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Fragen und Antworten zu den AVR-Brennelementkugeln

Das Forschungszentrum Jülich war in der Vergangenheit als ehemalige Kernforschungsanlage an der Technologienentwicklung für den benachbarten Hochtemperaturreaktor der Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor GmbH (AVR) beteiligt. Der AVR wurde 1988 abgeschaltet. Der Rückbau erfolgt in Eigenregie durch die AVR GmbH. Das Forschungszentrum unterstützt den Rückbau durch Übernahme des Reaktorbehälters sowie durch Übernahme und fachgerechte Entsorgung aller radioaktiven Abfälle. Zudem sind die AVR-Brennelemente in einem Zwischenlager des Forschungszentrums gelagert.

Das Forschungszentrum Jülich hat die Entsorgungsverantwortung für die AVR-Brennelemente auf Wunsch der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Nordrhein-Westfalen im Jahr 2003 übernommen. Damit leistet es einen Beitrag zur geordneten Entsorgung der AVR-Brennelemente, obwohl es zu keinem Zeitpunkt Gesellschafter der AVR GmbH oder ansonsten verantwortlich für den Betrieb des AVR-Reaktors gewesen ist.

Das Forschungszentrum steht in der Verantwortung, dass die radioaktiven Abfälle in seiner Obhut fachgerecht und gesetzeskonform gelagert und entsorgt werden. Der Schutz der Mitarbeiter, der Bevölkerung und der Umwelt hat dabei oberste Priorität.

Optionen zum Umgang mit den Brennelementen

Verlängerungsantrag bestehendes Zwischenlager Jülich
Rückführung in die USA
Neubau Zwischenlager Jülich

Alles zu den AVR-Brennelementen

Brennelemente

  • Welche und wie viele Kugeln sind es?
  • Wie sind die Kugeln aufgebaut?
  • Woraus besteht ihr Inhalt?
  • Wie gefährlich sind die Kugeln?

CASTOR-Behälter Typ AVR

  • Welche Castoren lagern in Jülich?
  • Wie sicher sind die Behälter?
  • Wie viel Strahlung tritt außerhalb der Behälter auf?
  • Über welche Zulassungen verfügen die Castoren?
  • Wie werden die Behälter strahlenschutzüberwacht?
  • Sind die Behälter zur Endlagerung zugelassen?

Zwischenlager Jülich

  • Wo lagern die Behälter derzeit und wann läuft die Genehmigung aus?
  • Soll die Genehmigung verlängert werden?
  • Wie ist der derzeitige Stand bezüglich der Genehmigung?
  • Wie wird der gesetzeskonforme Zustand sichergestellt?
  • Könnten Kugeln oder Behälter entwendet werden?
  • Wer sind die zuständigen Behörden für das Zwischenlager?
  • Wie sicher ist das derzeitige Lager?

Verschiedenes

  • Wurden AVR-Brennelemente in die Schachtanlage Asse gebracht?

Optionen zum Umgang mit den Brennelementen

Verlängerungsantrag bestehendes Zwischenlager Jülich

Das Zwischenlager Jülich war gemäß § 6 Atomgesetz befristet bis zum 30. Juni 2013 genehmigt.

Um den Eintritt eines genehmigungslosen Zustands nach dem 30. Juni 2013 zu verhindern, hatte die zuständige Atomaufsichtsbehörde des Landes Nordrhein-Westfalen, das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk, dem Forschungszentrum Jülich zwei atomrechtliche Anordnungen zur weiteren Aufbewahrung der AVR-Brennelemente im bestehenden Zwischenlager auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich erteilt.

Aktueller Stand des Genehmigungsverfahrens:

Das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk NRW (Wirtschaftsministerium NRW) hat als zuständige Atomaufsicht am 2. Juli 2014 eine atomrechtliche Anordnung zur Entfernung der AVR-Brennelemente aus dem bestehenden Zwischenlager in Jülich (nachfolgend: AVR-Behälterlager) erlassen. Das Forschungszentrum Jülich war demnach verpflichtet, ein Konzept zur Entfernung der AVR-Brennelemente aus dem AVR-Behälterlager vorzulegen. Das Konzept wurde der Atomaufsicht fristgerecht am 30. September übergeben.

In diesem Konzept ist als mögliche Variante, beispielsweise die derzeit untersuchte Rückführung der AVR-Brennelemente in die USA, detailliert darzustellen. Das Forschungszentrum Jülich wird hierzu in enger Abstimmung mit allen Beteiligten bis Ende September denkbare Szenarien ausarbeiten und der Aufsichtsbehörde vorlegen. Bis zum Abschluss der Entfernung aller AVR-Brennelemente aus dem AVR-Behälterlager bleibt das Forschungszentrum Jülich durch die Anordnung zum Besitz der Kernbrennstoffe berechtigt. Die weitere sichere und rechtskonforme Lagerung der AVR-Brennelemente im AVR-Behälterlager ist damit gewährleistet.

In ihrer Begründung weist die Atomaufsicht darauf hin, dass ihr das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als zuständige Genehmigungsbehörde mitgeteilt habe, dass aufgrund neuer Erkenntnisse zur Erdbebensicherheit eine Prognose zum Abschluss des laufenden Genehmigungsverfahrens nicht mehr möglich sei. Deshalb ergebe sich jetzt die Notwendigkeit zur Anordnung der Räumung.

Hintergrund und Einordnung:

Das Forschungszentrum Jülich muss als Voraussetzung für die Erteilung einer Genehmigung für die weitere Aufbewahrung der AVR-Brennelemente im bestehenden AVR-Behälterlager in Jülich insbesondere Nachweise zum Prüfpunkt Erdbebensicherheit erbringen. Hierbei wird von der Genehmigungsbehörde (BfS) ein theoretisch denkbares Extremerdbeben (Wiederkehrperiode 100.000 Jahre) unterstellt, auf dessen Basis das Forschungszentrum Jülich nach dem entsprechenden technischen Regelwerk den Nachweis der Erdbebensicherheit für das bestehende Zwischenlager erbringen muss. Diese neuen Anforderungen liegen deutlich über den zum Zeitpunkt des Baus und der Inbetriebnahme des AVR-Behälterlagers gültigen Anforderungen nach damaligem Stand von Wissenschaft und Technik.

Um diesen Nachweis zu führen, hat das Forschungszentrum externe Sachverständige mit den hierfür geforderten komplexen Untersuchungen und Berechnungen beauftragt. Sie kommen nach aufwendigen Erkundungsarbeiten des Untergrundes zu dem Ergebnis, dass der geforderte Nachweis der Erdbebensicherheit im Fall des vorausgesetzten Extremerdbebens nicht mit standardisierten Verfahren erbracht werden kann. Die maßgebliche technische Regel fordert in einem solchen Fall weiterführende Untersuchungen, welche derzeit durchgeführt werden. Das Forschungszentrum Jülich hatte die Genehmigungsbehörde und die Aufsichtsbehörde umgehend über den aktuellen Sachstand informiert.

Rückführung in die USA

Das Forschungszentrum Jülich und seine Gesellschafter, die Bundesrepublik Deutschland und das Land NRW, prüfen derzeit gemeinsam mit dem amerikanischen Department of Energy (DOE) die Option, die Brennelemente aus dem stillgelegten AVR-Versuchsreaktor in das Herkunftsland des Kernbrennstoffs, die USA, zurückzutransportieren.

Das DOE hat sich grundsätzlich offen dafür gezeigt, die AVR-Brennelemente aus Jülich zu übernehmen. In der Vergangenheit haben die USA bereits mehrfach bestrahlte Kernbrennstoffe amerikanischen Ursprungs aus Forschungsreaktoren im Rahmen ihrer Non-Proliferationspolitik zurückgenommen, um jegliche Gefahr der weiteren Verbreitung dauerhaft zu vermeiden. Im Rahmen der Nuclear Security Summits 2010 in Washington und 2012 in Seoul haben die USA bekräftigt, dass sie verstärkt bemüht sind, die Verbreitung hoch angereicherten Kernbrennstoffs zu minimieren.

Das US-Energieministerium DOE hat gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (im Auftrag der Landesregierung) im April 2014 eine Absichtserklärung zur Rücknahme der Brennelemente in die USA unterzeichnet.

Dies ist lediglich ein erster Schritt hin zu einem möglichen Rücktransport des Kernbrennstoffs in die USA. Ein endgültiger Vertrag zur Rücknahme kann erst erfolgen, wenn an der Savannah River Site in South Carolina, wohin die Brennelemente transportiert werden sollen, die notwendigen Voraussetzungen für eine Annahme geschaffen worden sind. Hierzu müssen unter anderem zahlreiche technische Fragen abschließend geklärt werden. Diese Prüfungen sind noch nicht abgeschlossen. Die hierfür notwendigen Untersuchungen in den USA werden vom Forschungszentrum Jülich unterstützt.

Hinweis:
Für die Option eines Rücktransports der AVR-Brennelemente in die USA ist keine Gesetzesänderung notwendig. Bei den abgebrannten Brennelementen handelt es sich nicht um radioaktiven Abfall aus einem kommerziellen Kernkraftwerk, sondern um verwertbare Reststoffe aus einem Forschungsreaktor. Gemäß geltenden Rechts kann dieser bestrahlte Kernbrennstoff aus Forschungsreaktoren an das Herkunftsland zurückgegeben werden, wenn zwischen den verantwortlichen Akteuren darüber Einigkeit erzielt wird.

Neubau Zwischenlager Jülich

Der Aufsichtsrat hat am 16.05.2012 beschlossen, zur Prüfung der rechtlichen und tatsächlichen Möglichkeiten eines Neubaus eines Zwischenlagers in Jülich vorbereitend eine Umweltverträglichkeitsuntersuchung als Grundlage für eine mögliche Umweltverträglichkeitsprüfung zu veranlassen.

Über das Ergebnis dieser Umweltverträglichkeitsuntersuchung wurde der Aufsichtsrat am 14.05.2014 informiert. Danach ist zusammenfassend festzustellen, dass die Umweltauswirkungen des Vorhabens "Optionaler Neubau eines Lagers für die im Forschungszentrum Jülich lagernden AVR-Behälter" grundsätzlich als tolerierbar angesehen werden und das Vorhaben im Gesamtergebnis gutachterlich als umweltverträglich beurteilt wird.

Alles zu den AVR-Brennelementen

Brennelemente

Welche und wie viele Kugeln sind es?

Es handelt sich um 288 161 Kugeln die Brennstoff enthalten, plus 124 brennstofffreie Graphitkugeln aus dem Hochtemperaturreaktor der Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor GmbH (AVR). Dieser wurde von 1967 bis 1988 in der Nachbarschaft des Forschungszentrums Jülich betrieben. In dieser Zeit diente er der Weiterentwicklung des gasgekühlten Hochtemperaturreaktors.
Alle Kugeln sind intakt: Bruchstücke sind nicht enthalten.

Wie sind die Kugeln aufgebaut?

Die Kugeln haben einen Durchmesser von ca. 6 cm (ca. Tennisballgröße) und bestehen aus Grafitkeramik. Im Innern der Kugeln befindet sich der Kernbrennstoff, verteilt in etwa 20 000 kleinen Kügelchen (Partikeln, engl.: particles – siehe Foto). Der äußere Bereich von etwa 5 – 10 mm ist brennstofffrei.

Brennelementkugeln des Hochtemperaturreaktors. In der aufgeschnittenen Kugel ist die Innenzone mit den Brennstoffpartikeln erkennbar. Brennelementkugeln des Hochtemperaturreaktors. In der aufgeschnittenen Kugel ist die Innenzone mit den Brennstoffpartikeln erkennbar.
Copyright: Forschungszentrum Jülich


Woraus besteht ihr Inhalt?

Im AVR-Reaktor wurden während der 20jährigen Betriebszeit unterschiedliche Brennelemente getestet, die auch unterschiedliche Anreicherungen hatten. In den ersten Jahren wurden ausschließlich Brennelemente mit hoch angereichertem Uran, so genannte HEU-BE, eingesetzt, später dann auch Brennelemente mit niedrigeren Anreicherungen, so genannte LEU-BE. Der Anreicherungsgrad bei den HEU-BE lag über 90%, bei den LEU-BE betrug er weniger als 20%. Die HEU-BE wurden im Reaktor relativ hoch abgebrannt, der Abbrand der LEU-BE schwankt relativ stark, was auf unterschiedliche Betriebs- und Einsatzzeiten im Core zurückzuführen ist.

Die Brennstoffpartikel bestehen aus spaltbarem Uran (U-235) sowie dem nicht spaltbaren U-238. Ein Teil der Partikel enthält Thorium (Th-232) statt U-238. Im Laufe der Jahre waren in dem Reaktor zur Brennelemententwicklung unterschiedliche Brennelemente getestet worden. Die Partikel sind mit Siliziumcarbid beschichtet ("coated particles"), um die Spaltprodukte zurückzuhalten. Da alle Brennelementkugeln (unterschiedlich lange) im Reaktor waren, enthalten sie – neben unverbrauchtem Kernbrennstoff – u.a. Plutonium (Pu-239, entstanden aus U-238) und Uran-233 (entstanden aus Th-232) sowie die Spaltprodukte.

Wie gefährlich sind die Kugeln?

Spaltprodukte aus der Kernspaltung sind instabil und daher radioaktiv; sie senden ionisierende Strahlung aus (Alpha-, Beta- oder Gammastrahlung). Diese Strahlung ist – je nach Spaltprodukt – unterschiedlich energiereich und hat unterschiedliche Reichweiten. Die Strahlung, die von den Kugeln ausgeht, ist sehr hoch und damit sehr gefährlich. Die Kugeln müssen daher besonders verpackt und gelagert werden, um den Schutz von Mensch und Umwelt zu gewährleisten. In seiner gegenwärtigen Form ist der Kernbrennstoff in den abgebrannten AVR-Brennelementen nicht waffentauglich.
Die AVR-Brennelemente selbst bestehen im Wesentlichen aus dem Matrixmaterial Pyrokohlenstoff, das unter normalen Bedingungen nicht brennbar ist. Dies wurde bei Brandversuchen mit Kerosin nachgewiesen, wobei selbst nach einer Branddauer von mehr als einer halben Stunde keine der Grafitkugeln gezündet hatte. Vielmehr sind die Flammen nach dem vollständigen Abbrennen des Kerosins selbständig erloschen. Der maximale Gewichtsverlust der Grafitkugeln lag deutlich unterhalb von einem Prozent.

CASTOR-Behälter Typ AVR

Welche Castoren lagern in Jülich?

Es handelt sich bei den Behältern in Jülich um den Typ CASTOR®THTR/AVR. Diese Behälter sind wesentlich kleiner als CASTOR-Behälter für Brennelemente aus kommerziellen Kernkraftwerken, die aus den Medien bekannt sind (nur etwa ein Drittel des Volumens).

Der Castor vom Typ THTR/AVR ist ca. 2.70 m lang und besteht aus Sphäroguss; das ist Gusseisen mit Kugelgrafit. Jeder Behälter wiegt beladen etwa 27 t, in Transportkonfiguration etwa 32 t. Er kann daher nur mit dem Hallenkran und speziellen Fahrzeugen bewegt oder transportiert werden.

Die zuletzt aus den Medien bekannten CASTOREN, die nach Gorleben transportiert wurden, sind vom Typ CASTOR®V. Diese sind etwa 6 m lang und haben einen Durchmesser von rund 2,50 m. Im beladenen Zustand haben diese Behälter eine Masse von bis zu 117 Tonnen.

BehälterBlick ins Zwischenlager Ahaus. Im Vordergrund zu sehen, sechs CASTOREN vom Typ V. Im Hintergrund – gestapelt – je zwei CASTOREN vom Typ THTR/AVR.
Copyright: Forschungszentrum Jülich

Zum Transport, zur Lagerung und zum Strahlenschutz sind die Brennelementkugeln in 152 dieser Castoren vom Typ CASTOR®THTR/AVR verpackt. Jeder der Behälter enthält zwei Brennelementkannen mit jeweils etwa 950 Brennelementkugeln, d.h. insgesamt maximal 1900 Brennelementkugeln pro Behälter.

Wie sicher sind die Behälter?

Bei dem Behälter handelt es sich um einen Transport- und Lagerbehälter mit einer Typ B(U)-Zulassung, d.h. er ist zugelassen für den Transport und die Lagerung von bestrahlten Kernbrennstoffen. Um eine entsprechende Zulassung für den Behälter von der Genehmigungsbehörde, dem Bundesamt für Strahlenschutz, zu erhalten, sind im Zulassungsverfahren für den Behälter eine Vielzahl von Anforderungen zu erfüllen und nachzuweisen, die sich aus dem internationalen Transportrecht bzw. den Transportregularien der International Atomic Energy Agency (IAEA) ableiten. Dazu gehören Auslegungsnachweise und Tests für die Stabilität und den sicheren Einschluss des Inventars, die gesicherte Wärmeabfuhr, die Kritikalitätssicherheit (d.h. Schutz gegen Kettenreaktion) und eine ausreichende Abschirmung auch unter extremen Unfallbedingungen. Die entsprechenden Nachweise und Tests für den CASTOR wurden erfolgreich erbracht und die Zulassung erteilt.

Die CASTOR-Behälter, in denen die AVR-Brennelemente gelagert werden, sind für wesentlich höhere Aktivitäten ausgelegt. Die Entwicklung eines eigenen CASTOR-Behälters für niedrigere Aktivitäten wäre wegen der notwendigen Prüf- und Genehmigungsverfahren aber sehr viel aufwändiger gewesen.
Die Behälter gewährleisten daher bei Transport und Lagerung den Schutz des Personals, der Bevölkerung und der Umwelt vor dem radioaktiven Inventar und der davon ausgehenden Strahlung.
Die Brennelemente entwickeln Wärme; diese ist aber relativ gering und wird über die Behälterwand und von dort über die Raumluft abgegeben. Die Oberflächentemperatur der Behälter liegt normalerweise unter 30 °C.

Links zu Internetseiten:
http://www.gns.de/language=de/2036/behaelter
http://www.bfs.de/de/transport

Wie viel Strahlung tritt außerhalb der Behälter auf?

Die Behälter halten die radioaktiven Stoffe sicher zurück und schirmen die Strahlung fast völlig ab. Die mittlere Dosisleistung (das ist eine Maßeinheit für die Aufnahme ionisierender Strahlung pro Zeiteinheit) beträgt in 1 m Abstand nur etwa 1 Mikro-Sievert pro Stunde (μSv/h). Zum Vergleich: Die Dosis bei einem Kurzstreckenflug beträgt ca. 20 μSv, bei einem Langstreckenflug ca. 100 μSv, bei einer einzigen Röntgenaufnahme im Beckenbereich ca. 1500 bis 1800 μSv. Die mittlere jährliche Strahlendosis für alle Einwohner aus natürlichen Quellen beträgt durchschnittlich ca. 2100 μSv. Hinzu kommt noch die anthropogene (künstlich erzeugte) Strahlenbelastung durch die medizinische Anwendung radioaktiver Stoffe und ionisierender Strahlung. Dieser Anteil wird im Mittel mit 1900 µSv pro Jahr abgeschätzt, zusammen also etwa 4000 μSv pro Jahr.

Alle gesetzlichen Grenzwerte werden nicht nur sicher eingehalten, sondern weit unterschritten. Das Lager mit den Castoren kann ohne Gesundheitsgefährdung betreten werden.

Über welche Zulassungen verfügen die Castoren?

Die Jülicher Castoren haben einen Dichtigkeitsnachweis für 40 Jahre. Für eine anschließende Nutzung ist ein neuer Dichtigkeitsnachweis zu erbringen. Da mit der Einlagerung der Behälter mit den AVR-Brennelementen in Jülich im Jahr 1993 begonnen wurde, bedeutet dies, dass im Jahr 2033 für die ersten Behälter ein solcher Dichtigkeitsnachweis neu zu erbringen ist.

Auf 20 Jahre begrenzt ist lediglich die atomrechtliche Genehmigung zur Aufbewahrung der Behälter im Zwischenlager in Jülich, die 1993 erteilt wurde und am 30.6.2013 ausläuft. Auf die Dichtheit der Behälter hat dies jedoch keine Auswirkungen. Dies hat die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) zuletzt im Jahr 2003 in einem Gutachten bestätigt.

Daneben verfügen die Behälter über eine verkehrsrechtliche Zulassung für den Transport. Die Zulassungen selbst werden vom Bundesamt für Strahlenschutz grundsätzlich nur befristet erteilt. Anschließend muss jeweils eine Zulassungsverlängerung beantragt werden, um die Behälter weiter als Transportbehälter nutzen zu können. Bei Behältern, die überwiegend zur Zwischenlagerung eingesetzt werden, kann die Zulassung für einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren erteilt werden. Im Falle der in Jülich lagernden Castorbehälter wurde diese Behälterzulassung zuletzt im Jahre 2007 für 10 Jahre bis 2017 erteilt.

Wie werden die Behälter strahlenschutzüberwacht?

Die aktuellen Dosisleistungen werden gemessen und protokolliert. Die Dichtheit der Behälter wird dauerhaft überwacht. Dazu sind die Behälter an ein spezielles Behälterüberwachungssystem angeschlossen.

Sind die Behälter zur Endlagerung zugelassen?

Vor dem Hintergrund, dass es bis dato noch kein genehmigtes und annahmebereites Endlager für bestrahlte Kernbrennstoffe in Deutschland gibt, existiert mangels Vorgaben und Annahmebedingungen auch noch kein Behälter mit einer entsprechenden Endlagerzulassung. Dies trifft natürlich auf alle heute in Deutschland existierenden Behälter mit bestrahlten Kernrennstoffen zu, nicht zuletzt auch auf die in Ahaus schon befindlichen 305 CASTOR THTR/AVR-Behälter mit den THTR-Brennelementen. Es ist also völlig offen, in welcher Konfiguration die Brennelemente ins Endlager kommen bzw. ob ein Umpacken notwendig sein wird oder nicht.

Zwischenlager Jülich

Wo lagern die Behälter derzeit?

Die Brennelementkugeln aus dem AVR befinden sich derzeit in einem Zwischenlager auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich. Das Lager war gemäß § 6 Atomgesetz befristet bis zum 30. Juni 2013 genehmigt.

Wie ist der derzeitige Stand bezüglich der Genehmigung?

Das Forschungszentrum Jülich muss als Voraussetzung für die Erteilung einer Genehmigung für die weitere Aufbewahrung der AVR-Brennelemente im bestehenden AVR-Behälterlager in Jülich insbesondere Nachweise zum Prüfpunkt Erdbebensicherheit erbringen. Hierbei wird von der Genehmigungsbehörde (BfS) ein theoretisch denkbares Extremerdbeben (Wiederkehrperiode 100.000 Jahre) unterstellt, auf dessen Basis das Forschungszentrum Jülich nach dem entsprechenden technischen Regelwerk den Nachweis der Erdbebensicherheit für das bestehende Zwischenlager erbringen muss. Diese neuen Anforderungen liegen deutlich über den zum Zeitpunkt des Baus und der Inbetriebnahme des AVR-Behälterlagers gültigen Anforderungen nach damaligem Stand von Wissenschaft und Technik.

Um diesen Nachweis zu führen, hat das Forschungszentrum externe Sachverständige mit den hierfür geforderten komplexen Untersuchungen und Berechnungen beauftragt. Sie kommen nach aufwendigen Erkundungsarbeiten des Untergrundes zu dem Ergebnis, dass der geforderte Nachweis der Erdbebensicherheit im Fall des vorausgesetzten Extremerdbebens nicht mit standardisierten Verfahren erbracht werden kann. Die maßgebliche technische Regel fordert in einem solchen Fall weiterführende Untersuchungen, welche derzeit durchgeführt werden. Das Forschungszentrum Jülich hatte die Genehmigungsbehörde und die Aufsichtsbehörde umgehend über den aktuellen Sachstand informiert.

Könnten Kugeln oder Behälter entwendet werden?

Ein unbefugter, ungenehmigter Abtransport von Behältern oder Diebstahl von Kugeln ist aufgrund der Bewachung, baulicher Barrieren und des Gewichts der Behälter nicht möglich.
Das derzeitige Zwischenlager für die AVR-Brennelementkugeln wird Tag und Nacht bewacht. Dadurch würde schon das Betreten des Lagers registriert und gemeldet. Ebenso ist es unmöglich, die Behälter unbemerkt zu öffnen. Dazu müssten mit verschiedenen Werkzeugen die Verschraubungen von insgesamt drei Deckeln gelöst und die Deckel abgehoben werden. Einer der drei Deckel wiegt allein etwa 1,5 t. Der dazu nötige Hallenkran ist über mehrere Schutzvorrichtungen gegen unbefugte Benutzung gesperrt.

Beladene Castoren dürfen nur unter besonderen Schutzvorrichtungen geöffnet werden. Das Öffnen ohne diese Schutzvorrichtungen wäre für einen möglichen Täter lebensgefährlich.

Wer sind die zuständigen Behörden für das Zwischenlager?

Genehmigungsbehörde für das AVR-Behälterlager Jülich ist das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), atomrechtliche Aufsichtsbehörde ist das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes NRW.

Verschiedenes

Wurden AVR-Brennelemente in die Schachtanlage Asse gebracht?

Das Forschungszentrum Jülich hat keine abgebrannten Brennelementkugeln aus dem AVR-Leistungsbetrieb an die Asse abgegeben.

Das Forschungszentrum Jülich hat in den Jahren 1968 bis 1978 insgesamt 13.325 Gebinde mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen an die Asse abgegeben. Dabei handelte es sich um 13.324 Fässer und eine Co-60-Quelle.

Bei den radioaktiven Abfällen handelt es sich um schwach- und mittelradioaktive Abfälle, die in den 60er und 70er Jahren

  • in der damaligen Kernforschungsanlage Jülich im Rahmen von Forschungs- und Entwicklungsarbeiten angefallen sind,
  • auf Grund vertraglicher Verpflichtungen von Anliegerfirmen des Forschungszentrums, z.B. Betriebsabfälle der AVR GmbH, sowie
  • von der Landessammelstelle des Landes Nordrhein-Westfalen stammen.

Die einzulagernden radioaktiven Abfälle wurden vor Anlieferung bei der zuständigen Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung mbH, Betriebsabteilung für Tiefenlagerung, angemeldet. Erst nach deren Zustimmung wurden sie angeliefert und wurde die Einlagerung vorgenommen.

Bei den 13.324 Fässern mit radioaktiven Abfällen handelte es sich um 13.108 Stück 200-l-Fässer und 216 Stück 400 l-Fässer. Davon wurden 474 Fässer und die Co-Quelle jeweils in einer so genannten verlorenen Betonabschirmung eingelagert. Bei diesen verlorenen Betonabschirmungen handelt es sich um Behälter mit dicken Wänden aus inaktivem Beton, der die Strahlung wirkungsvoll abschirmt.
Zu den eingelagerten Gebinden gehören auch 8 Fässer mit Kernbrennstoffen, die in E1-Abschirmbehältern angeliefert wurden. Bei diesen Abschirmbehältern handelt es sich um Transportbehälter mit dicken Wänden aus Stahl, die die Strahlung besonders wirkungsvoll abschirmen. In zwei dieser acht Fässer befinden sich auch AVR-Brennelemente / Brennelementkugeln, die zuvor zu Testzwecken in einem Forschungsreaktor, also nicht im AVR, bestrahlt und anschließend im Rahmen von Forschungsarbeiten untersucht wurden. In keinem dieser Gebinde sind AVR-Brennelemente enthalten, die im AVR-Reaktor eingesetzt wurden. Das Material in diesen einzelnen Gebinden stammt nicht aus dem "AVR-Leistungsbetrieb". Bei der Ablieferung betrug die mittlere Aktivität der Fässer zwischen 90 und 220 Ci (ca. 16,5 TBq/m³ und 41 TBq/m³).

Radioaktive Abfälle werden in Abhängigkeit von der Radioaktivität (a) vielfach in schwachradioaktiv (a <0,1 TBq/m³), mittelradioaktiv (0,1 < a < 1000 TBq/m³) und hochradioaktiv (a>1000 TBq/m³) eingestuft. Beim größten Teil der an die Schachtanlage abgelieferten radioaktiven Abfälle handelte es sich um schwach radioaktive Abfälle, allerdings wurden auch mittelradioaktive abgeliefert, darunter auch die oben genannten acht Fässer mit Kernbrennstoffen.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die damalige Kernforschungsanlage Jülich in den Jahren 1968 bis 1978 insgesamt 13.325 Gebinde mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen an die Asse abgegeben hat, darunter 8 in E1-Abschirmbehältern angelieferte Gebinde (200 l Fässer), die Kernbrennstoffe enthielten, u.a. auch Testbrennelemente und Brennelementkugeln, die zu Forschungszwecken neutronenbestrahlt wurden. Außerdem sind auch sogenannte Grafit- und Absorberkugeln in Fässern an die Schachtanlage Asse abgegeben worden. Bei diesen Grafit- und Absorberkugeln handelt es sich um Kugeln, die keinen Kernbrennstoff enthalten.

Alles, was das Forschungszentrum an die Asse abgegeben hat, war angemeldet und genehmigt. Alle Angaben liegen dem Bundesamt für Strahlenschutz und dem Untersuchungsausschuss des Niedersächsischen Landtags vor.


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