu industriellen Anwendungen.
„Wir freuen uns über die positive Einschätzung des Wissenschaftsrats“, sagt Prof. Stephan Förster, geschäftsführender Direktor des Jülich Centre for Neutron Science (JCNS-1). „Die Empfehlung ist ein wichtiges Signal für die Neutronenforschung in Deutschland. Der Bedarf ist groß – Neutronen ermöglichen tiefgehende Einblicke in Materialien und Prozesse, die mit anderen Methoden nur eingeschränkt möglich sind“, so Prof. Mirijam Zobel, Direktorin des JCNS-3 und Vorsitzende des Komitees Forschung mit Neutronen (KFN).
Nach Einschätzung des Wissenschaftsrats ist die HBS-I geeignet, die deutsche Neutronenforschung langfristig zu stärken und die internationale Sichtbarkeit des Forschungsstandorts zu erhöhen. „Die Anlage ist als nutzerorientierte Forschungsinfrastruktur konzipiert und soll sowohl Wissenschaft als auch Industrie einen schnellen und vergleichsweise niedrigschwelligen Zugang zu Experimenten ermöglichen“, sagt Paul Zakalek, Leiter JCNS-HBS und Projektkoordinator der HBS-I.
In Jülich steht die HBS-I exemplarisch für das enge Zusammenspiel von Wissenschaft und Technologie. Forschende des Jülich Centre for Neutron Science (JCNS) und des Institute of Technology and Engineering (ITE) bündeln ihre Expertise, um wissenschaftliche Anforderungen in konkrete Entwicklungen und den Aufbau der Anlage zu überführen.
„Mit unserer Erfahrung leisten wir einen zentralen Beitrag, indem wir etwa die Entwicklung von Schlüsselkomponenten wie der Targestation, des Moderatorsystems und auch Instrumenten übernehmen und tragen so maßgeblich zur Realisierung der HBS-I in Jülich bei“, sagt Prof. Ghaleb Natour, Direktor des ITE.
Die HBS-I wurde im Juli 2025 auf Empfehlung des Wissenschaftsrats und weiteren Sachverständigen als eine von neun Vorhaben auf die Shortlist des Bundesförderprogramms für große Forschungsinfrastrukturen gesetzt. Im Anschluss erfolgte eine begleitende Begutachtung aller Vorhaben der Shortlist durch den Wissenschaftsrat, um eine bestmögliche Umsetzung zu ermöglichen. Auf Basis der aktuellen Einschätzung des Wissenschaftsrats wird das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Laufe des Jahres 2026 eine Entscheidung über die Finanzierung des Vorhabens treffen.
Der Wissenschaftsrat
Der Wissenschaftsrat ist das älteste wissenschaftspolitische Beratungsgremium in Europa und wurde am 5. September 1957 in der Bundesrepublik Deutschland von Bund und Ländern auf der Grundlage eines Verwaltungsabkommens gegründet. Er berät die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in allen Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Wissenschaft, der Forschung und des Hochschulbereichs.