Korma-Studie
Einfluss der äußeren und inneren Strahlenexposition auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung
- Gemeinde Volincy, Kreis Korma, Weißrussland -
Hintergrund [
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Am 26. April 1986 ereignete sich in Reaktor Nr. 4, einem der vier Reaktoren in Tschernobyl, der bislang größte Unfall in einem Kernkraftwerk. Zum Zeitpunkt des Unfalls waren alle vier Reaktorblöcke (Typ "RBMK-1000") mit einer Leistung von je 1000 MW in Betrieb.
Radioaktive Spaltprodukte, die bei der Kernschmelze des Reaktor Nr. 4 austraten, gelangten in die Atmosphäre. Durch diesen Unfallablauf und die damit verbundene Hitzeentwicklung bedingt, verteilten sich die Spaltprodukte großräumig.
Neben der Ukraine wurden große Flächen in Weißrussland und Russland kontaminiert. Auswirkungen der Freisetzung von Radionukliden waren auch in Nord- und Westeuropa messbar.
Ende 2000 wurde der dritte und damit letzte in Betrieb befindliche Block des Kernkraftwerks in Tschernobyl abgeschaltet.
Die Gemeinde Volincy [
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Die Gemeinde Volincy ist östlich der Kreisstadt Korma (Belarus) gelegen. Sie ist von radiologisch hochbelasteten Sperrgebieten umgeben und ausschließlich über eine durch ein Sperrgebiet führende Straße zu erreichen. Die Gemeinde besteht aus den Dörfern Volincy, Kljapin und Kljapinskaja-Buda.
Typisch für das Verhalten der Bevölkerung, die überwiegend in der Landwirtschaft tätig ist, ist eine große Bodenständigkeit mit geringer Migrationsrate und eine Ernährung, die einen hohen Anteil selbst erzeugter Lebensmittel aufweist.
Ziele des Projektes [
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In Fortführung eines früheren, durch das Umweltministerium BMU geförderten Projektes (St.Sch. 4171, Bericht BMU-2002-613), wird die Entwicklung des Gesundheitszustands der Bevölkerung im Gebiet Volincy über einen längeren Zeitraum in Abhängigkeit von der externen und internen Strahlenexposition beobachtet. Gleichzeitig werden Verhaltensregeln zur Verringerung der internen Strahlenexposition vermittelt, die nachhaltig in die täglichen Lebensabläufe integriert werden.
Dazu werden radiologische Untersuchungen mit Messfahrzeugen des Forschungszentrums Jülich in der Gemeinde durchgeführt:
Zusätzlich werden die zeitlichen Trends der Belastung in der Gemeinde daraufhin ausgewertet, ob durch Kontaktaufnahme mit der Bevölkerung, die Beratung und individuelle Verhaltensanweisung einschließt, eine Abnahme der Strahlenbelastung zu erreichen ist. Ein begleitendes medizinisches Programm, das von Ärzten des Krankenhauses Korma (Kreisstadt) durchgeführt wird, versucht entsprechende Trends im Gesundheitszustand der Bevölkerung der Gemeinde zu erfassen, wozu ein Vergleich mit der ebenfalls landwirtschaftlich ausgerichteten "Vergleichgemeinde" Starograd, die deutlich weniger radiologisch belastet ist, durchgeführt wird.
Ergebnisse [
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Während sich in der "Vergleichgemeinde" Starograd die Messungen auf den schulischen Bereich und dessen Umgebung beschränkten, konnte in der Gemeinde Volincy die Gesamtbevölkerung erfasst werden. Hier betrug die Anzahl der gemessenen Probanden im Rahmen der jährlichen Messkampagnen bis zu 263 Personen. In Starograd waren es bis zu 215 Personen.
Im Vergleich mit der externen Dosisbelastung lag die interne zu Beginn der Messungen sehr hoch. Ursachen schienen die geographische Lage, die wirtschaftliche Situation, die nachlassende Vorsicht beim Nahrungsverzehr und die zeitliche Distanz zum Unfall selbst zu sein, die dazu führte, dass die Bevölkerung zum Teil wieder zu den alten Lebens- und Ernährungsgewohnheiten zurückkehrten. Persönliche Ansprache und individuelle Beratung waren und sind notwendig. Dazu musste ein Vertrauensverhältnis zwischen Bevölkerung und Messteam aufgebaut werden.
Wie die Ergebnisse der Messungen zeigen, greifen bei regelmäßiger Kontrolle und individueller Beratung dosisreduzierende Verhaltensmaßnahmen, so dass zum jetzigen Zeitpunkt nur noch eine leichte interne Strahlenexposition vorliegt, die gesundheitlich als nicht relevant anzusehen ist. Die interne Dosis im Jahr 2011 wird unter 0,2mSv/a fallen, im Jahr 2020 unter 0,1mSv/a.
Im Gegensatz zur inneren Strahlenexposition kann kein wesentlicher Einfluss auf die externe Exposition genommen werden. In den einzelnen Orten ist die Entwicklung der Dosiswerte je nach Umgebungsstruktur und wirtschaftlicher Orientierung unterschiedlich. Generell gesehen, ist ein Leben in diesen Gebieten heute möglich, selbst in ehemaligen Sperrgebieten, wenn geeignete Verhaltensregeln eingehalten werden.
Eine endgültige Aussage zum Zusammenhang zwischen Strahlenexposition und dem gesundheitlichen Befinden der Bevölkerung der Gemeinde Volincy zu treffen, ist leider nicht möglich. Während in den Jahren 1999 und 2000 schon einmal ein Vergleich zwischen der gering belasteten Gemeinde Wornovka und der stark belasteten Gemeinde Volincy gemacht wurde, wurde von Seiten des Krankenhauses Korma auch ein Vergleich mit der unbelasteten Gemeinde Starograd durchgeführt. In beiden Fällen gab es bisher keine signifikanten Anzeichen für Erkrankungen, die durch eine hohe Strahlenbelastung hervorgerufen wurde.
Bei regelmäßigen Kontrollen der internen Belastung und individueller Beratung zu dosisreduzierenden Maßnahmen besteht auch in naher Zukunft keine besondere Gefahr für die Bevölkerung im untersuchten Gebiet. Auch in ehemaligen Sperrgebieten ist eine Ansiedlung heute wieder denkbar, wenn geeignete Verhaltensregeln in Bezug auf die Ernährung eingehalten werden.
Projektunterstützung (Walter-Gastreich-Stiftung) [
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Das Projekt wurde durch die
Walter-Gastreich-Stiftung, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, unterstützt und hatte eine Laufzeit von 4 Jahren (2004 - 2008).
Weitere Informationen, Links und Ansprechpartner [
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letzte Änderung 29.06.2009 | Burkhard Heuel-Fabianek | Ausdrucken
Einfluss der äußeren und inneren Strahlenexposition auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung
- Gemeinde Volincy, Kreis Korma, Weißrussland -
Hintergrund
Die Gemeinde Volincy
Zielsetzung des Projektes
Ergebnisse
Projektunterstützung (Walter-Gastreich-Stiftung / Stifterverband)
Weitere Informationen, Links und Ansprechpartner, Fotos
Hintergrund [
Am 26. April 1986 ereignete sich in Reaktor Nr. 4, einem der vier Reaktoren in Tschernobyl, der bislang größte Unfall in einem Kernkraftwerk. Zum Zeitpunkt des Unfalls waren alle vier Reaktorblöcke (Typ "RBMK-1000") mit einer Leistung von je 1000 MW in Betrieb.
Radioaktive Spaltprodukte, die bei der Kernschmelze des Reaktor Nr. 4 austraten, gelangten in die Atmosphäre. Durch diesen Unfallablauf und die damit verbundene Hitzeentwicklung bedingt, verteilten sich die Spaltprodukte großräumig.
Neben der Ukraine wurden große Flächen in Weißrussland und Russland kontaminiert. Auswirkungen der Freisetzung von Radionukliden waren auch in Nord- und Westeuropa messbar.
Ende 2000 wurde der dritte und damit letzte in Betrieb befindliche Block des Kernkraftwerks in Tschernobyl abgeschaltet.
Die Gemeinde Volincy [
Die Gemeinde Volincy ist östlich der Kreisstadt Korma (Belarus) gelegen. Sie ist von radiologisch hochbelasteten Sperrgebieten umgeben und ausschließlich über eine durch ein Sperrgebiet führende Straße zu erreichen. Die Gemeinde besteht aus den Dörfern Volincy, Kljapin und Kljapinskaja-Buda.
Typisch für das Verhalten der Bevölkerung, die überwiegend in der Landwirtschaft tätig ist, ist eine große Bodenständigkeit mit geringer Migrationsrate und eine Ernährung, die einen hohen Anteil selbst erzeugter Lebensmittel aufweist.
Ziele des Projektes [
In Fortführung eines früheren, durch das Umweltministerium BMU geförderten Projektes (St.Sch. 4171, Bericht BMU-2002-613), wird die Entwicklung des Gesundheitszustands der Bevölkerung im Gebiet Volincy über einen längeren Zeitraum in Abhängigkeit von der externen und internen Strahlenexposition beobachtet. Gleichzeitig werden Verhaltensregeln zur Verringerung der internen Strahlenexposition vermittelt, die nachhaltig in die täglichen Lebensabläufe integriert werden.
Dazu werden radiologische Untersuchungen mit Messfahrzeugen des Forschungszentrums Jülich in der Gemeinde durchgeführt:
- Untersuchung der externe Strahlenexposition
- Untersuchung selbst erzeugter Lebensmittel
- Ganzkörperuntersuchung und medizinische Untersuchung der Bevölkerung
Zusätzlich werden die zeitlichen Trends der Belastung in der Gemeinde daraufhin ausgewertet, ob durch Kontaktaufnahme mit der Bevölkerung, die Beratung und individuelle Verhaltensanweisung einschließt, eine Abnahme der Strahlenbelastung zu erreichen ist. Ein begleitendes medizinisches Programm, das von Ärzten des Krankenhauses Korma (Kreisstadt) durchgeführt wird, versucht entsprechende Trends im Gesundheitszustand der Bevölkerung der Gemeinde zu erfassen, wozu ein Vergleich mit der ebenfalls landwirtschaftlich ausgerichteten "Vergleichgemeinde" Starograd, die deutlich weniger radiologisch belastet ist, durchgeführt wird.
Ergebnisse [
Während sich in der "Vergleichgemeinde" Starograd die Messungen auf den schulischen Bereich und dessen Umgebung beschränkten, konnte in der Gemeinde Volincy die Gesamtbevölkerung erfasst werden. Hier betrug die Anzahl der gemessenen Probanden im Rahmen der jährlichen Messkampagnen bis zu 263 Personen. In Starograd waren es bis zu 215 Personen.
Im Vergleich mit der externen Dosisbelastung lag die interne zu Beginn der Messungen sehr hoch. Ursachen schienen die geographische Lage, die wirtschaftliche Situation, die nachlassende Vorsicht beim Nahrungsverzehr und die zeitliche Distanz zum Unfall selbst zu sein, die dazu führte, dass die Bevölkerung zum Teil wieder zu den alten Lebens- und Ernährungsgewohnheiten zurückkehrten. Persönliche Ansprache und individuelle Beratung waren und sind notwendig. Dazu musste ein Vertrauensverhältnis zwischen Bevölkerung und Messteam aufgebaut werden.
Wie die Ergebnisse der Messungen zeigen, greifen bei regelmäßiger Kontrolle und individueller Beratung dosisreduzierende Verhaltensmaßnahmen, so dass zum jetzigen Zeitpunkt nur noch eine leichte interne Strahlenexposition vorliegt, die gesundheitlich als nicht relevant anzusehen ist. Die interne Dosis im Jahr 2011 wird unter 0,2mSv/a fallen, im Jahr 2020 unter 0,1mSv/a.
Im Gegensatz zur inneren Strahlenexposition kann kein wesentlicher Einfluss auf die externe Exposition genommen werden. In den einzelnen Orten ist die Entwicklung der Dosiswerte je nach Umgebungsstruktur und wirtschaftlicher Orientierung unterschiedlich. Generell gesehen, ist ein Leben in diesen Gebieten heute möglich, selbst in ehemaligen Sperrgebieten, wenn geeignete Verhaltensregeln eingehalten werden.
Eine endgültige Aussage zum Zusammenhang zwischen Strahlenexposition und dem gesundheitlichen Befinden der Bevölkerung der Gemeinde Volincy zu treffen, ist leider nicht möglich. Während in den Jahren 1999 und 2000 schon einmal ein Vergleich zwischen der gering belasteten Gemeinde Wornovka und der stark belasteten Gemeinde Volincy gemacht wurde, wurde von Seiten des Krankenhauses Korma auch ein Vergleich mit der unbelasteten Gemeinde Starograd durchgeführt. In beiden Fällen gab es bisher keine signifikanten Anzeichen für Erkrankungen, die durch eine hohe Strahlenbelastung hervorgerufen wurde.
Bei regelmäßigen Kontrollen der internen Belastung und individueller Beratung zu dosisreduzierenden Maßnahmen besteht auch in naher Zukunft keine besondere Gefahr für die Bevölkerung im untersuchten Gebiet. Auch in ehemaligen Sperrgebieten ist eine Ansiedlung heute wieder denkbar, wenn geeignete Verhaltensregeln in Bezug auf die Ernährung eingehalten werden.
Projektunterstützung (Walter-Gastreich-Stiftung) [
Das Projekt wurde durch die
Weitere Informationen, Links und Ansprechpartner [
- Die Ergebnisse des Projektes sind unter dem Titel "
Langzeitbeobachtung der Dosisbelastung der Bevölkerung in radioaktiv kontaminierten Gebieten Weißrusslands - Korma-Studie" (Autoren: Dederichs, H., Pillath, J., Heuel-Fabianek, B., Hill, P., Lennartz, R.) als Band 31 der Reihe "Energie & Umwelt" des Forschungszentrums Jülich 2009 erschienen (ISBN 978-3-89336-562-3).
- zur
Fotogalerie
der Einsätze im Gebiet Korma/Volincy, Weißrussland
- "SEITE 3" in der Aachener Zeitung vom 25.04.2006 zum Projekt in Volincy (PDF-Datei)
- Sondersendung
"Quarks & Co" (April 2006) zu Tschernobyl und seine Folgen
- Kernkraftwerk Tschernobyl (
SSE "Chernobyl NPP")
- Internetseiten des Bundesamtes für Strahlenschutz zur
Kontamination von Lebensmitteln
- 20 Jahre Reaktorkatastrophe von Tschernobyl: Veranstaltungsreihe des Bundesumweltministeriums (BMU) in Kooperation mit der FU Berlin und der Europäischen Ost-West-Akademie für Kultur und Medien (EOWA):
"Tschernobyl 1986 - 2006: Erfahrungen für die Zukunft"
- Homepage des Stifterverbandes:
Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft - Publikationen zu Thema
Strahlenschutz in kontaminierten Gebieten
- Ansprechpartner im Forschungszentrum Jülich für das Projekt: Dr. Herbert Dederichs, S-M, Tel.: 02461/61-5080
letzte Änderung 29.06.2009 | Burkhard Heuel-Fabianek | Ausdrucken
