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AVR-Expertengruppe

Unabhängige Wissenschaftler befassen sich mit der Historie des AVR-Versuchsreaktors - Ergebnisse werden veröffentlicht

Was ist der AVR-Versuchsreaktor?

Am 3. Februar 1959 gründete ein Zusammenschluss von 15 kommunalen Elektrizitätsversorgungsunternehmen die Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor GmbH (AVR-GmbH). Die AVR-GmbH hatte das Ziel, die Machbarkeit und Funktionsfähigkeit eines gasgekühlten, graphitmoderierten Hochtemperaturreaktors nachzuweisen. Hierzu wurde ihr vom Land NRW im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrages ein 3,7 ha großes Grundstück in unmittelbarer Nachbarschaft zur damaligen Kernforschungsanlage (jetzt: Forschungszentrum) zur Verfügung gestellt. Diese Nähe wurde gewählt, um einerseits eine enge, wissenschaftliche Zusammenarbeit sicherzustellen, andererseits konnte so die im Forschungszentrum vorhandene Infrastruktur genutzt werden. Auf dem Grundstück entstand in der Folge der AVR-Versuchsreaktor, der von 1967 bis 1988 von der AVR-GmbH betrieben wurde. Das Forschungszentrum befasste sich während dieser Jahre begleitend mit Fragen zum gesamten Themenspektrum der Hochtemperaturreaktortechnologie.

Gegenwärtig befindet sich der AVR-Versuchsreaktor in der Rückbauphase, da durch eine Verwaltungsvereinbarung zwischen dem Bund und dem Land NRW festgelegt wurde, den Zustand "grüne Wiese" wiederherzustellen.

Warum externe Wissenschaftler?

Die katastrophalen Ereignisse in Fukushima im März 2011 hatten eine breite gesellschaftliche Diskussion zum Thema Kernenergie ausgelöst. Als in der Folge die Überprüfung der kerntechnischen Anlagen in Deutschland beschlossen wurde, nahmen das Forschungszentrum Jülich und die Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor GmbH (AVR GmbH) dies zum Anlass, um am Standort Jülich die Betriebsgeschichte des 1988 stillgelegten AVR-Versuchsreaktors untersuchen zu lassen.

Ziel dieser historischen Aufarbeitung ist es, eine unabhängige Bewertung der Reaktortechnologie und der Vorkommnisse während des Leistungsbetriebs zu erhalten. Um diese neutrale Bewertung zu garantieren, wurden externe Wissenschaftler verschiedener Disziplinen gebeten, mit Ihrer Expertise das Vorhaben umzusetzen.
Welche Themen wird die Expertengruppe bearbeiten?

Die Mitglieder der AVR-Expertengruppe haben beschlossen, sich auf folgende Themen zu fokussieren:

Dampferzeugerstörfall von 1978

Im Jahr 1978 kam es in Folge einer Dampferzeugerleckage zu einem Wassereintritt in den Reaktor. Dies wurde von der AVR GmbH den Aufsichtsbehörden in Land und Bund damals umgehend gemeldet und in den Medien wurde ausführlich berichtet. Auch die Tatsache, dass 1999 Kontaminationen in einem unterirdischen Regenwassersammler (Betonwasserkammer) und in der Nähe des Reaktorgebäudes festgestellt wurden, ist von den Betreibern den Aufsichtsbehörden unmittelbar gemeldet worden. Die AVR-Expertengruppe wird den Vorfall und die Umstände die dazu führten in ihre Analyse mit aufnehmen und eine sicherheitstechnische und radiologische Bewertung der Ereignisse vornehmen.

Studie von Rainer Moormann

Im Jahre 2008 veröffentlichte Dr. Rainer Moormann eine Studie über den Betrieb des 1988 stillgelegten Thorium Hochtemperaturreaktors (THTR) der AVR-GmbH, in der er sicherheitsrelevante Aspekte behandelte. Das Forschungszentrum Jülich ist daran interessiert, dass in der nuklearen Sicherheitsforschung auch kontroverse Meinungen zu Wort kommen, vorausgesetzt, sie erfüllen die Kriterien guter wissenschaftlicher Praxis. Die von Dr. Moormann dargestellten Fakten werden – nach Einschätzung des Forschungszentrums – in der Fachwelt nicht in Frage gestellt. Wissenschaftlich kontrovers wird hingegen diskutiert, wie die Schlussfolgerungen von Dr. Moormann im Hinblick auf die Spaltproduktfreisetzung innerhalb des Reaktors und die Sicherheit des Betriebes des AVR damals zu bewerten sind. Hierzu soll die Arbeit der AVR-Expertengruppe einen zusätzlichen Beitrag leisten.

Konzept des Kugelhaufenreaktors

Durch die Bearbeitung der genannten Themenschwerpunkte soll am Ende der Arbeit eine Bewertung des Konzepts "Kugelhaufenreaktor" erfolgen. Auf dem Prüfstand steht demnach nicht die betriebene Forschung, wohl aber die zugrunde liegende Technologie im Allgemeinen.

Wer sind die Mitglieder der Expertengruppe?

Die Mitglieder der Gruppe sind Experten unterschiedlicher Disziplinen.

Christian Küppers, Dipl. Physiker
Sprecher der Expertengruppe

Christian Küppers arbeitet seit 25 Jahren am Öko-Institut e.V. im Büro Darmstadt und ist dort stellvertretender Bereichsleiter "Nukleartechnik & Anlagensicherheit" und Leiter der Gruppe "Strahlenschutz". Darüber hinaus ist er Mitglied in verschiedenen Beratungsgremien, z.B. in der Strahlenschutzkommission (SSK) des Bundes­umwelt­ministeriums, wo er u. a. Vorsitzender des Ausschusses "Strahlenschutz bei Anlagen" ist. Seine Tätigkeits­schwerpunkte umfassen Radioökologie, Fragen des Strahlenschutzes bei kerntechnischen Anlagen (Normalbetrieb, Störfälle, Unfälle), Entsorgung radioaktiver Abfälle und Umweltverträglichkeitsprüfungen in Genehmigungsverfahren nach Atomgesetz und Strahlenschutzverordnung.

Dr.-Ing. Leopold Weil
Mitglied der Expertengruppe

Leopold Weil war zuletzt Leiter des Fachbereichs "Sicherheit in der Kerntechnik" des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). Zuvor arbeitete er bereits für das Bundesinnenministerium in der Abteilung "Reaktorsicherheit und Strahlenschutz" und für das Umweltministerium in Bonn. Leopold Weil habilitierte 2003 an der RWTH Aachen. Das Thema seiner Habilitationsschrift lautete: "Charakterisierung der Risiken der Kernenergienutzung". Zu seinen Tätigkeits­schwerpunkten zählen die probabilistische Risikoanalyse, die Sicherheit kerntechnischer Anlagen und der Bereich der ABC-Sicherheit.


Weitere Informationen zu Mitgliedern der Expertengruppe erfolgen in Kürze.


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