Reaktiver Stofftransport

Über

Die langfristige Entwicklung der geochemischen Bedingungen in einem tiefengeologischen Endlagersystem, die Freisetzung von Radionukliden aus den eingelagerten Abfällen sowie das Migrationsverhalten von Radionukliden im Nah- und Fernfeld des Endlagers werden durch verschiedene stark gekoppelte thermo-hydraulisch-mechanisch-chemisch-biologisch (THMCB) Prozesse kontrolliert. Der durch Diffusion und/oder Advektion getriebene Radionuklidtransport ist verknüpft mit Mehrphasenströmungsphänomenen unter hydraulischen und geochemischen Gradienten. Diese Transportphänomene werden durch verschiedene komplexe geochemische Prozesse beeinflusst, darunter Auflösung/Fällung, Sorptionsphänomene, Redoxprozesse und Gasentwicklung, welche z. T. durch mikrobielle Aktivität induziert und katalysiert werden. Reaktive Stofftransportmodellierung (RTM) umfasst die Integration von Hydrogeologie und Geochemie zur Prognose geochemischer Reaktionen entlang von Transportwegen in Raum und Zeit. Sie findet vielfältige Anwendung in Zusammenhang mit der energiebezogenen Nutzung des Untergrunds wie z. B. der Tiefengeothermie, der CO2-Sequestrierung, der H2-Speicherung oder der Endlagerung radioaktiver Abfälle. Für eine vergleichende Analyse der langfristigen Sicherheitsaspekte tiefengeologischer Endlagersysteme ist ein tiefgreifendes Verständnis und eine realitätsnahe Beschreibung der stark gekoppelten THMCB-Prozesse erforderlich, die den Radionuklidtransport auf verschiedenen Zeit- und Längenskalen beeinflussen – eine bislang weitgehend ungelöste wissenschaftliche Herausforderung.

Forschungsthemen

Die Forschungsarbeiten zum reaktiven Stofftransport am IFN-2 fokussieren auf die Entwicklung skalenübergreifender experimenteller und simulations-gestützter Ansätze, um räumlich-zeitliche Einblicke in die Freisetzung und den Transport von Radionukliden im Nah- und Fernfeld tiefengeologischer Endlager für radioaktive Abfälle zu gewinnen. Hierzu entwickeln wir innovative mikrofluidische Lab-on-a-Chip-Ansätze unter Integration KI-basierter Werkzeuge, um hydrogeochemische Prozesse auf dem Porenmaßstab zu verstehen, welche dann in großmaßstäbliche Modelle integriert werden (Upscaling), die durch Experimente im Labormaßstab und in Untertagelaboren validiert werden. Des Weiteren werden Freisetzung und Transport von Radionukliden im Nah- und Fernfeld tiefengeologischer Endlager für radioaktive Abfälle im Endlagermaßstab analysiert, wobei auch die Höchstleistungsrechner (HPC) des Jülich Supercomputing Centre (JSC) verwendet werden. Die Arbeiten zielen auf ein verbessertes skalenübergreifendes Prozess- und Systemverständnis sowie auf eine Verringerung von Ungewissheiten und Konservativitäten in Langzeitsicherheitsanalysen ab und tragen damit zu den wissenschaftlichen Grundlagen für einen Vergleich verschiedener Endlagerkonzepte und -standorte bei, wie er für das deutsche Standortauswahlverfahren erforderlich ist.

Kontakt

Dr Jenna Poonoosamy

IFN-2

Gebäude 05.3 / Raum R 284

+49 2461/61-6468

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Letzte Änderung: 30.06.2026