Alumni des Forschungszentrums und der aktuelle Arbeitsmarkt

In dieser Ausgabe wollen wir einen Blick auf den aktuellen Arbeitsmarkt werfen. Dabei nehmen wir speziell den Arbeitsmarkt für junge Wissenschaftler:innen in den näheren Fokus. Dieser zeichnet sich aktuell durch eine Diskrepanz aus, gebildet einerseits durch Fachkräftemangel und andererseits durch viele Akademiker:innen, die keine Beschäftigung finden.[1]

Die vielen hohen Abschlüsse – und die Folgen daraus

Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass sich seit einigen Jahren sowohl ein Trend zu höheren Schulabschlüssen als auch eine höhere Studierneigung abzeichnet.[2] Davon verlässt allerdings auch ein großer Teil die Hochschule ohne Abschluss. Ein Forscher am Wirtschaftsinstitut ifo erklärt in einem Interview mit der Tagesschau die hohen Zahlen unbesetzter Ausbildungsplätze, welche ein hohes Risiko für die deutsche Wirtschaft mit sich bringen, da Azubis dort eine hohe Relevanz besitzen.[3] Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigte, dass Ausgebildete mit zusätzlicher Fortbildung, etwa einem Meister oder Techniker, seltener arbeitslos sind als Akademiker, ähnlich gut verdienen und eine hohe Nachfrage nach ihnen auf dem Arbeitsmarkt besteht.[4] Weiterhin hob das Institut der deutschen Wirtschaft auch die ansteigende Fachkräftelücke, besonders bei Fachkräften mit eine abgeschlossenen Berufsausbildung, hervor.[5] Bei einem Blick auf den Arbeitsmarkt lässt sich zudem erkennen, dass 15% der Erwerbstätigen unter 35 Jahren formal für ihre Tätigkeit überqualifiziert sind, denn sie haben einen höheren Bildungsabschluss als für ihre aktuelle Tätigkeit erforderlich.[6]

Die wirtschaftliche Lage in der Industrie und Wissenschaft

In der Industrie führt die schwächelnde Konjunktur zum Abbau von zahlreichen Stellen. Die Zahl der Beschäftigten lag Ende September 2025 um 2,2% niedriger als 12 Monate zuvor.[7] Diese Industriekrise hat starke Auswirkungen auf junge Akademiker:innen. Im Durchschnitt waren im Jahr 2025 etwa 45.000 junge, gut ausgebildete Akademiker:innen arbeitslos. Nahezu doppelt so viele, wie im Jahr 2022. Zudem dauerte es bei den unter 35-Jährigen durchschnittlich 112 Tage, bis sie nach ihrem Abschluss Beschäftigung fanden. Das sind 19 Tage länger als noch im Jahr 2023. Diese Entwicklungen spiegeln sich unter anderem in einem Anstieg des Beratungsbedarfs wider.[8]

In der Konsequenz kommt es in der Wissenschaft zu einer wachsenden Bedeutung außerakademischer Karrieren, denn es gibt nicht genügend Stellen, um allen Interessierten eine Dauerperspektive anzubieten.[9] Beim Betrachten des Arbeitsmarktes für Postdocs und Promovierte lassen sich weiterhin niedrige Arbeitslosenquoten von etwa 1-2% für Promovierte erkennen.[10] Die Verträge sind allerdings häufig befristet und führen nicht automatisch zu einer akademischen Karriere, da die Befristung eine starke Auswirkung für den Verbleib in der Wissenschaft besitzt. Folglich wechseln viele Postdocs in andere Sektoren.[11]

Fazit – Was hilft bei der Jobsuche?

Für junge Wissenschaftler:innen stellt sich nun die Herausforderungen, mit diesen Entwicklungen umzugehen. Zunächst lässt sich festhalten, dass sie langfristig höhere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, wenn sie flexibel sind und auch Rollen außerhalb der klassischen Wirtschaft in Betracht ziehen.[12] Ein Quereinstieg, insbesondere mit der Nutzung von Weiterbildungen, bildet eine gute Option ab, um sich für Branchen zu qualifizieren, in denen es eine hohe Nachfrage gibt.[13]

Weiterhin erfolgt die Auswahl in Bewerbungsprozessen zunehmend nach Skills statt nur nach formalen Abschlüssen, daher sollten transferierbare Skills im CV nachweisbar sein.[14] Gerade vor diesem Hintergrund gewinnen transferierbare Kompetenzen und flexible Karrierewege zunehmend an Bedeutung. Die Anforderungen an Kompetenzen und Qualitäten der Bewerber befinden sich aktuell in einem starken Wandel.[15] Alles in allem lässt sich jedoch sagen, dass Akademiker: innen bereits eine hohe Flexibilität aufweisen, weshalb sie vergleichsweise kürzer arbeitslos sind und vergleichsweise wieder schnell in Beschäftigung gelangen.[16]

Im MINT-Arbeitsmarkt bleibt die Fachkräftelücke weiterhin groß und es gibt trotz der konjunkturellen Abschwächung weiterhin eine erhebliche Zahl an offenen Stellen.[17] Auch die Prognosen zeigen vor allem eine anhaltend hohe Nachfrage nach Kompetenzen in diesem Bereich.[18]

[1] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/akademiker-jobsuche-100.html

[2] https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Juengere/Generische-Publications/AM-kompakt-Herausforderungen-junge-Menschen.pdf?__blob=publicationFile

[3] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/arbeitsmarkt-fachkraefte-100.html

[4] https://www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/susanne-seyda-meister-braucht-das-land.html

[5] https://www.iwkoeln.de/studien/jurek-tiedemann-lydia-malin-jahresrueckblick-2022-fachkraeftesituation-angespannter-denn-je.html

[6] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2026/PD26_05_p002.html

[7] Podcast: Handelsblatt Morning Briefing “Outlook: Economy cautiously optimistic”

[8] Spiegel article: Young, highly trained – and no longer in demand

[9] https://www.jmwiarda.de/2024/06/12/tenure-track-sechs-milliarden-und-ein-weiter-flaschenhals

[10] https://germanpostdoc.net/national-report-on-early-career-researchers-2025-key-findings/

[11] www.jmwiarda.de/https-www.jmwiarda.de-2025-02-03-arbeiten-in-der-wissenschaft-wie-kann-deutschland-fuer-forscher-attraktiver-werden/

[12] https://www.jmwiarda.de/https-www.jmwiarda.de-2025-02-03-arbeiten-in-der-wissenschaft-wie-kann-deutschland-fuer-forscher-attraktiver-werden/

[13] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt-stellenangebote-jobsuche-wird-schwieriger-100.html

[14] https://arxiv.org/abs/2312.11942

[15] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/akademiker-jobsuche-100.html

[16] https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Berufe/AkademikerInnen/Allgemeiner-Teil/Generische-Publications/1-7-Arbeitslosigkeit.pdf?__blob=publicationFile&v=2&

[17] https://www.wveb.de/mint-herbstreport-2025

[18] https://op.europa.eu/webpub/eac/education-and-training-monitor/en/comparative-report/chapter-1.html

Autorin: Sina Simon, Alumnimanagement & Career Center - Forschungszentrum Jülich

Letzte Änderung: 26.05.2026