Keiner von neun
Pioniere – Dr. Kourosh Malek
Dr. Kourosh Malek: Ein Wissenschaftler, der Innovationen vorantreibt
Juni 2026
Gründer-Story
Keiner von Neun
Als Kourosh Malek 2021 von Vancouver nach Jülich kommt, bringt er eine Mentalität mit, die auffällt: Er denkt vom Ende her – vom verkauften Produkt, nicht vom publizierten Paper. „Ich war schon Unternehmer, bevor ich Wissenschaftler wurde", sagt er. In Kanada leitete er große Forschungsinitiativen und zeigte, wie unternehmerischer Erfolg aussieht: er gründete dort bereits zwei Firmen und verkaufte 2017 seine Softwaresparte an einen Konzern.
Die Idee für sein Spin-off ViMi Labs trägt er schon seit 2015 mit sich. Damals fehlten die passenden Werkzeuge – erst 2020 machte die generative KI seine Vision technisch möglich. Heute leitet der Materialwissenschaftler die Abteilung „Künstliche Materialintelligenz“ am Institute of Energy Technologies (IET-3). Dort entwickelt er spezialisierte KI-Modelle, die durch neue Erkenntnisse aus großen Datenbeständen lernen und die Entwicklung von neuen Energiematerialien beschleunigen.
„In Europa sehen wir das Scheitern als persönliches Versagen. Dabei gehören Risiko und Scheitern zum Spiel."
— Dr. Kourosh Malek
Was ihn antreibt, ist eine tiefe Ungeduld mit der analogen Trägheit der Labore. Um Forscher:innen davon zu befreien, Monate mit manueller Datenpflege zu verschwenden, gründete er 2024 ViMi Labs. Seine Plattform verbindet Daten, Automatisierung und KI-Agenten zu einem „digitalen Wissenschaftler“. Mittlerweile entwickeln aus 12 Fachkräfte in Kanada und Deutschland diese Vision gemeinsam weiter.
Das Spin-off
ViMi Labs – der digitale Kollege im Labor
01
Der Ansatz: mehr Zeit
ViMi Labs will Forschung von repetitiver Routine befreien. Kourosh Malek und sein Team entwickeln digitale Wissenschaftler: KI-basierte Systeme, die Teile des Laboralltags autonom übernehmen. So bleibt mehr Zeit für das, was menschliche Intelligenz besonders macht: Kreativität und das Lösen komplexer Rätsel.
02
Das Ziel: mehr Tempo
Die KI von ViMi Labs wird mit Fachwissen aus Chemie und Materialwissenschaften trainiert. Sie versteht wissenschaftliche Zusammenhänge, schlägt Hypothesen vor und plant Experimente so, dass aussichtsreiche Materialien schneller vom Labor in die Anwendung finden.
03
Die Mission: mehr Souveränität
Malek setzt auf nachhaltiges Wachstum statt Wachstum um jeden Preis – und auf technologische Souveränität für Europa. ViMi Labs will zeigen, dass wissenschaftliche Tiefe das stärkste Fundament für unternehmerischen Erfolg sein kann.
Im Gespräch
Erfolgsfaktor: „Deep Capital“ in Jülich
Herr Dr. Malek, wir Deutschen setzen auf Sicherheit. Ist unsere Risiko-Aversion der Bremsklotz für Transfer?
Absolut. Wir müssen das Scheitern entmystifizieren. In Nordamerika ist es völlig normal, dass neun von zehn Start-ups in den ersten Jahren nicht überleben. Dort respektiert man den Versuch. In Europa sehen wir Scheitern als persönliches Versagen. Dabei gehören Risiko und Scheitern zum Spiel. Ein fehlgeschlagenes Startup ist kein Fleck im Lebenslauf. Es ist ein massiver Gewinn an Erfahrung.
In den USA wird massiv Risikokapital in KI-Ideen gesteckt. Wie kann ein Jülicher Spin-off wie ViMi Labs da mithalten?
Durch Effizienz und Substanz. Es gibt Firmen in den USA, die fünf Millionen Dollar einsammeln, bevor sie ein marktfähiges Produkt haben. Wir haben mit deutlich weniger Kapital bereits ein System am Markt, das Kunden produktiv nutzen. Das US-Modell flutet zwar den Markt mit Geld. Aber ich habe früh gelernt, dass ein fundierter Product-Market-Fit viel wichtiger ist als das. Davon abgesehen brauchen wir natürlich einen kontinuierlichen Kapitalfluss nach der Startphase, um in einem angemessenen Tempo zu wachsen und uns dauerhaft im Wettbewerb zu behaupten.
Hand aufs Herz: Muss man für ein Deep-Tech-Startup nicht eigentlich nach Berlin oder München, statt nach Jülich?
Ganz im Gegenteil. Was wir in Jülich und der Region haben, nenne ich „Deep Capital“: die Dichte an Infrastruktur, Expertenwissen und Talenten hier sind einzigartig. Wir haben Zugriff auf Supercomputer und spezialisiertes „Human Capital“, das genau versteht, wie Materialien funktionieren.
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Bildnachweis: Forschungszentrum Jülich
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