NEST in der neuen Benchmark-Suite von SPEC

Der NEST-Simulator ist jetzt erstmals im SPEC CPU 2026 Industry Benchmark gelistet. Anfang Mai 2026 veröffentlichte die Standard Performance Evaluation Corporation (SPEC) nach 2017 eine neue, aktualisierte Benchmark-Suite, die moderne, rechenintensive Workloads abbildet, wie sie heute in realer Software vorkommen. Sie dient dazu, die Rechenleistung von Prozessoren (Central Processing Unit, CPU) objektiv unter realnahen Bedingungen zu messen und zu vergleichen. NEST wird als wissenschaftliche Simulationssoftware in der aktualisierten Benchmark-Suite berücksichtigt, da es komplexe, rechenintensive Workloads repräsentiert, die für moderne Server- und Workstation-Architekturen typisch sind. Die aktuelle Liste enthält 52 Benchmarks – neun mehr als die Version von 2017.

NEST (Neural Simulation Tool) ist ein Open-Source-Code, der speziell für die Simulation großer, biologisch realistischer und pulsgekoppelter neuronaler Netzwerke entwickelt wurde. Er ermöglicht die Modellierung der Dynamik von Milliarden von Synapsen und Millionen von Neuronen, um zu verstehen, wie neuronale Schaltkreise Informationen verarbeiten, lernen oder wie Krankheiten wie Parkinson die Signalwege im Gehirn verändern.

Orangefarbenes Rechteck mit weißen Formen darauf. (Mistral: Pixtral Large 2411, 2026-05-08)

Forschende am Institute for Advanced Simulation (IAS) des Forschungszentrums Jülich nutzen NEST für groß angelegte Gehirnsimulationen auf den weltweit größten Supercomputern. Gemeinsam mit Expert:innen an der Norwegischen Universität für Umwelt- und Biowissenschaften (NMBU) und des Jülich Supercomputing Centre (JSC) entwickeln sie leistungsstarke Algorithmen und speichereffiziente Datenstrukturen für NEST. Heute wird NEST weltweit in Forschung und Lehre eingesetzt und wird als Referenz für neuromorphe Computer eingesetzt, wie zum Beispiel das gerade im Aufbau befindliche SpiNNaker-2-System am JSC. Zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen beruhen auf Simulationen, die mit NEST durchgeführt wurden.

Zitate

„Die Listung in der Benchmark-Suite zeigt, dass Forschende in Jülich und in der Helmholtz-Gemeinschaftreifen und relevanten Code entwickeln können. Ohne die langfristige Koordination der Entwicklung durch Gruppen am Forschungszentrum Jülich und der NMBU sowie deren beständige Ressourcen wäre das nicht gegangen. Aber genauso wenig ohne die weltweite Community, die immer wieder wichtige Impulse und Beiträge zur Entwicklung geliefert hat. Über ein Jahrzehnt hinweg hat NEST viel vom Human Brain Project (HBP), EBRAINS und HiRSE profitiert. Ohne diese Förderung wäre NEST heute nicht da, wo es ist. Wir müssen heute Software als wissenschaftliche Infrastruktur begreifen.“
Prof. Markus Diesmann, Direktor am Institute for Advanced Simulation, Computational and Systems Neuroscience (IAS-6)

„Die Aufnahme des NEST-Codes in die SPEC CPU 2026-Benchmark bezeugt den Wert von drei Jahrzehnten systematischer Arbeit an der Qualität unserer wissenschaftlichen Software in der internationalen NEST-Community. Ich danke allen Entwickler:innen, die zu diesem Erfolg beigetragen haben – insbesondere Mahesh Madhav von Ampere Computing, der den NEST-Simulator im Bewertungsverfahren für die SPEC CPU 2026 nachhaltig unterstützt hat.“
Prof. Hans Ekkehard Plesser, Institute for Advanced Simulation, Computational and Systems Neuroscience (IAS-6) und Norwegian University of Life Sciences, Ås

Publikation:
Madhav, M., Lee, A., Mejia, A., Moore, B., Soppadandi, C., Cambly, C., Müllner, C., Bowers, D., Reiner, D., Bakhvalov, D., Zhao, D., Voth, D., Xue, F., Silber-Chaussumier, F., Bucek, J., Southern, J., Liu, J., Himer, J., Henning, J., … Todorovski, Z. (2026). SPEC CPU: The Next Generation (Version 1). https://doi.org/10.48550/ARXIV.2605.01575

Liste der Benchmarks

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Letzte Änderung: 18.05.2026