Neuropsychologie des Kindes- und Jugendalters
Soziale und Klinische Entwicklungsneurowissenschaft
Über
Die Arbeitsgruppe Neuropsychologie des Kindes- und Jugendalters untersucht, wie sich Gehirn, Verhalten und soziale Interaktion über die Entwicklung hinweg gegenseitig beeinflussen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Information zwischen Personen ausgetauscht, verarbeitet und koordiniert wird – etwa in Eltern-Kind-, Lehrkraft-Kind- oder Peer-Interaktionen. Hierfür nutzen wir innovative multimodale Hyperscanning-Ansätze, bei denen Hirnaktivität und physiologische Signale mehrerer Personen gleichzeitig erfasst werden, zum Beispiel mit fNIRS, EEG, Eye-Tracking, Bewegungsdaten und peripherphysiologischen Maßen.
Forschungsthemen
Unser Ziel ist es, Entwicklungsprozesse nicht isoliert im Gehirn zu betrachten, sondern in ihrer sozialen und ökologischen Einbettung zu verstehen. Wir verbinden neurowissenschaftliche Methoden mit Informationen über Alltagserfahrungen, Lernen, soziale Beziehungen und Entwicklungsumwelten. Damit schlagen wir eine Brücke zwischen sozialer Ökologie und Gehirnentwicklung: Wie prägen visuelle, motorische, kognitive und soziale Erfahrungen die Entwicklung funktioneller Netzwerke? Und warum unterscheiden sich Kinder und Jugendliche in ihren Entwicklungsverläufen, ihrer Anpassungsfähigkeit und ihrer Vulnerabilität?
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung visueller und motorischer Systeme. Arbeiten zur visuellen Entwicklung untersuchen, wie sich visuelle Kortexareale im Kindes- und Jugendalter spezialisieren und wie reale visuelle Erfahrungen diese Entwicklung beeinflussen. Unsere Forschung zur motorischen Entwicklung beschäftigt sich mit der Reifung von Handlungskontrolle, motorischer Vorbereitung, Lernen und Inhibition. Diese Prozesse sind zentral für das Verständnis typischer Entwicklung, aber auch für Entwicklungsstörungen.
Entwicklungsstörungen wie ADHS und Tourette-Syndrom betrachten wir nicht nur als klinische Erkrankungen, sondern auch als Modelle, um grundlegende Prinzipien von Gehirnfunktion und Gehirndysfunktion besser zu verstehen. Sie ermöglichen es, zu untersuchen, wie Veränderungen in Aufmerksamkeits-, Kontroll-, motorischen und sozialen Netzwerken entstehen, wie Kinder und Jugendliche kompensieren und welche Mechanismen mit Beeinträchtigung, Anpassung oder Resilienz verbunden sind.
Durch die Verbindung von Entwicklungsneurowissenschaft, klinischer Neuropsychologie, multimodaler Bildgebung, Hyperscanning und alltagsnahen Verhaltensdaten trägt die Arbeitsgruppe dazu bei, individuelle Unterschiede in Gehirnentwicklung, sozialer Interaktion und psychischer Gesundheit besser zu verstehen.
Zentrale Projekte an den die Forschungsgruppe mitwirkt sind die Sonderforschungsbereiche zu Motorik und Impulsivität und Aggression.