Nachruf auf Prof. Peter H. Dederichs (1938-2026)

Das Peter Grünberg Institut (PGI) trauert um seinen langjährigen Mitarbeiter Prof. Dr. Peter Heinz Dederichs, der am 1. August 2026 im Alter von 87 Jahren verstorben ist. Mit ihm verliert das Forschungszentrum Jülich einen herausragenden Wissenschaftler, der die theoretische Festkörperphysik in Jülich über viele Jahrzehnte entscheidend mitgeprägt hat.
Peter H. Dederichs studierte Physik an der RWTH Aachen, wurde dort 1965 promoviert und 1971 habilitiert. Seit 1971 forschte er am Forschungszentrum Jülich – und blieb dem Zentrum und der Wissenschaft auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2004 eng verbunden. Er gehörte zu den Pionieren der Festkörperphysik in Deutschland und war international als ausgewiesener Experte für ihre theoretischen Grundlagen anerkannt.
Bereits Ende der 1970er-Jahre erkannte Dederichs die Bedeutung neuer theoretischer und computergestützter Methoden für ein quantitatives Verständnis der Eigenschaften von Festkörpern und richtete umgehend seine Forschungsarbeiten darauf aus. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen am Vorgängerinstitut des heutigen PGI, dem Institut für Festkörperforschung (IFF), entwickelte er innovative ab-initio-Methoden zur Berechnung der elektronischen Struktur von Festkörpern. Solche Ansätze sind heute aus der modernen Material- und Nanowissenschaft nicht mehr wegzudenken. Durch Anwendung dieser Methoden leistete er wichtige Beiträge im Bereich des Nanomagnetismus und der Spintronik. In Anerkennung seiner wissenschaftlichen Arbeiten zur theoretischen Festkörperphysik und zur ab-initio-Beschreibung der elektronischen Struktur von Materialien wurde ihm 2006 die Ernst-Mach-Ehrenmedaille für Verdienste in den physikalischen Wissenschaften durch die Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik verliehen.
Doch Peter Dederichs prägte die Jülicher Forschung weit über seine eigenen wissenschaftlichen Arbeiten hinaus. Er verfügte über ein exzellentes Gespür für wissenschaftliche Vernetzung und baute erfolgreiche Kooperationen in Europa und Japan auf. Besonders am Herzen lag ihm die Zusammenarbeit innerhalb des PGI und des Forschungszentrums Jülich. Als langjähriger Gruppenleiter am Forschungszentrum Jülich und Professor an der RWTH Aachen lebte er die enge Verbindung zwischen beiden Einrichtungen bereits lange, bevor diese Zusammenarbeit institutionell verankert wurde. Schon vor der Öffnung der Mauer pflegte Dederichs exzellente Kontakte zu Fachkolleg:innen in der damaligen DDR. In den Wendejahren wurde er für zahlreiche junge Wissenschaftler:innen zu einem wichtigen und verlässlichen Ansprechpartner. Auch nach seiner Pensionierung blieb er wissenschaftlich außerordentlich aktiv. Von 2004 bis 2011 war er Vorsitzender des europäischen Netzwerks Psi-k, das Forschende auf dem Gebiet der elektronischen Struktur und der ab-initio-Materialmodellierung europaweit zusammenbringt. An dessen Aufbau und Entwicklung hatte Dederichs bereits in den 1980er- und 1990er-Jahren maßgeblich mitgewirkt.
Eine besondere Würdigung seiner wissenschaftlichen Lebensleistung erfuhr Peter Dederichs im Jahr 2012 mit der Verleihung einer Helmholtz-Professur. Er war damals erst der dritte Jülicher Wissenschaftler, dem diese Auszeichnung zuteilwurde – nach Nobelpreisträger Peter Grünberg und Siegfried Mantl.
Seine Kolleginnen und Kollegen werden Peter Dederichs nicht allein als bedeutenden Wissenschaftler in Erinnerung behalten. Er war ein zugewandter und liebenswürdiger Mensch sowie ein verständnisvoller und engagierter Mentor für Doktorandinnen, Doktoranden und Postdocs. Dem Forschungszentrum diente er über viele Jahrzehnte in vielen verschiedenen Funktionen und blieb ihm auch darüber hinaus eng verbunden. Mit seiner wissenschaftlichen Arbeit, seiner Erfahrung und seinem persönlichen Engagement hat er das Forschungsumfeld in Jülich nachhaltig geprägt.
Wir werden Peter H. Dederichs ein ehrendes Andenken bewahren.