ÜBER
Reaktive Stofftransportmodellierung (RTM) umfasst die Integration von Hydrogeologie und Geochemie zur Prognose chemischer Prozesse entlang von Transportwegen in Raum und Zeit. Sie findet vielfältige Anwendung zur Evaluierung verschiedener energiebezogener Nutzungen des Untergrunds (z. B. Tiefengeothermie, CO₂-Sequestrierung oder Speicherung von Wasserstoff) und insbesondere im Zusammenhang mit der geologischen Tiefenlagerung radioaktiver Abfälle.
Für vergleichende Analysen der langfristigen Sicherheitsaspekte tiefengeologischer Endlagersysteme und Endlagerstandorte, wie sie im deutschen Standortauswahlverfahren gefordert werden, ist ein tiefgreifendes Verständnis und eine realitätsnahe Beschreibung der stark gekoppelten thermischen-hydraulischen-mechanischen-chemischen-biologischen (THMCB) Prozesse, die die Entwicklung des Endlagersystems und die Radionuklidmigration auf verschiedenen Zeit- und Längenskalen beeinflussen, erforderlich – eine bislang weitgehend ungelöste wissenschaftliche Herausforderung.
In diesem Zusammenhang entwickeln Wissenschaftler am IFN-2 skalenübergreifende experimentelle und rechnergestützte Ansätze, um verbesserte Stoffgesetze für RTM zu erarbeiten und Prozesse auf dem Porenmaßstab in großmaßstäbliche Modelle von Endlagersystemen zu integrieren (Upscaling). Diese Arbeiten zielen auf eine Verbesserung des skalenübergreifenden Prozess- und Systemverständnis sowie eine Verringerung von Ungewissheiten und Konservativitäten in Langzeitsicherheitsanalysen ab.
