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Europäische Spallationsquelle ESS

Die weltweit modernste Neutronenquelle wird im Jahr 2019 im südschwedischen Lund in Betrieb gehen. Die Europäische Spallationsquelle (ESS) soll einzigartige Forschung in den verschiedensten Disziplinen ermöglichen – von den Materialwissenschaften über Magnetismus und Geologie bis hin zur Weichen Materie und Biologie – und damit die Führung Europas in der Forschung mit Neutronen sichern. Etwa fünftausend Forscher analysieren derzeit in Europa ihre Proben mit Neutronen.

Bereits 1993 hatten Forschungseinrichtungen aus 11 europäischen Ländern mit gemeinsamen Planungen für eine europäische Spallationsquelle begonnen, aber eine Entscheidung über den Bau wurde zunächst nicht gefällt. Stattdessen übernahm die USA Teile des Konzepts für ihre Spallation Neutron Source (SNS) in Oak Ridge, heute die leistungsfähigste Spallationsquelle der Welt. Erst am 28. Mai 2009 entschieden sich die europäischen Forschungsminister in Brüssel für den Standort Lund.

Im Oktober 2014 wurde der Grundstein für die Neutronenquelle gelegt. Nach Abschluss einer mehrjährigen Design-Update-Phase, in der die ursprünglichen Pläne mit Erkenntnissen aus Bau und Betrieb der SNS und der ebenfalls sehr leistungsstarken japanischen J-PARC (Japan Proton Accelerator Research Complex) in der Nähe von Tokio überarbeitet wurden, wird seit Anfang 2015 die Konstruktionsphase vorbereitet. Nach fünfjähriger Bauzeit sollen im Jahr 2019 die ersten Instrumente für die Forschung bereit stehen. Ein Auswahlverfahren wird sicherstellen, dass nur die aussichtsreichsten Forschungsprojekte Messzeit an den Instrumenten erhalten.

Die ESS ist ein europäisches Gemeinschaftsprojekt und wird von 17 Ländern getragen. Entscheidungen werden von den Regierungen dieser Länder gemeinsam getroffen. Für den Bau sind (Stand 2013) 1,843 Milliarden Euro veranschlagt und für den laufenden Betrieb etwa 140 Millionen Euro pro Jahr. Etwa 400 bis 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden den laufenden Betrieb sicherstellen. Neben Geld werden die Partnerländer hauptsächlich Sachleistungen beisteuern, etwa Instrumente. Die Erfahrungen aus den USA und Japan sollen dabei helfen, die ESS besser und günstiger zu machen.

So soll die ESS nicht nur wissenschaftlich führend werden, sondern auch hinsichtlich ihres Energieverbrauchs. Geplant ist die erste vollkommen CO2-neutrale Anlage. Drei Strategien machen dies möglich: Spezielle Maßnahmen beim Bau verringern von vornherein den Energiebedarf um etwa 20 Prozent, die verwendete Elektrizität wird nur aus erneuerbaren Energien, wie Windenergie, bezogen und die entstehende Abwärme wird in Lunds Fernwärmenetz eingespeist.

Deutsche Forscher sind an allen Stufen des Projektes beteiligt. Prof. Sebastian Schmidt, Mitglied des Jülicher Vorstands, koordiniert seit 2009 die deutschen Beiträge für die Planungsarbeiten. Das ESS-Kompetenzzentrum bündelt seit 2011 die ESS Aktivitäten der verschiedenen beteiligten Institute in Jülich.

Weitere Informationen

Neutronenforschung in Jülich
ESS-Kompetenzzentrum
Methode der Spallation
Geschichte der Neutronenforschung in Jülich

Welt der Physik: Podcast über die ESS und die Jülicher Beiträge:

ESS Website

Film über ESS auf Youtube


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