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Hilfe bei Tinnitus: Neurostimulator aus Jülich

Es brummt, rasselt, pfeift oder klingelt: Tinnitus (lateinisch: Geklingel) nennen die Ärzte den Krach, den Betroffene hören. Geschätzt rund drei Millionen Deutschen leiden unter Tinnitus. Ergebnisse aus dem Forschungszentrum Jülich bilden die Grundlage für eine neue Therapie, die Neurostimulation: Gezielte akustische Reize individuell an den jeweiligen Tinnitus angepasst - können die Beschwerden lindern, wie erste Ergebnisse einer klinischen Studie zeigen.

Rund fünf Prozent der Bevölkerung leiden an Tinnitus. Bei einem Drittel von ihnen ist das Klingeln im Ohr so stark, dass es die Lebensqualität zum Teil erheblich beeinträchtigt. Ursache für das permanente Geräusch sind Fehlsteuerungen im Gehirn, bei denen Nervenzellen übermäßig und gleichzeitig Signale abfeuern, statt gezielt und nacheinander.

Prof. Peter Tass vom Forschungszentrum Jülich entwickelte ein neuartiges Verfahren, mit dem das synchrone Feuern der Nervenzellen unterbunden werden kann. Mittels eines mathematischen Stimulationsalgorithmus, dem sogenannten Coordinated Reset (CR), wird der ungewollte Gleichtakt der Nervenzellen gezielt gestört. Der CR schickt - individuell angepasst - zu verschiedenen Zeiten schwache Impulse an die krankhaft überaktiven, hochsynchronen Nervenzellverbände und führt sie so nachhaltig in ein "gesundes Chaos" zurück.

"Durch die Stimulation bauen sich die Nervennetzwerke im Hirn wieder um. Deshalb erreichen wir mit unserem Stimulator auch eine dauerhafte Linderung der Krankheit", sagt Tass. Erste Ergebnisse der klinischen Studie belegen: die Lautstärke und die empfundene Belästigung durch den Tinnitus nehmen kontinuierlich ab - nach zwölf Behandlungswochen bereits um 40 und 33 Prozentpunkte -, in der Placebogruppe hingegen nur um neun und acht Prozentpunkte. Die Tinnitus-Frequenz wird zudem tiefer und damit angenehmer.

Der gleiche Algorithmus wird auch bei einer zweiten klinischen Anwendung mit dem Hirnschrittmacher gegen Parkinson erprobt. Auch hier unterbricht eine gezielte Stimulation den unerwünschten Gleichtakt von Nervenzellen und lindert so die Symptome, wie etwa das Zittern der Parkinsonerkrankten.

Ziel des Forschungszentrums ist es, mit professionellen und engagierten Partnern die CR-Technologie auf den Markt zu bringen: sowohl im nicht invasiven Bereich für die Behandlung von Tinnitus, als auch im invasiven Bereich (Deep Brain Stimulation, DBS) für die Behandlung von Parkinson.

Im Bereich der Tinnitus-Therapie sind die Forschungsergebnisse bereits in die Praxis überführt. Seit 2005 arbeitete das Forschungszentrum hierzu mit der ANM Adaptive Neuromodulation GmbH zusammen. Seit Beginn des Jahres kooperiert das Forschungszentrum mit einem neuen Technologiepartner, der britischen Brook Henderson Group.

Zusatzinformationen


Technologiepartner

Technologiepartner des Forschungszentrums für die CR-Technologie zur Behandlung von Tinnitus ist die Brook Henderson Group in Großbritannien.
Brook Henderson Group

Therapieanbieter

In Deutschland vertreibt die Neurotherapies Reset GmbH den Neurostimulator T30CR. Sie arbeitet mit zertifizierten HNO-Ärzten zusammen, die diese Therapie anbieten.


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