Felix Zinn: Studium trifft Ausbildung

Duale Studiengänge sind beliebt. Auch Felix Zinn ist von dieser Ausbildungsart überzeugt: Im September 2016 begann er ein Kooperatives Studium im Bereich Physikingenieurwesen an der Fachhochschule Aachen und Physiklaborant am Forschungszentrum Jülich. Mittlerweile hat er seinen Bachelor und Master sehr erfolgreich abgeschlossen und promoviert an der RWTH Aachen. Doch hat er das Forschungszentrum keineswegs aus den Augen verloren.
Herr Zinn, was hat Sie am dualen Studium gereizt?
Beim dualen Studium studiert man an der FH Aachen am Campus Jülich und macht parallel eine Ausbildung, in meinem Fall zum Physiklaboranten, am Forschungszentrum Jülich. Am Ende hat man zwei Abschlüsse: Zum einen die vollwertige Ausbildung, zum anderen das Bachelor-Studium. Am Anfang steht ein Jahr Ausbildung samt Berufsschule, dabei werden Lerninhalte aus dem ersten, zweiten und dritten Lehrjahr kombiniert. Nach einem Jahr beginnt das Studium – für sieben Semester. Besonders erwähnenswert finde ich, dass man direkt Praxiserfahrungen sammeln und sich das Geld fürs Studium im Berufsfeld des Studiums erarbeiten kann.
Nun gibt es viele verschiedene duale Studiengänge. Wie kam es dazu, dass Sie sich für das Physikingenieurwesen am Forschungszentrum Jülich und der FH Aachen entschieden haben?
Ich mochte Physik – und wollte ein duales Studium machen. Zwar habe ich viel gesucht, jedoch stets nur Maschinenbau und die anderen üblichen Ingenieurfächer gefunden. Ein Bewerbungsgespräch bei Daimler sowie zwei Tests dort gaben den entscheidenden Ausschlag: Ich erhielt eine Absage – aus dem Grund, dass Maschinenbau nicht das Richtige für mich sei, sondern ich besser Physik studieren solle, wie sich in einem anschließenden Gespräch ergab. Ein solches Gespräch kann ich allen empfehlen, die sich aktuell bewerben und eine Absage kassieren, obwohl sie im Bewerbungsverfahren bereits weit gekommen sind. Ich habe daraufhin das duale Studium Physikingenieurwesen hier am Forschungszentrum gefunden: Es passte perfekt! Auch im Nachhinein bin ich super zufrieden damit.
Was fanden Sie an der Ausbildung am Forschungszentrum Jülich besonders?
Im Forschungszentrum gibt es ein eigenes Ausbildungszentrum: Während reguläre Auszubildende dort die ersten zwei Jahre verbringen, werden beim dualen Studium alle Bereiche der Ausbildung im ersten Jahr abgedeckt – Physik, Elektrotechnik, Chemie, Biologie und Mechanik in der Werkstatt. Auszubildende, die ihre Ausbildung bei einem Unternehmen gemacht haben, lernten in diesen nur die Inhalte, die das jeweilige Unternehmen abbildet, und kamen für die restlichen Inhalte ebenfalls zum Forschungszentrum. Anschließend geht es in einem Institut am Hauptcampus weiter: Dort arbeitet man dreieinhalb Jahre und schreibt auch die Bachelorarbeit. In den ersten Monaten habe ich ein eigenes Projekt bearbeitet, später konnte ich an „richtigen“ Forschungsprojekten mitarbeiten. In den Vorlesungszeiten ist man natürlich freigestellt von der Arbeit, man flitzt also für die Vorlesungen eben rüber in die Hörsäle. Es war insgesamt relativ entspannt – ich war etwa 16 Stunden pro Woche bei der Arbeit, der Rest bestand aus Vorlesungen. Dabei absolviert man das gleiche Studium wie andere Studierende auch, allerdings fallen manche Praktika wie das Physik-Grundpraktikum weg, da Ausbildungsinhalte angerechnet werden.
Zu Beginn der Ausbildung waren Sie noch nicht volljährig und sind allein nach Jülich gezogen. War das mit Schwierigkeiten verbunden?
Was die Wohnungssuche angeht: Meine Eltern sind für jede Besichtigung gemeinsam mit mir nach Jülich gefahren. Sie haben die Miete ebenso übernommen wie die Bürgschaft – vom Wohnungsstandpunkt aus war es also relativ einfach. Auch zum Hochschulcampus konnte man in etwa 20 Minuten entspannt radeln, etwas lästiger war dagegen, dass ich immer eine Mitfahrgelegenheit brauchte, um zur Berufsschule zu kommen. Aber auch das hat sich alles gefunden: Ich hatte eine tolle Ausbildungsgruppe!
Das duale Studium umfasste die Ausbildung und den Bachelor, an der RWTH Aachen haben Sie den Master draufgesetzt. Wie leicht war der Wechsel vom Studium an der FH Aachen zur RWTH Aachen?
Sehr einfach: Ich hatte lediglich drei Auflagenfächer für den Master – sprich Fächer, die ich aus dem Bachelor nachholen musste. Diese können allerdings auch während des Masters noch belegt werden, sie müssen lediglich vor Abgabe der Abschlussarbeit abgeschlossen sein. Das war daher recht leicht zu machen. Ein großer Vorteil war, dass ich während meines Masterstudiengangs weiter im Forschungszentrum arbeiten konnte, für etwa 16 Stunden wöchentlich: Nach der Ausbildung kann man drei bis sechs Monate am Institut bleiben, bezahlt über einen Ausbildungsfond. Da ich die Arbeitszeit reduziert habe, konnte ich dies auf etwa zwei Jahre strecken und mir so mein weiteres Studium finanzieren.
Seit November 2023 promovieren Sie an der RWTH Aachen. Woran arbeiten Sie, kurz und einfach gefasst?
Ich bin Experimentalphysiker im Bereich Teilchenphysik und arbeite mit Daten vom CMS-Experiment der Europäischen Organisation für Kernforschung CERN – einem Experiment, an dem mehrere tausend Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen möglichen Ländern beteiligt sind. Kurz gesagt geht es darum, das Standardmodell der Teilchenphysik zu überprüfen, das erklärt, wie die grundlegenden Bausteine der Materie miteinander interagieren.
Haben Sie noch Kontakt zum Forschungszentrum?
Ich gehe normalerweise einmal im Jahr zum Berufsinfotag, um die Ausbilder zu besuchen und zu sehen, wie sich die Ausbildung weiterentwickelt. Auch schaue ich regelmäßig bei alten Kollegen im Institut vorbei. Am Tag der Neugierde bin ich natürlich ebenfalls stets mit dabei.