Mit ACTRIS zu verbesserten Klimaprognosen

27. April 2023

Die Europäische Kommission hat das Projekt zur Atmosphärenforschung ACTRIS (Aerosol, Clouds and Trace Gases Research Infrastructure) offiziell als Konsortium für eine europäische Forschungsinfrastruktur, kurz ERIC, anerkannt. Europaweit sind mehr als 100 Institutionen beteiligt, die zusammen die größte standortübergreifende Infrastruktur der Welt für die Atmosphärenforschung bilden. Das Ziel von ACTRIS ist es, bessere Vorhersagen von Luftqualität, Wetter und Klima zu ermöglichen. Der deutsche Part (ACTRIS-D) besteht aus elf Universitäten, Behörden und wissenschaftlichen Einrichtungen – darunter das Forschungszentrum Jülich mit seiner Atmosphärensimulationskammer SAPHIR und seiner Expertise in der Kalibrierung von Spurengasmessungen. Koordiniert wird ACTRIS-D vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) in Leipzig.

Die kurzlebigen Klimatreiber wie Methan oder Ruß sind in der Regel nur wenige Stunden bis Wochen in der Atmosphäre unterwegs – im Gegensatz zu den langlebigen Treibhausgasen wie Kohlendioxid. Deshalb ist über die Wirkung letzterer deutlich mehr bekannt als über die kurzlebigen Bestandteile, obwohl auch diese das Klima deutlich beeinflussen. Die Auswirkungen der menschlichen Aktivitäten auf die Atmosphäre vom einzelnen Auto bis hin zu riesigen Waldbränden können jedoch nur dann abgeschätzt werden, wenn Messungen kontinuierlich und großflächig an vielen Punkten erfolgen. Vor diesem Hintergrund soll ACTRIS seinen Nutzer:innen freien Zugang zu Messeinrichtungen, Fachwissen, Schulungsmöglichkeiten und Datenmanagementdiensten bieten.

Mit ACTRIS zu verbesserten Klimaprognosen
Liefert auch für ACTRIS Daten: die Jülicher Atmosphärensimulationskammer SAPHIR.
Forschungszentrum Jülich / Sascha Kreklau

Das Jülicher Institut für Troposphärenforschung untersucht im Rahmen von ACTRIS-D mit der großen Atmosphärensimulationskammer SAPHIR den Abbau kurzlebiger Spurenstoffe und die dabei auftretende Produktion sekundärer Schadgase und Partikel. Darüber hinaus baut das Institut das ACTRIS-Kalibrierzentrum für die Vor-Ort-Messung kurzlebiger Spurengase in der Atmosphäre auf und wird es später leiten. Dieses Zentrum soll die präzise und europaweit vergleichbare Messung von Stickoxiden (NOx) und organischen Spurengasen in der Atmosphäre sicherstellen. Wichtiger Datenlieferant ist auch die Wolkenbeobachtungsplattform JOYCE (Jülich Observatory for Cloud Evolution), die das Jülicher Institut seit mehr als zehn Jahren mit dem Institut für Geophysik und Meteorologie der Universität zu Köln betreibt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Jülicher Aktivitäten für ACTRIS über fünf Jahre mit 5 Mio. Euro.

Nach der Aufbauphase soll ACTRIS 2025 in Betrieb gehen. Geplant ist eine Laufzeit bis mindestens 2050. Spätestens dann sind alle ACTRIS-Dienste über www.actris.eu zugänglich.Die jährlichen Betriebskosten der zentralen Einrichtungen ab 2025 werden auf etwa 16 Mio. Euro geschätzt.

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    Letzte Änderung: 04.05.2023